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2008

           
Recital: Santa Cruz, Tenerife, 13.01.2007. Teatro Guimerá

Como contrapartida el 13 de enero, y también dentro del Festival, aunque esta vez el escenario se trasladó al Teatro Guimerá capitalino, disfrutamos de otra velada lírica con distinta enjundia. El programa estaba diseñado en base a Lieder: de Schubert Die Bürgschaft (Schiller) D246, con Britten 7 Sonette Op. 22 (Michelangelo) y para Strauss 5 Lieder Op. 21Schelichte Weisen"(Dahn), 4 ausgewägkte Lieder y la colección Op. 27 que incluye otros 4, todos ellos fueron esculpidos por la voz del tenor Jonas Kaufmann al que acompañaba el pianista Helmun Deutsch. Y decimos esculpidos porque la técnica le permitió cambiar el color oscureciéndolo en los momentos más dramáticos, adelgazando o engrosando la emisión, constantes modulaciones, flexibilidad, perfecta emisión, es decir, un instrumento canor muy trabajado aunque en algunas ocasiones se percibieran roces o límites en los registros más altos. Toda esta belleza hubiera sido infructuosa sin el magnífico acompañamiento del piano de Deutsch, que metamorfoseaba el sonido de manera sorprendente al requerimiento de la voluntad expresiva. Otra vez lamentamos el escaso público asistente, y nos preguntamos: ¿dónde están los amantes de la música vocal? ¿Se habrán enterado de la existencia de este repertorio?

 
¡Qué fiato!, ¡Qué si bemol!
Las Palmas de Gran Canaria, 14.01.2007. Teatro Cuyás. Jonas Kaufmann, tenor. Helmut Deutsch, piano. Franz Schubert: Die Bürgschaft (Schiller) D 246. Benjamin Britten: 7 Sonette opus 22 ( Michelangelo). Richard Strauss: 5 Lieder (Schlichte Weisen, Sehnsucht, Nachtgang, Freundliche Vision, Ich liebe dich); 4 Lieder (Heimliche Aufforderung, Ruhe meine Seele, Morgen, Caecilie) opus 27. Ocupación: 60%
Luisa del Rosario González

Es simpático, es guapo y encima canta bien. Se llama Jonas Kaufmann, un tenor al que no hace falta presentar a pesar de su juventud, y que la noche del domingo ofreció un recital inolvidable en el Teatro Cuyás de la capital grancanaria en el marco del Festival de Música de Canarias.

Con el vienés Helmut Deutsch al piano -músico al que tampoco hace falta presentar por lo habitual que es verlo con Anne Sophie von Otter, Matthias Goerne o Bo Skovhus, entre otros-, el tenor alemán ofreció una versión de Die Bürgschaft (D 246), digna de los gustos más exigentes. Kaufmann paseó su voz por los textos de Schiller dándoles vida y creyéndose el papel. Sus cambios de registro pusieron de manifiesto las exquisiteces de una obra en la que Schubert homaenajea el amor fraternal hasta convertirlo en uno de los más puros de los sentimientos. Una voz hermosa, aunque sin excesivo brillo, que pliega para conseguir dominarla en los cuasi recitativos que apenas canta pero en los que pone la pasión justa para conectar con el público.

Más fría -sólo eso- fue su interpretación de los 7 Sonetos op. 22 de Britten. Kauffmann, a diferencia de lo que hizo con Schubert y después con Strauss, se apoyó en la partitura lo cual le restó parte de uno de sus fuertes: interpretar con voz y movimiento lo que canta. No obstante, la belleza de las canciones del compositor inglés quedó patente pese a la peor dicción italiana del tenor.

En la última parte, imerso ahora en el amor heterosexual expresado en una selección de los lieders op. 21 y 27 de Strauss, retomó el pulso del recital. El escaso público que se congregó en el Cuyás volvió a vibrar deleitándose en la combinación de potencia y belleza.

A la salida, mientras unos admiraban "su fiato" y su "si bemol" poniendo un pero en el "fa sostenido" y en que si era "más wagneriano que schubertiano" o "más de ópera que de lied", otros, con una sonrisa en los labios, expresaban su satisfacción porque aunque "no entendían" de música, Kaufmann les había emocionado.
 
Zürcher "Zauberflöte": Traum und Albtraum
Äußerst kontroversiell nahm das Publikum am Wochenende Martin Kusejs
Neuinszenierung von Mozarts "Zauberflöte" am Opernhaus Zürich auf. Unumstritten war Dirigent Nikolaus Harnoncourt.

VON ANNA MIKA/Neue Vorarlberger Tageszeitung
Tamino und Pamina posieren während der Ouvertüre für das offizielle Hochzeitsfoto. Als sie sich den Kuss geben wollen, werden sie auseinandergerissen und die Oper nimmt ihren Lauf. Bei den Schlusstakten der Oper dasselbe Bild: Nun küssen sie sich und das Blitzlichtgewitter geht los. Der Bruchteil der Sekunde vor dem Kuss breitet sich aus in einem zweieinhalbstündigen Albtraum, in einem durch die Drehbühne in die Endlosigkeit potenzierten Raumlabyrinth, fensterlos, weiß gekachelt, klaustrophobisch eng und hoch (Bühne Rolf Glittenberg).

Regisseur Martin Kusej interessiert an Mozarts letzter Oper nicht das mystische, philosophische oder freimaurerische Element, er reduziert sie auf die elementaren Gefühle Angst bis zur Todesangst, Liebe bis zur Verzweiflung. Dass dann ein Männerfechtklub zu "Isis und Osiris" betet, dass die Person des Sarastro rätselhaft bleibt, interessiert Kusej auch nicht.

Und es stört ihn auch nicht, dass die rassistischen und frauenfeindlichen Textstellen der Oper sogar noch auf die Spitze getrieben werden. Freilich ist alles in einer solch meisterhaften Schärfe gezeichnet, dass einem diese Gefühle in die Knochen fahren und so schnell nicht wieder loslassen. Dennoch ging keineswegs "der Zauber flöten", wie ein Mitwirkender bemerkte, denn der breitete sich umso spürbarer durch die Musik aus.

Stand doch Nikolaus Harnoncourt am Pult, von dem wahrhaft Unerhörtes kam. Der so brutale Monostatos flüsterte da seine Arie des Begehrens, ebenso der Chor seinen "Triumph dem edlen Paar". Papageno und Pamina sangen langsam-traumverloren von "Mann und Weib", aber in Paminas Arie wurde das Pochen im Orchester zum Herzschlag, so rasch war sie.

Unter den SängerInnen war Jonas Kaufmann der Held des Abends, übernahm er doch souverän in wenigen Stunden die Partie des Tamino vom erkrankten Christoph Strehl. Die junge Julia Kleiter als Pamina überzeugte durch ihre Musikalität, ebenso wusste Ruben Drole als Papageno für sich einzunehmen. Matti Salminen als Sarastro und Elena Mosuc als Königin seien stellvertretend genannt für das stimmige Ensemble.

 
SZ vom 20.02.2007/R.J,Brembeck
„So entdeckt Kusej in der "Zauberflöte" erst einmal den Erotiker Mozart und er weicht den mit Albernheit und Peinlichkeit drohenden Fallstricken des Stücks aus. Vor allem, weil der überzeugende Papageno von Ruben Drole nicht den tüdeligen Kinderbetörer gibt. Keine Vogelfedern werden ihm zugestanden, sondern nur ein dunkler Anzug, auf den so manches Federvieh seine Notdurft verrichtet hat. Drole singt den störrischen Underdog, der sein persönliches bisschen Glück sucht. Ein wütender junger Mann, der dumpf und einsam gehalten wird im Feudalismus, und dem seltsamerweise erst die neue Zeit der gottesfürchtigen Misogynen um Sarastro eine ähnlich sexhungrige Frau (Eva Liebau) verschafft, mit der er gleich zur Sache kommt. Immer also muss eine Inszenierung hinter den Wortlaut schauen und das dort (womöglich) Gemeinte an den Tag bringen. Aber Kusej kommt nicht über die einleuchtenden Ansätze des Anfangs hinaus. Es scheint eine verrätselt mythologischen Lesart erkennbar, die Kusej dann weder konsequent noch überhaupt verfolgt. Denn je länger der Abend, umso platter bebildert der Regisseur den Vordergrund und nicht die möglichen Intentionen des Textes. Warum lässt es sich die emanzipierte Pamina der beeindruckend, wenn auch pragmatisch nüchtern singspielenden Julia Kleiter gefallen, von Tamino & Co wie ein Mensch zweiter Ordnung behandelt zu werden? Was empfindet der heldisch singende Tamino von Jonas Kaufmann, der am Premierentag eingesprungen ist für den erkrankten Christoph Strehl, für Pamina? Braucht dieser unbedarfte Jüngling überhaupt eine Frau, will er nicht viel mehr nur Karriere machen? Die Rätsel mehren und mehren sich im Verlauf des Abends, zumal auch Dirigent Harnoncourt wie gewohnt nichts an Magie, Unbeschwertheit, Eleganz und Eros dazugibt. Sein Mozart bleibt der Erde verbunden, der Dirigent setzt konzise und knarzig die Noten in den Raum, und betreibt wie sein Regisseur Entzauberung.“
 
"Zauberflöte" in Zürich: Bravos für Harnoncourt, Buhs für Kusej
Neuinszenierung der Mozart-Oper wurde weniger goutiert als die musikalischen Leistungen
Zürich - Mit Jubel für die Sänger - allen voran für den als Tamino eingesprungenen Jonas Kaufmann -, Bravos für den Dirigenten Nikolaus Harnoncourt und heftigen Buhs für Regisseur Martin Kusej ging heute, Samstag, Abend nach dreieinhalb Stunden die Premiere von Mozarts "Die Zauberflöte" am Opernhaus Zürich zu Ende.

Nach den großen Erfolgen der gemeinsamen Salzburger Festspiel-Produktionen des "Don Giovanni" und des "Titus" hatte man mit Spannung auf den dritten Mozart-Streich des österreichischen Dream-Teams Harnoncourt und Kusej gewartet.

Brüche und Tempowechsel
Während der Dirigent, der vor 20 Jahren bereits einmal in Zürich eine "Zauberflöten"-Neuinszenierung geleitet hatte, das Orchester der Oper Zürich in gewohnter Weise dazu brachte, sich gegen die Hörgewohnheiten auf alle Brüche und Tempowechsel der Partitur einzulassen, schien die Inszenierung mit vielen Gags und Regieeinfällen mehr die Oberfläche als die Analyse zu bedienen und ein schlüssiges, zwingendes Konzept zu vermissen.

Ein Labyrinth aus hohen Kellerräumen (Bühne: Rolf Glittenberg) diente als sich immer wieder drehender Schauplatz des Kampfes zwischen den Welten von Sarastro (Matti Salminen) und der Königin der Nacht (Elena Mosuc). Neben Kaufmann als Tamino wurden vor allem auch Julia Kleiter als Pamina und Ruben Drole als Papageno mit viel Applaus bedacht.
Die Inszenierung steht bis 28. März auf dem Spielplan des Zürcher Opernhauses. (APA)
 
Opernglas 4/2007
Zürich: Die Zauberflöte, 17. Februar 2007
Viel hat man schon gerätselt über den Bruch, der mitten durch die “Zauberflöte« geht. Als Pamina nämlich Sarastros Reich betritt, kehren sich die zuvor vermittelten Werte plötzlich um. Die Königin der Nacht erscheint nun nicht mehr als liebende Mutter, sondern als intrigante Rächerin, wogegen Sarastro sich in der Wahrnehmung Taminos vom Frauenräuber und -verführer zum weisen Herrscher wandelt. Bei Martin Kusej im Zürcher Opernhaus werden solche Ungereimtheiten - und darin besteht eine Stärke seiner von einem größeren Teil des Publikums heftig abgelehnten Inszenierung aufgehoben in einer Betrachtungsweise, welche die Figuren aus mehreren Perspektiven zeigt. So wird bei der ersten Begegnung Taminos mit dem Dunstkreis Sarastros deutlich, dass hier nicht nur milde Humanität herrscht. Ein Schwerverletzter wird weggetragen.- „Opfer“ des Sprechers, der sich im Fechten übt. Die „wilden Tiere“, die es laut Text in Sarastros Reich gibt, werden von Kusej ersetzt durch Männer, die ein Beil schwingen. Pamina schließlich ist nicht die Einzige, die wider ihren Willen zu Sarastro gebracht wurde: Kusej führt zusätzlich drei unverkennbar traumatisierte Mädchen in die Handlung ein.

Sein Ansatz nimmt sich denn auch psychologisierend aus - am meisten bei Tamino, der in Papageno auf sein Alter Ego trifft, was von der Bewegungsregie und der Personenführung sorgsam herausgearbeitet wird. Entsprechend trägt auch der Vogelfänger einen - freilich arg verschmutzten und zerknitterten - Smoking (Kostüme: Heidi Hackl). Da die „Reise“ Taminos letztlich zu einer Selbstergründung wird, folgt auch das von Rolf Glittenberg entworfene Bühnenbild nicht einem äußerlichen Realismus. Ein nüchterner Raum mit grauen Steinplatten an den Wänden setzt die Darsteller schutzlos sich selbst aus.

Die Eindimensionalität der Produktion wird optisch widergespiegelt durch das Bühnenbild, das für die über dreieinhalb Stunden Aufführungsdauer wenig Reiz bietet. Wenn die Inszenierung einen zusehends ermüdet, liegt das aber auch daran, dass zu viele altbekannte Versatzstücke des Regietheaters verwendet werden. Da gibt es Benzinfässer, Taschenlampen, eine Badewanne, Darsteller in Unterhosen...

Inmitten des Ganzen fand sich bei der Premiere ein Paar, das sich die Natürlichkeit des Singens wohltuend bewahrte. Julia Kleiter war eine Aufsehen erregende Pamina: mit einem warmen, substanzvollen, dabei aber schlank geführten Sopran und einer klar zeichnenden Phrasierung. Kleiter befreite die Pamina von aller falschen triefenden Mädchentragik und machte aus der Figur eine selbstbewusste, aber empfindsame junge Frau. Als Tamino war kurzfristig Jonas Kaufmann eingesprungen (auf dem Besetzungszettel war noch der Name des ursprünglich vorgesehenen Christoph Strehl gedruckt). Kaufmann gelang nicht nur das Kunststück, sich binnen weniger Stunden in die Inszenierung einzuarbeiten; er war auch stimmlich in hervorragender Verfassung. Sein Tenor gewann über einem satten, dunklen Fundament hohe Strahlkraft und verströmte sich mit großer Flexibilität und klanglicher Kohärenz.

Matti Salminen als Sarastro vermochte seinen voluminösen Bass schlank zu führen und zeigte, dass er sich auch nach ungezählten Wagner-Einsätzen das Feingefühl für Mozart bewahrt hat. Der gerade 26-jährige Ruben Drole gab einen Papageno von holzschnittartig.kräftiger Differenzierung. Als Papagena ließ Eva Liebau einen hellen Sopran hören und entwickelte viel vokalen Charme. Gut, dass die Rolle einmal nicht mit einer Anfängerin besetzt war. Das Trio der drei Damen glänzte mit stimmlicher Üppigkeit, wobei Sandra Trattnigg, Martina Welschenbach und Katharina Peetz im Timbre optimal miteinander harmonierten. Elena Mosuc dagegen hatte einen schwereren Stand als sonst. Ihrer Königin der Nacht wurden unerwartet dramatische Akzente abgefordert, selbst in die Koloraturen hatte sie ein Crescendo zu legen - und das beeinträchtigte wohl ein wenig die Mühelosigkeit der Höhenattacke. Gabriel Bermüdez blieb als Sprecher, sieht man von seiner athletischen Erscheinung ab, etwas blass. Der von Ernst Raffelsberger einstudierte Chor verstand es, die ungewohnten Vorgaben des Dirigenten Nikolaus Harnoncourt bestens umzusetzen.

Harnoncourt bürstete das Stück wider den Strich - oder besser: die Hörtraditionen - und brachte damit das Orchester der Oper Zürich an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Der Klang wies eine warme Grundierung auf, in der das Holz und die Kontrabässe mehr als üblich hervortraten. Die Tempi waren langsam; dennoch verstand es Harnoncourt, Betonungen mit Tempovariationen (meist in Form zusätzlicher Verlangsamungen) zu erzeugen. Man hörte aufregend viel Neues -und hätte sich doch zuweilen ein etwas herzhafteres Musizieren gewünscht.
Th. Baltensweiler
 
Stuttgarter Nachrichten vom 21.02.2007
Martin Kusej inszeniert an der Züricher Oper Mozarts "Zauberflöte"
Die vierte Prüfung im Schwimmbad
Anfang und Ende gleichen sich: Schon zur Ouvertüre steht das Brautpaar auf der Bühne, lächelt so glücklich ins Publikum wie zu den Schlussakkorden. Dazwischen erinnert es sich an das, was dieser Vermählung vorausging.

Und das ist bei Martin Kusej ein ziemlicher Albtraum. Bis zur Bühnendecke reichen die Mauern aus betongrauen Quadern, die sich labyrinthisch verkeilen und den Spielraum einengen. Diese drehen sich zwar auf der Bühne der Züricher Oper, aber weder weiten sie sich aus oder verschwinden, zu sehen sind eben nur verschiedene Variationen von Enge. Und der lustige Papageno ist bei seinem ersten Auftritt in der Voliere gefangen.

Nun gibt es in der Tat klaustrophobe und beängstigende Situationen in Mozarts "Zauberflöte", doch ein einziger trister Gang durch eine Architektur, die wie ein Gefängnis anmutet, ist sie nun auch wieder nicht. Kusej verzichtet auf jegliche Freimaurer- oder Ägypten-Assoziationen, und das ist ja auch in Ordnung so. Doch sonst ist ihm außer ein paar Mätzchen nicht viel eingefallen: Die drei Schicksalsdamen stochern blind durchs Gelände, in der Essenspause zwischen den Prüfungen greift Papageno zur Cola-Büchse und liest auch noch laut den Markennamen vor. Der Prinz ist entzaubert, der Vogelhändler ist ein struppiger, schwarz-weiß gekleideter Vorstadtpunk - optisch ist das eine triste Angelegenheit.

Dass die gesamte Oper nicht ganz so daherkommt, liegt am musikalischen Beitrag. Dirigent Nikolaus Harnoncourt ist nicht mehr so dogmatisch wie einst, er lässt auch mal die Musiker sängerisch denken. Süffig und samtig spielte das Züricher Opernorchester die Ouvertüre, etliche Passagen klangen auch im weiteren Verlauf wie eine Vorwegnahme des Spätwerks von Gioacchino Rossini. In der Tempowahl entschied sich Harnoncourt grundsätzlich für ziemlich langsam. Ungewöhnlich zärtlich erklang so die Antrittsarie von Papageno, fast schon tragisch, das Scheitern vorausahnend, jene der Königin der Nacht. Mit Nachlässigkeit hat dies jedoch nichts zu tun, das zeigte sich in den Chorszenen, in denen Harnoncourt im Zusammenspiel äußerste Präzision einforderte.

Was die Optik nicht hergibt, holen die Solisten eben stimmlich nach. Ruben Drole ist ein ganz herziger, liebevoller und lustiger Papageno, der auch noch gewinnt, wenn er verzagt ist. Bei der Premiere war Jonas Kaufmann als Tamino sein Partner, der kurzfristig für den erkrankten Christoph Strehl eingesprungen ist. Er bewegte sich ganz natürlich, agierte auch viel mimisch und gestisch. Stimmlich ist ihm die Rolle eh wie auf den Leib geschrieben. Ähnliches lässt sich auch von Matti Salminen berichten, ein bewährter und souveräner, nach wie vor voll tönender Sarastro.

Ein ungewöhnliches Rollenprofil wählte Elena Mosuc als Königin der Nacht. Ihre Rachearie etwa stellte sie ganz in den Dienst des Stückes, indem sie mit den berühmten aberwitzigen Koloraturen nicht bravourös vor dem Publikum glänzte, sondern diese rau und gepresst ausschließlich an ihre Tochter richtete. Julia Kleiter gab eine vor allem verängstigte Pamina.

Am Schluss greift Kusej doch noch in die Trickkiste. In einer Videomontage steigt das glücklich vereinte Paar in ein Auto, das in Wasserfluten versinkt. Gewissermaßen als vierte Prüfung schwimmen sich die beiden dann in einem Schwimmbad ins Freie, die Hochzeit kann beginnen. Armin Friedl
 
 
Stuttgarter Zeitung vom 21.02.2007
Im Scheidungskrieg entzaubert
Nikolaus Harnoncourt und Martin Kusej zerdehnen Mozarts "Zauberflöte" am Opernhaus Zürich
Von Werner Müller-Grimmel
 
Über Mozarts "Zauberflöte" gehen die Ansichten auseinander. Einerseits gibt es zweifellos Unstimmigkeiten im eilig zusammengeschusterten Libretto von Emanuel Schikaneder und wechselhafte Qualitäten in der stilistisch recht heterogenen Musik, anderseits ist das Stück seit mehr als 200 Jahren ein Kassenschlager. Am Opernhaus Zürich, wo es erst vor sechs Jahren das letzte Mal inszeniert wurde, leistet man sich jetzt den Luxus einer abermaligen Neuproduktion.

Nikolaus Harnoncourt, der hier vor mehr als zwanzig Jahren seine erste, damals von Jean-Pierre Ponnelle inszenierte "Zauberflöte" dirigiert hat, setzt sich nunmehr bereits zum dritten Mal mit Mozarts letzter Oper auseinander. Regie führt auf seinen Wunsch Martin Kusej, mit dem er in Salzburg 2002 Mozarts "Don Giovanni" erarbeitet hat. Durch Eingriffe und Erweiterungen bei den Dialogen hat Kusej nun versucht, jene Brüche der "Zauberflöte" zu Qualitäten umzudeuten. An geheimniskrämerischer Freimaurersymbolik, die der Wiener Vorstadtkomödie nachträglich aufgepropft wurde, ist er nicht interessiert. Die offensichtlich unlogische Umwertung Sarastros vom anfänglichen Bösewicht zum Vertreter humaner Weisheit versucht er als Perspektivenwechsel plausibel zu machen. Auch die Königin der Nacht ist nicht mehr nur eine böse Hexe, sondern wird als solche lediglich von Sarastro diffamiert.

Zwischen den beiden Kontrahenten tobt bei Kusej eine Art Rosenkrieg geschiedener Eheleute, in den Tamino mit seinem Werben um die Tochter mitten hineingerät. Pamina ist das Opfer einer modernen Scheidungstragödie, in der die Regie den neutralen Blickwinkel eines Mediators einnimmt. Auch hinter die männerbündische Welt Sarastros macht Kusej viele Fragezeichen. Zur vielleicht etwas behäbig angegangenen, im fugierten Allegro-Teil streckenweise verwackelten Ouvertüre steht ein junges Brautpaar im Rampenlicht. Beim Versuch, sich zu küssen, stürzen die beiden geradewegs in einen Albtraum. Am Boden wälzen sich Menschen, die wie lauter Laokoons von schwarzen Schlangen bedrängt werden. Doch das ist nur die erste Station in einer Folge seltsam gruseliger Prüfungen. Erst wenn sie alle bestanden sind, winkt dem Paar am Ende der zunächst verweigerte Ehekuss.

Auf Rolf Glittenbergs kreisender Bühne gibt es keine "heil"gen Hallen" mit Säulen, sondern ein Labyrinth hoher Räume mit kahlen Kachelwänden und metallenen Feuerschutztüren, das immer wieder neue Einblicke in surreal anmutende Lagerräume und Verliese eröffnet. Beilbewaffnete Gestalten mit rußverschmierten Gesichtern lauern hinter Ecken, Monastatos steigt als King-Kong-Monster zum Schreck gefangener Mädchen aus einer Badewanne, Metzger mit blutigen Schürzen und Schlachtermessern zeigen sich hinter Türen, und wiederholt begegnen sich die Protagonisten in diesem Traum- und Spiegelkabinett scheinbar selbst.

Kusejs Lesart macht aus Schikaneders Libretto ein ganz neues, subtil im Detail ausgearbeitetes, reichlich mit hintergründigen Gags angereichertes Stück, deutet überall unterschwellige Erotik und sexuelle Begehrlichkeiten an, verzerrt aber die Proportionen der Partitur und kann deshalb selten die atmosphärischen Qualitäten der in diesem Kontext eher entzaubert wirkenden Musik entwickeln. Auch Harnoncourt, der vieles mit manierierter Langsamkeit und Agogik zelebriert, trägt dazu bei, dass die Aufführung zunehmend auf der Stelle tritt.

Unreinheiten bei Bläsern und massive Lautstärken im von Ernst Raffelsberger einstudierten Chor machen die Sache nicht besser. Welch ein Glück, dass in Zürich ein erlesenes Solistenensemble bereitsteht. Jonas Kaufmann (bei der Premiere kurzfristig für Christoph Strehl eingesprungen) begeisterte als Tamino mit nuancenreichem, in allen Lagen präsentem Tenor.

Sensationell sangen auch Ruben Drole, als Papageno ein schräger Vogel, aber immun gegen die sektiererischen Zumutungen von Sarastros Fechtkumpels, Elena Mosuc (Königin der Nacht) mit hochseilartistischer Koloraturenakrobatik, Julia Kleiter als vokal und szenisch betörende Pamina, Eva Liebau als lispelnde Papagena mit Taucherbrille und Gummistiefeln (Kostüme: Heidi Hackl) und nicht zuletzt Matti Salminen als von sich selbst überzeugter, in seine salbungsvoll-profunden Basstöne verliebter Sarastro.
 
 
Opera News 5/2007
ZURICH — Die Zauberflöte, Opernhaus Zürich, 2/17/07
Nikolaus Harnoncourt returned to Zurich to conduct a new Zauberflöte staging (seen February 17), some twenty years after his classic stage collaboration on this opera with Jean-Pierre Ponnelle. Martin Kusej, the controversial director of Harnoncourt's 2005 Salzburg Don Giovanni sojourn, was his new Zurich Flute partner. This Flute had all references to the Enlightenment, Egypt and Freemasonry radically erased, as if designer Rolf Glittenberg had decided to rebuild the mise-en-scène as a subterranean labyrinth, set on a revolving platform like a concrete bunker, protected by steel doors. Behind this yawned a nightly abyss, where evacuated citizens moved about in their modern department-store clothes (designed by Heidi Hackl).

The performers seemed traumatized by their erotic experiences. The spectacle started with Pamina and Tamino posing in their wedding garb during the overture for a photo shoot, at the end of which — just as they were about to kiss — rough arms crashed through the screen behind them, drawing them into the blackness of the night. This was evidently a flashback, transporting them to the events of the "folle journée" preceding their wedding. When the curtain opened, we saw Tamino cringing on the floor of a snake-pit, surrounded by dozens of creatures like him, fighting against the invasion of glittering plastic snakes. These were stopped by three girly, high-heeled Ladies, wearing sunglasses but obviously blind — they barely avoided crashing into one another as they jealously grappled for the youth "so beautiful as I have never seen before."

For the encounter with Papageno, we moved to a different part of the labyrinth, where the birdcatcher lived, encaged in his volière (without birds). Tamino conversed with Papageno through the glass panes, their mirror-like movements reflecting their identical nature. When the Three Ladies reappeared, they sealed Papageno's mouth by kissing him.

Further strange happenings included the three huge, half-naked black hoodlums, obviously bodyguards of Monostatos, who emerged from a bathtub in a King Kong mask. The three Genii entered with their kindergarten playmates, all tenderly caressing black ravens; later on, they were shown pulling up dead chickens in a dirty lumber-room. For her Act II aria, the Queen of the Night emerged from a refrigerator — into which she retreated after knocking off her Fs. "How was the fire and water trial handled?" you might ask. For this the stage floor was sprinkled with petrol, then Pamina lit up a match and both proceeded through the chamber to reappear for their water test, shown on video. Boarding a car, they were then lowered down a riverbed and submerged in the waves, from which they escaped by swimming to the surface. In the end, they were carried in, strapped on their beds, their bodies wretchedly injured but their longing for each other so strong that they finally managed to set the seal on their marriage with the kiss that they were denied just three-and-a-half hours before.

Alas, all that generations of opera fans have loved about Die Zauberflöte seems to have evaporated in this production. The opera's youthful freshness and spontaneity, its warm humanity and moral fibre, its endearing follies and absurdities — and almost all of its genuine humour — rest here in the scenes between Papageno (twenty-six-year-old Swiss newcomer Ruben Drole, a carefree child of nature with a beefy baritone) and Papagena (the cunning and capricious Eva Liebau). All the other artists onstage seemed to be inmates of a subterrenean psychotic clinic — including the smooth Sarastro of Matti Salminen, the brilliant Elena Mosuc's Queen of the Night, whose coloratura glittered like ice-crystals (small wonder after her banishment to a refrigerator) and the lovely, deeply wounded Pamina of Julia Kleiter, with her firmly molded, radiantly beautiful line. The Tamino of Jonas Kaufmann — who stepped in at the last moment for the ailing Christoph Strehl — seemed deeply worried but sounded fabulously firm and almost steely. Rudolf Schasching brought forth alien monster sounds as Monostatos. The Ernst Raffelsberger-trained chorus contributed valiantly, as did the augmented forces of the Zurich Sängerknaben.

Thank goodness Harnoncourt's reading of the score and the playing of the Zurich opera orchestra seemed unaffected by the harrowing experiences the performers on the stage were enduring. Harnoncourt, who has undoubtedly reconsidered since his last Zauberflöte here, now prefers slower tempos throughout. He puts stronger emphasis on the shaping of individual lines, which gives them luminous transparency and lends the performance a chamber-like touch. Ensembles seem to materialize out of gossamer — it is at these moments that the "magic" of Mozart's title starts to work.

Those who missed the show in Zurich can decide whether this type of Musiktheater insanity is their cup of tea when the DVD of the production is released, shortly after its broadcast via German, Austrian and Swiss TV.

HORST KOEGLER
 
 
Der Bund
Endspiel Zauberflöte
Mutig und düster: Mozarts «Zauberflöte» in Zürich
Martin Kusej deutet Mozarts Oper jenseits aller Clichés als eine Art Albtraum. Musikalisch überzeugt Nikolaus Harnoncourt mit einer Lesart sehr nah am Wort und irritiert zum Teil mit sehr langsamen Tempi.

Die neue Zürcher «Zauberflöte» ist kein naives Märchen. Statt putziger Tiere bedrohen blutige Fleischer und finstere Grubenarbeiter mit Äxten den Prinzen Tamino und seine Pamina, die sich durch ein gekacheltes, ausblickloses Labyrinth kämpfen. Aber diese «Zauberflöte» ist auch eine schwarze Komödie, bei der hinter jedem Lachen Abgründe drohen.

Regisseur Martin Kusej deckt die bedrohlichen Seiten in Mozarts zweitletzter Oper auf. Welches sind die Prüfungen, die dem Liebespaar auferlegt werden, bevor es sich endlich vereint? Wer prüft wozu? Kusej gibt keine fixe Antwort, sondern lässt die Handlung als eine Art Flashback eines Paares bei der Hochzeitszeremonie ablaufen. Zur Ouvertüre stehen Tamino und Pamina mit gespanntem Blick frontal zum Publikum: Hochzeit ist eine ernste Sache. Doch dann reisst es sie nach hinten weg – in eine kafkaeske Welt der Ängste und Träume. Überzeugend, wie verloren die beiden jungen Leute gezeigt werden. Jonas Kaufmann, der erst am Premierentag den erkrankten Christoph Strehl ersetzte, gestaltet einen Tamino von enormem Schmelz und Musikalität und fügt sich sehr natürlich ins Ensemble und die Inszenierung ein. Als Pamina setzt Julia Kleiter dem insgesamt bestechenden Ensemble die Krone auf. Mit welcher Ruhe, darstellerischer und vokaler Intensität die junge Sopranistin die entführte Prinzessin vom naiven Mädchen zu einer ernsthaften jungen Frau auf der Suche macht, ist schlicht atemberaubend.

Alles ist möglich
Rolf Glittenbergs labyrinthische Drehbühne mit ihren zum Verwechseln ähnlichen Räumen könnte ein Bunker sein, in den sich wie in Becketts Endspiel die überlebende Klassengesellschaft nach dem Atomkrieg flüchtete. Das Dilemma der divergierenden Zauberflötenwelten fällt weg, in dieser Traumlogik ist alles möglich. Sarastro erscheint als ambivalenter Zeremonienmeister. Matti Salminen verströmt nach wie vor Bassesschwärze und Autorität, seine verfärbten Vokale und undeutlichen Konsonanten fallen hier, wo der Text wieder ernst genommen wird, aber negativ auf.
Einige Bilder der Inszenierung sind von verstörender Kraft. Im ersten Akt kann man ein allzu bekanntes Stück wirklich neu sehen. Dabei gewinnen die Figuren an Profil, Leben und Natürlichkeit. Die Komik wirkt gerade bei den kleineren Rollen ausnehmend gut: Bei den drei auch vokal ideal austarierten Damen von Sandra Trattnigg, Martina Welschenbach und Katharina Peetz oder den beiden Priestern von Morgan Moody und Andreas Winkler. Die Papageno-Szenen schlagen bei aller Urtümlichkeit nie in pseudogemütliche Anbiederung um.

Energie und Spannung
Der junge Schweizer Bariton Ruben Drole präsentiert sich nicht nur mit farbigem und ausdrucksstarkem Bariton, sondern auch als guter Darsteller. Seine Auftrittsarie («Der Vogelfänger bin ich ja») bekommt durch ein langsames Tempo und dynamische Zurücknahme einen melancholischen Zug, welcher der Figur unüblichen Tiefgang verleiht. Allerdings sinkt das Überraschungspotenzial im zweiten Akt. Wie zeigt man die existenziellen Prüfungen? Wie löst man die exponierte Situation im abrupten Ende auf? Hier verliert die Inszenierung bei aller Genauigkeit im Detail an Tiefe.

Musikalisch setzt Nikolaus Harnoncourt auf langsame Tempi und rhetorische Pausen. Nicht immer aber wird diese Auslegung derart zum Gewinn, wie bei Papageno, Pamina oder dem flüsternden Monostatos (Rudolf Schasching als King-Kong-Figur): Die Rachearie der Königin der Nacht verliert viel von ihrer Aggressivität. So sicher Elena Mosuc singt, als Figur bleibt ihre Königin unterprofiliert. Eigenartig ist das Tempo auch im gehetzten Chor unmittelbar vor der Pause, weil es in gewissem Widerspruch steht zur Interpretation, die sich sonst stark am Text orientiert. Man kann die Tempi kritisieren, doch die Energie und Spannung Harnoncourts übertragen sich derart auf Orchester und Ensemble, dass man trotzdem von einem Glücksmoment sprechen kann.

Die erhoffte Modellaufführung ists indes nicht geworden, sie dürfte es bei der Heterogenität der «Zauberflöte» gar nicht geben. Wie weit sie sich aber von dem abhebt, was man als allzu vertrautes und gemütliches Bild dieser meistgespielten Oper kennt, ist beachtlich.
 
Schubert: Winterreise, Strasbourg, 20. April 2007
A L'OPÉRA DU RHIN / LE VOYAGE D'HIVER DE SCHUBERT
Le sens du mystère
Le ténor allemand Jonas Kaufmann était très attendu et a été très longuement acclamé, en compagnie du pianiste Helmut Deutsch, partenaire rêvé de tous les chanteurs, à l'issue de cette soirée consacrée au Winterreise de Schubert
.
C'est déjà un paradoxe presque d'entendre ce Voyage d'hiver un soir de radieux printemps, et on se disait peut-être qu'avec son physique de jeune premier l'interprète aurait pu choisir un répertoire moins sombre que le dernier cycle de lieds que Schubert a composé l'ultime année de sa vie.

Errance
On retrouve dans les textes de Wilhelm Muller, qui fut aussi le poète de la Belle meunière, des thèmes récurrents dans les deux séries de poèmes : l'errance le long de l'eau, l'amour raté, le miroir et le sosie, le désespoir. Mais dans Winterreise le voyage reste statique : il est le regard en arrière, le reste d'une mélancolie déchirante.

Schubert n'utilise dans les vingt-quatre mélodies que rarement le mode majeur, parfois seulement pour la dernière strophe.

Mais l'art de l'interprète est de faire passer une musique, quelle qu'elle soit.
Ce voyage, Kaufmann l'a conduit avec le parti pris de l'intériorité que réclame une partition qui n'indique les nuances qu'au clavier et le plus souvent en pianissimo. La voix ne s'ouvre en forte que sur les longues tenues aiguës, préparés en montées conduites sur la grande phrase.

Diction idéale
Une diction idéale, mais surtout ce sens du mystère qui fait de chaque lied la séquence d'un drame.
Kaufmann a ainsi tenu en haleine son public et l'a captivé du Gute Nacht initial jusqu'au fantastique Leiermann. Et Helmut Deutsch fut parfaitement au diapason du chanteur, anticipant ses moindres intentions. Un récital modèle.
Marc Munch
© Dernières Nouvelles D'alsace, Mardi 24 Avril 2007. - Tous droits de reproduction réservés
 
 
Klang und Deutung
HEIDELBERGER FRÜHLING: Jonas Kaufmann mit der "Winterreise"
Mannheimer Morgen, von Eckhard Britsch
Heimspiel für Jonas Kaufmann. Vor gut zehn Jahren, ziemlich am Anfang seiner Karriere, verzauberte er sein Publikum auf dem Heidelberger Schloss im Touristen-Renner "Student Prince". Seither zieren Auftrittsorte wie Tokio, New York, Zürich, Salzburg, Edinburgh und so weiter und so weiter den Karriereweg des hoch gelobten Tenors. Jetzt, beim Heidelberger Frühling, riss er in der Alten Aula sein Publikum mit Schuberts Zyklus "Winterreise" zu Beifallsstürmen hin.

Der Mann hat Ausstrahlung. Sein Zugang zu dieser Folge "schauerlicher Lieder", die Schubert selbstquälerisch gegen Ende seines Siechtums als richtungweisende Einheit von Poesie und Klang, von Wort und Musik zum Kosmos einer Depression zusammengewunden hatte, ist erst einmal ein originär sängerischer. Seine Stimme hat Sitz, Farbe, modulierenden Charme und attraktive Substanz. Aber bei diesem Sänger, der die Jugendlichkeit gepachtet zu haben scheint, kommt jetzt auch ein anrührendes Eingehen auf die Stimmungen der Lieder hinzu.

Sind die Lieder wirklich "schauerlich"? Bei Jonas Kaufmann klingt das anders, subtiler, als wenn er nur der niederschmetternden Bilanz des einsamen Wanderers nachspüren wollte. Bei ihm kommt ein feines Farbenspiel seelischer Befindlichkeit in den Gesang, der ihn vor eindimensionaler Betrachtung bewahrt. Denn über die Inhalte - Verzweiflung ob verlorener Liebe und Todessehnsucht - hinaus zeigt Jonas Kaufmann, was dieser Zyklus auch, ja vorrangig ist: wunderbare Musik, deren facettenreiche Schönheit er auffächert.

Natürlich stellt er "Die Wetterfahne" harsch auf oder zeigt die fünfte Strophe des "Lindenbaums" ("Die kalten Winde bliesen") in wortlastiger Abstraktion oder lässt der Resignation in der Schlusszeile des "Frühlingstraums" freien Lauf. Doch alle Stimmungswechsel sind bei Jonas Kaufmann eingebettet in die Idee eines Gesangs, dem Klang mindestens so wichtig ist wie Deutung.

An seiner Seite Helmut Deutsch, als Liedbegleiter längst eine Instanz. Anfangs schien die dynamische Balance zwischen Flügel und Singstimme noch nicht ganz austariert, später ergab sich jene Einheit, die von Interpreten als Ideal erhofft wird.

 
Jonas Kaufmann singt Schuberts „Winterreise"      (meine Empfehlung: Hört es euch lieber selbst an um euch eine eigene Meinung zu bilden)    
Von unserem Redakteur Frank Pommer
Mit dem Tenor Jonas Kaufmann gastierte einer der derzeit interessantesten Opernsänger beim „Heidelberger Frühling". Die Frage allerdings, ob Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise" das richtige Repertoire für ihn ist, lässt sich nach seinem Kontert am Sonntagabend zusammen mit dem Pianisten Helmut Deutsch nicht eindeutig beantworten.

Es ist der Gipfel des Liedgesangs: Schuberts „Winterreise" - 75 Minuten Selbstentäußerung. Und sängerische Kraftanstrengung, von der man allerdings nichts merken darf. Nackter nie ist ein Sänger als in einem Liederabend, nie so ganz alleine gelassen - sieht man von seinem pianistischen Partner ab. In Schuberts „Winterreise", die nur vordergründig ganz romantisch von einer enttäuschten Liebe erzählt, geht es um fast schon existenzielle Themen: Todessehnsucht, Wirklichkeitsverlust - ein Stationendrama der Regression, der willentlich herbeigeführten Selbstauflösung in der ungastlichen, winterlichen Natur. Wie aber singt man so etwas?

Nun, zunächst einmal mit perfekter Technik, mit sauberer Stimmführung, mit lyrischer Einfärbung. Zu viel Druck kann schädlich sein, nachlassende Konzentration nachgerade tödlich. Der Sänger muss die Spannung halten, zugleich die Verzweiflung des lyrischen Ichs glaubhaft vermitteln - und darf doch nie mit seiner Identifikation zu weit gehen. Groll, Wirklichkeitsverlust, herzzerreißende Trauer, abgrundtiefe Resignation: dies alles muss der Sänger vermitteln. Und nichts, außer seiner Stimme, hilft ihm dabei. Keine Bühne, kein Kostüm, kein Orchester. Nur das Klavier erzählt die gleiche Geschichte einer in völliger Verzweiflung mündenden Verletzung.

Jonas Kaufmann hat eigentlich alle stimmlichen Fähigkeiten, um diesen sängerischen Gewaltakt zu stemmen. Er versucht es vor allem mit einer dynamischen Ausdifferenzierung, will seiner Stimme auch damit die unterschiedlichsten Farben mitgeben. Und doch irritiert schon sein erster Einsatz in „Gute Nacht". Geradezu flüsternd, unsicher tastend steigt er in den Zyklus ein. Die Stimme klingt brüchig, kehlig, spröde, scheint nicht dort zu sitzen, wo sie hingehört. Ist das nun Manierismus oder einfach nur technisch unsauber? Dass er es ganz anders kann, beweist schon das zweite Lied: „Die Wetterfahne". Hier präsentiert er sein stimmliches Material, macht ganz auf und begeistert - wie etwa auch später im Schlussvers von „Die Krähe" auf den Vers „Treue bis zum Grabe" - mit einem strahlenden Tenor, der seine lyrische Mozartphase längst hinter sich hat und auf dem Weg ist ins Heldenfach.
So geht das den ganzen Abend: Leichte intonatorische Unsauberkeiten, eine Stimme, bei der man Angst hat, dass sie im nächsten Moment ganz wegbrechen wird, wechseln sich ab mit Momenten großen Liedgesangs. Kaufmann könnte, wenn er wollte, all diese Brüche und Schwächen umgehen. Doch er will das wohl so, will auch stimmlich das Gebrochensein des leidenden Ich, seine Verirrung an der Welt zum Ausdruck bringen. Das ist ein sehr großes Risiko, das nicht immer belohnt wird.
Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 24.04.2007
 
 
Tages-Anzeiger: «Winterreise», forte
Zürich, Opernhaus. - Schuberts Freunde mochte die «Winterreise» zunächst nicht zu begeistern. Zu düster war ihnen der vom Komponisten selbst «Kreis schauerlicher Lieder» genannte Zyklus. «Mir gefallen diese Lieder mehr als alle und sie werden euch auch noch gefallen» soll Schubert darauf entgegnet haben und er hat Recht behalten. Längst ist die «Winterreise» ein Fixstern am Kunstliedhimmel. Entsprechend anspruchsvoll ist die Aufgabe, der sich jeder Sänger stellen muss, will er diesen tiefernsten leisen und durch die Exponiertheit der Stimmen auch technisch heiklen Zyklus auf die Bühne bringen. Jonas Kaufmann hat sich am Montagabend zusammen mit dem Pianisten Helmut Deutsch herangewagt. Kaufmanns Wandergesell ist jugendlich und leidenschaftlich; er resigniert nicht, sondern bäumt sich auf gegen die Trostlosigkeit was in den häufigen Steigerungen ins Forte ebenso zum Ausdruck kam wie in den verhältnismässig raschen Tempi.
Die leisen Töne gelangen Kaufmann nicht ganz so bestechend, wodurch sich ein wenig von der unentrinnbaren Ausweglosigkeit des Zyklus verlor, die die Interpretation «schauerlicher» hätte machen können. Dies wurde aber durch die ausgezeichnete Diktion, die differenzierte Ausgestaltung - auch des dichterischen Textes - aufgewogen. Helmut Deutsch war dabei weit mehr als ein blosser Begleiter. Ganz sparsam im Umgang mit dem Pedal gestaltete er einen transparenten Klavierpart, der sich nie unnötig in den Vordergrund drängte, sondern mit dem Gesang zu einem zu einem Ganzen von überzeugender Schlichtheit zusammenfand.
Anna Kardos
 
 
 Neue Nuancen im Bekannten
 "Die Zauberflöte" als Operngala bei den diesjährigen Maifestspielen
 Wiesbadener Tagblatt, von Siegfried Kienzle
WIESBADEN Fünf Jahre alt ist mittlerweile die Wiesbadener "Zauberflöten"-Inszenierung von Cesare Lievi, in der Tamino als Schulbub aus dem Klassenzimmer aufbricht. Seine Suche nach Liebe und Weisheit wird zum Marsch in die arktische Kälte - hinein in eine eisgraue verknöcherte Gesellschaft. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich und überzeugend trotz der Eigenwilligkeit dieses Regiekonzepts vier Gastsänger ihre Rollen ausfüllen.

Das gilt vor allem für den Papageno von Markus Brück, der einige Jahre Protagonist im Wiesbadener Ensemble war. Sein Vogelfänger zieht nicht die obligate Hanswurstiade ab, sondern zeigt in den Sprechszenen das Charakterporträt eines pfiffigen, warmherzigen Lebenskünstlers, der zur eigentlichen Gegenfigur zum gefühlskalten Vernunftkult im Reich Sarastros wird. Wie bei Brück im Duett "Bei Männern, welche Liebe fühlen" das Staunen über eine unbekannte Liebesahnung durchklingt, wie er das Plapper-Duett mit Papagena als stotternde Sprachlosigkeit der Freude akzentuiert - so viel an spielfreudiger Präsenz begeistert. Mit seinem helltimbrierten Pracht-Bariton vermag Brück immer neue Nuancen im Wohlbekannten zu entdecken. Der Tenor Jonas Kaufmann ist in seinem Repertoire längst bei Florestan und Hüon angekommen. So haben seine trompetenhaften Spitzentöne einiges an Mozart-Schmelz eingebüßt. Kaufmann verfügt über empfindsame Pianokultur. Für die Zähmung der Tiere, für die Begegnung mit Pamina findet er sensible Zwischentöne der Hoffnung, Resignation und des leidenschaftlichen Aufbegehrens.

In wuchtigem Pathos stellt Kurt Rydl seinen Sarastro als Patriarchen hin. Mit weißem Bart und Silbermähne erscheint er wie einer jener Herrscher, die in Science-Fiction-Filmen das Universum unterjochen. Seine Priester sind greise Apparatschiks. Im Schlussbild, wenn Mozart die Strahlen der Sonne bejubelt, blicken wir auf eisverkrustete Palmen.

In flammendem Rot bringt die Königin der Nacht mit ihren Damen Farbe und Kontrast in diese triste Welt. In Abendroben und wippenden Federn verkörpern sie lockende Erotik, Fantasie, Jugend. In diesem Sinn singt Cornelia Götz ihre Koloraturketten nicht in schneidender Kälte, sondern sanft abgemildert.

In beseelten Legatobögen gestaltet die Pamina von Thora Einarsdottir die Todessehnsucht ihrer g-Moll-Arie. Erik Biegel vermittelt den Leidensdruck des Monostatos im Lendenschurz als Wilder aus dem afrikanischen Busch. Emma Pearson ist eine neckische Papagena, Axel Wagner solid als Sprecher und ein Geharnischter. Ansprechend auch die drei Damen Annette Luig, Ute Döring und Inga Lampert.

Marc Piollet gibt bereits der Ouvertüre den filigranen Schliff und zeigt in den Orchesterstimmen, wie viel an Zukunftsangst mitschwingt, wenn die Musik anscheinend so munter und melodisch die Geschichte vorantreibt. Eine imponierende Gesamtleistung, mit stürmischem Beifall bedacht.
 
 
Ball der Künste, München
Bunte: Die Society tanzt und ein junger Tenor bekommt mehr Applaus als Bryan Ferry
Wenn Damen im gesetzten Alter kreischen und Herren in den besten Jahren nichts mehr auf den Sitzen hält, steckt normalerweise ein Pop-Gigant dahinter. Zum Ball der Künste kam zwar Superstar Bryan Ferry nach München, doch die wahren Begeisterungsstürme entfachte ein bis dahin unbekannter Tenor (*): Der Münchner Jonas Kaufmann sprang für Ramon Vargas ein, brillierte neben Mezzosopranistin Vesselina Kasarova und eroberte das Publikum im Sturm. Einer von vielen Höhepunkten bei einem besonderen Ball, zu dem Dirigent Kent Nagano und Museumsdirektor Chris Dercon zum ersten Mal eingeladen hatten. Medienpartner waren dabei Hubert Burda Media und „Elle“. Gesichtet: .......(Liste einiger Ballgäste weggelassen)


* man möge dem Schreiber verzeihen, schließlich ist mir z. B. der Name Bryan Ferry gänzlich unbekannt und immerhin konnte man in der gleichen Illustrierten am 11.6.2006 folgendes lesen:
In der Kehle sind wir Weltmacht
OPERNSTARS sind - neben Autos und Maschinen - die stärksten deutschen /Exportartikel. Warum?
Einmal im Jahr pilgern die singenden Opernstars nach Bayreuth. ... ...................

............... Allen voran: René Pape (Bass) Diana Damrau (Sopran) Jonas Kaufmann (Tenor) Wolfgang Brendel (Bariton) ...
Bunte
(Eintrag aus dem Genios.de Archiv, vollständiger Artikel nicht vorhanden)

 

 
 
La Traviata, Paris, 16. Juni 2007
NZZ, 18.6.2007: Alles in bester Ordnung - oder fast
Giuseppe Verdis «Traviata» mit Christoph Marthaler und Sylvain Cambreling in Paris

Ein Kassenschlager wie Verdis «Traviata» mit dem Regisseur Christoph Marthaler - da droht Sturm. Tatsächlich führte die in jeder Hinsicht bemerkenswerte Premiere in Paris zu schriller Kontroverse.

Zur Garderobe geht man nicht im Palais Garnier; es empfiehlt sich schon deshalb nicht, weil sie viel zu klein und schlecht gelegen ist. Wenig erstaunt deshalb, dass das Personal an diesem abgeschabten Tresen zu den Klängen des Vorspiels, das vom Orchester der Pariser Nationaloper und seinem Dirigenten Sylvain Cambreling sehr langsam und feinfühlig exponiert wird, ziemlich Trübsal bläst. Die Zeit scheint aufgehoben in diesen neunundvierzig Takten, auch für die unscheinbare junge Frau mit dem roten Kruselhaar, dem schwarzen Babydoll und den klobigen Pumps, die auf dem Tresen hockt. Doch wie die üppig bestückte Banda auf der Hinterbühne mit ihrem Allegro brillantissimo e molto vivace einsetzt, kommt Bewegung in die Szene. Treffen die Damen und Herren ein, die zu der grossen Abendgesellschaft bei Violetta Valéry geladen sind, und wird Mantel um Mantel aufgetürmt, bis der arme Groom unter der Last zusammenbricht. Nur eine behält ihren Pelz an - weil sie unter dem edlen Stück rein gar nichts trägt: eine Wiedergängerin jener kämpferischen Umweltaktivistin, die mit solchen Aktionen in der Mailänder Scala zu Sant'Ambrogio das erlauchte Publikum zu erschrecken pflegte.

Verkörperungen

Nun, so kommt es heraus, wenn man, wie jetzt für die jüngste Produktion der Paris Nationaloper, den Regisseur Christoph Marthaler zusammen mit seiner Ausstatterin Anna Viebrock in den altehrwürdigen Hallen des Palais Garnier an einen Kassenschlager wie Giuseppe Verdis «Traviata» lässt. Da wird Christine Schäfer ungefähr zum Gegenteil jener Violetta Valéry, die Anna Netrebko bei den Salzburger Festspielen 2005 gegeben hat. Bleiben die Champagnerkelche leer und die Kehlen trocken, selbst beim «Brindisi», das der schüchterne Alfredo - Jonas Kaufmann lässt das sehr glaubhaft hören - nur unter Überwindung aller Furcht zustande bringt. Und während die Netrebko damals mit ihren Reizen spielte, von den Männern auf Händen getragen und dabei nach Massen begrapscht wurde, bricht hier in Paris die grossbürgerliche Festgesellschaft in absurde Zuckungen aus - der Choreograf Thomas Stache spart nicht an der Zeichnung dieser Degeneration. Doch dann geht es rasch zur Sache - und kaum je wird in einer Inszenierung von Verdis «Traviata» so deutlich spürbar, wie plötzlich hier der Umbruch von der lauten Öffentlichkeit ins private Drama erfolgt. Noch gibt es zwar jenen schmuddeligen Vorraum mit der kleinen Bühne schräg hinten, aber schon sind die Energien voll und ganz auf die gleich sehr innige, echte Beziehung zwischen den beiden jungen Menschen so unterschiedlicher Herkunft fokussiert.

Das wird mit aller Liebe aus- und durchgeführt. Gewiss sieht es in einzelnen Momenten nach szenischer Unschlüssigkeit und klassischem Rampensingen aus. In Wirklichkeit aber dominieren die musikalische Ausgestaltung und, in enger Übereinstimmung damit, die Feinarbeit der Körpersprache. «Un dì felice», das erste Duett der Liebenden, zeigt, wie flexibel Jonas Kaufmann mit seinem geschmeidigen Timbre umzugehen und wie sensibel er sich seiner Partnerin anzupassen vermag. Denn Christine Schäfer ist nicht nur physisch, sondern auch stimmlich alles andere als jene selbstbewusst aufbegehrende Violetta, die gewöhnlich vorgeführt wird. Ein zerbrechliches Wesen, körperlich gezeichnet, stimmlich zart. Den enormen Umfang der Partie bewältigt sie nach der Tiefe wie der Höhe hin grandios, die Diktion ist makellos, und wie sie den mit Pausen durchsetzten Einstieg in «E strano» phrasiert, zeugt von blendender musikalischer Intelligenz. Und Sylvain Cambreling, dem das Orchester aufmerksam folgt, erweist sich als ein maestro concertatore von Rang - als ein Dirigent, der die kleinsten Seelenregungen der Sänger aufnimmt, der darüber hinaus die Tempi vielfach gegeneinander abstuft und die Farben dergestalt auszeichnet, dass das Instrumentale weit über die reine Begleitung hinauswächst.

Und schon werden wir Zeugen des heiteren Landlebens. Hier gibt es einen hübschen Liegestuhl, nur: Könnte er nicht dem «Zauberberg» entstammen? Und auch hier gibt es Champagner, doch ist die Flasche abermals leer. Erhalten geblieben ist endlich die kleine Bühne; auf ihr wird ein Rasenmäher repariert - was nur auf den ersten Blick witzig ist. Denn das Gerät wird vollständig, bis auf seinen elektrischen Antrieb hin demontiert - so wie es Violetta Valéry widerfährt. Nun schlägt nämlich die Stunde von Recht und Ordnung, verkörpert durch Giorgio Germont, der von der fragilen Aussenseiterin den Sohn Alfredo zurückfordert. Der Einwurf «Pura siccome un angelo» lässt erleben, mit wie viel musikalischer Kultur José van Dam nach wie vor agiert. Nicht zu überhören ist allerdings auch, dass die Stimme des grossen Baritons inzwischen doch merklich an Glanz verloren hat - was hier wiederum zu besonderer Schlüssigkeit führt. Die dramatische Spannung erfährt dadurch eine Zuspitzung ganz eigener Art. Kein Wunder, dass Violetta zerbricht und aufgibt. «Che gli dirò?», fragt sie sich zu Beginn der Briefszene, in der sie Alfredo um den Abschied bittet. Wer es gesehen und gehört hat, wird es nie vergessen: wie Christine Schäfer zum ergreifenden Sextsprung der Soloklarinette die Hand vor die Augen schlägt.

Kontroversen

Zwar folgen dann noch der Moment der Unterhaltung, der Ball bei Flora Belvoix (Helene Schneiderman) mit den spanischen Stierkämpfern, die einen tiefen Einblick in machistische Schuhmode erlauben, sowie der dramatische Höhepunkt, an dem Alfredo der geliebten Violetta in voller Verzweiflung sein eben erspieltes Geld vor die Füsse wirft. Aber das Ende erscheint in dieser Inszenierung besonders unausweichlich. Und es wirkt besonders berührend, weil Christine Schäfer die Verletzlichkeit dieser jungen Frau - die gar nicht so sehr an Tuberkulose als an zerstörter Liebe zu sterben scheint -, die Fragilität der Gefühle und die Brutalität der gesellschaftlichen Hackordnung so unglaublich intensiv über die Rampe bringt. Rasch und lautlos sinkt ihre Violetta am Ende in sich zusammen; die anderen, auch Alfredo, sie stehen oben auf der kleinen Bühne und weinen ihre Tränen - unter ihnen Docteur Grenvil, dem Nicolas Testé in seinen zwei kurzen Einwürfen nachhaltig Stimme gibt. Womit die Ordnung wiederhergestellt wäre.

Und dann brach sie aus: die Saalschlacht, wie sie dort dazugehört, wo Gerard Mortier als Intendant das Sagen hat. Jubel ohne Grenzen für die Protagonisten, doch als Christoph Marthaler und Anna Viebrock die Bühne betraten, schienen die Wände des Palais Garnier einstürzen zu wollen - Sylvain Cambreling hatte sein Fett schon vorher abbekommen. Oper, die nicht bloss unterhält, sondern ganz direkt, ja existenziell ans Herz geht und erst noch den Geist beansprucht, kann nicht anders als Kontroversen auslösen. Besseres kann freilich auch nicht geschehen.

Peter Hagmann

 
 
Le Figaro: Un destin de théâtre
CHRISTIAN MERLIN. Publié le 19 juin 2007
La Traviata de Verdi à l'Opéra Garnier
Il y a du progrès : les huées qui accueillent habituellement Christoph Marthaler à Paris étaient bien là pour la première de La Traviata, mais réservées au rideau final, alors que pour Les Noces de Figaro elles perturbaient le cours du spectacle. Le public serait-il en train d'admettre qu'il ne s'agit pas d'un charlatan qui peint des moustaches à la Joconde, mais d'un grand homme de théâtre ? Ses productions ne sont ni réalistes ni contemporaines : avec sa décoratrice Anna Viebrock, il modernise mais n'actualise pas, créant toujours un effet de dépaysement. Le chef-d'oeuvre de Verdi se déroule dans les vestiaires et la buvette d'une salle de spectacles sinistre des années 1950, où les invités mènent une vie de fêtards factice et mécanique, sans aucune place pour la joie. Peter Mussbach avait fait de Violetta une Marylin, avec déjà Christine Schäfer : c'est à Édith Piaf que Marthaler identifie la dame aux camélias. La soprano allemande est Édith, ce petit bout de femme si fragile et si fort, dont la rage de vivre est aussi intense que la santé est délabrée. Marthaler en fait un destin de théâtre en renversant les rôles : bien qu'elle soit en représentation, c'est elle qui est vraie, les autres relevant d'une convention que le metteur en scène dénonce avec son ironie féroce. Quelle émotion, quelle poésie, lorsque les lumières s'éteignent et que les personnages se figent pendant que Violetta-Édith, éclairée par une poursuite de music-hall, chante ses sentiments intimes comme en un récital imaginaire ! Commenter la direction de Sylvain Cambreling à part n'aurait aucun sens car elle est appariée à la mise en scène. Avec sa lecture impitoyablement analytique, son tempo funèbre (presque aussi lent que Giulini à la Scala en 1955), il met la fosse en phase avec la scène. Comme l'orchestre, il faut écouter la distribution en oubliant ses références italiennes. Oui, Christine Schäfer a la voix bien légère et bien lisse pour un rôle aussi latin, mais chez elle la fragilité fait la force, la froideur l'expressivité. Voix très allemande aussi pour le ténor Jonas Kaufmann, barytonnant, cuivré, quasi-wagnérien, tandis que Germont père n'a jamais été le meilleur rôle de José van Dam.
 
 
Salzburger Nachrichten vom 18.06.2007 Derek Weber
„Da werden sich doch manche Besucher, die mit den Namen Christoph Marthaler und Anna Viebrock nicht vertraut sind, schwarz geärgert haben. Zumindest war die Publikumsreaktion auf das Leading Team am Ende der Premiere von Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ ziemlich geteilt: Viel weiße Begeisterung und gut gebrüllte tiefschwarze Buhs hielten sich die Waage. Und in der Tat: In dieses morbide Ambiente der alten Pariser Oper im Palais Garnier – die noch bis 2009 zu Gérard Mortiers Reich gehört – hätte ein alter Kitschhase wie Franco Zeffirelli eine überladene Inszenierung hineingewuchtet, die mit Anspielungen ans 19. Jahrhundert nicht gespart hätte. Stattdessen gab’s als Viebrock-Bühnenbild einen quer gestellten, leeren, großen Raum mit einem erhöhten Etwas im Hintergrund, das sich im Lauf der Handlung als Leinwand-Portal eines alten Kinotheaters erwies. Dementsprechend beginnt das rauschende Festbild des ersten Akts mit dem Eintreffen der in Dior-Roben gekleideten Gäste vor der Garderobe des Theaters, sozusagen ein Startzeichen für Marthalers absurden Bewegungs-Humor: Ein Garderobier wird mit Mänteln aller Art so lange überladen, bis er niederbricht, der Chor verfällt mit den Garderobezetteln in den Händen in ein spastisches Bewegungsballett. Vier Tänzer bilden die Spitze des Eisbergs dieser motorisch und sonst wie gestörten Gesellschaft. So ganz gelungen ist das alles nicht, doch ist es in sich stimmig und unverwechselbar. Die Personenführung ist ein wenig plakativ und besonders im Landhaus-Bild des zweiten Akts erstaunlich steif und statisch. Das scheint auch daran zu liegen, dass Marthaler manches auf die Bühne stellt, was die Musik nicht sagt. Am Beginn des Bildes versucht Alfredo Germont, auf der Hinterbühne einen kaputten Rasenmäher zu reparieren. Wenn sein Vater Giorgio (José Van Dam) auftritt, sollte man den steifen Bürger hören. Bei Marthaler wird er zum bösen Alten. Van Dam, der mit den Höhen der Partie seine liebe Not hat, unterstreicht das ungewollt durch unflexibles Phrasieren. Und Sylvain Cambreling als Dirigent trägt seinen Teil durch überraschend schwergewichtige und gedehnte Tempi dazu bei. Ganz in seinem Regieelement hingegen ist Marthaler im nächstem Bild, dem Fest bei Flora Bervoix. Diese hurige Flora (Helene Schneiderman) wird man ebenso im Gedächtnis behalten wie die poltrige Annina (Michèle Lagrange). Hier hat auch der Chor seinen glanzvollen Auftritt zwischen Tanz und quasi spastischen Anfällen: Alles Bürger- und Halbwelt, alle reif für die Trinkerheil- und Irrenanstalt. Selbst Alfredo (makellos: Jonas Kaufmann) besäuft sich in diesem Bild, ehe er den Mut hat, Violetta zu beleidigen, um dann verzweifelt vor ihr niederzubrechen. Diese kranke und gekränkte Violetta ist das Kraftzentrum des Abends: Christine Schäfer spielt und singt die leidende, von Anfang an zum Sterben und Erniedrigtwerden bestimmte Person, die weder in der gestörten Spaßgesellschaft, noch in der Bürgerwelt ihren Platz hat, mit unnachahmlicher Intensität, bar jedes Anflugs von Divenhaftigkeit. Am Ende ist sie ganz auf sich allein gestellt. Während die anderen auf der fernen Hinterbühne verharren, steigt sie in die Welt des Blumenmülls herab, die vorn ausgebreitet ist. Sie stirbt an dem, was diese Welt der rauschenden Feste aus ihr gemacht hat, und an der Unerreichbarkeit des „normalen“ bürgerlichen Lebens.“
 
 
LE MONDE | 20.06.07
Une "Traviata" sur la mauvaise voie
Il y a deux façons de mettre en scène un spectacle. La première est la "méthode entonnoir" ou, pour les cas extrêmes, la "méthode hachoir" : elle consiste, pour un metteur en scène, à faire passer coûte que coûte le sens d'un ouvrage par le tuyau plus ou moins broyeur de sa vision personnelle. C'est ce que vient de faire, comme beaucoup de ses collègues aujourd'hui sur les scènes lyriques notamment, le Suisse Christoph Marthaler, qui a essuyé les huées d'un public furieux lors de la première de cette nouvelle production de La Traviata, de Giuseppe Verdi, à l'Opéra de Paris.
La seconde méthode, hélas peu pratiquée ! consiste à regarder ce que l'oeuvre dit et à mettre son propre univers en résonance naturelle avec le propos et la musique. L'un des exemples les plus éblouissants de ce talent vient d'être donné par Patrice Chéreau avec De la maison des morts, de Janacek, à l'Opéra d'Amsterdam (Le Monde du 7 juin), spectacle qui sera présenté lors du Festival d'Aix-en-Provence. Mais tout le monde n'est pas Chéreau, qui n'est pas toujours lui-même et à qui il est arrivé de pratiquer la "méthode entonnoir".
Celle-ci est cependant souvent le signe d'un univers originellement fort. Celui de Marthaler, est-il besoin de le rappeler, est l'un des plus singuliers de la scène théâtrale européenne, mais il pèche par l'univocité de sa vision, filtrée par une éternelle paire de bésicles passablement ironiques et déformantes : comme chaque fois, la chair est triste, l'amour une chose que l'on donne sans y croire à quelqu'un qui n'a pas la force de le refuser, le tout baignant dans l'alcool, la drogue, la misère. Soit.
Le monde, et particulièrement celui de La Traviata ("La dévoyée"), n'est pas un long fleuve tranquille, chacun le sait, mais un regard dessillé ne devrait pas empêcher d'être visionnaire. Evidemment, Violetta Valéry, la dévoyée, doit être une star mythique. Peter Mussbach, à Aix, en avait fait une Marilyn ; Marthaler en fait une Edith Piaf mourant dans les détritus, soutenue par un jeune amant, dans le décor unique constitué par Anna Viebrock, une fois de plus dans le style d'une salle des fêtes de sous-préfecture des pays de l'Est, millésime 1964.

AVEC UNE BOUTEILLE

Bien sûr, alors que tout est décadence luxueuse, Marthaler renonce à ce qu'il appelle le "réalisme champagnisé". Dans la maison de campagne d'Alfredo (c'est toujours la salle des fêtes), un personnage répare une tondeuse à gazon. Bien sûr, on sert le breuvage pétillant dans des verres de plastique. Un personnage finit d'ailleurs par glisser le pied desdits verres entre ses doigts de pied. Une acrobate - sosie d'Eddie Sedgwick, camée météorique - joue avec une bouteille dont elle semble vouloir faire un accessoire sexuel - mais non. Dommage, car il n'y a guère d'autre chose à se mettre sous la dent dans ce spectacle prévisible dans sa volonté de ne l'être pas.
Christine Schäfer, sorte de Pierrette lunaire en absolu contre-emploi, tire sa voix en tête d'épingle du jeu. On l'aimait davantage en Chérubin rappeur qu'en dévoyée un peu courte de jambes. Son partenaire, Jonas Kaufmann, fait sensation, d'abord par son physique de star de cinéma. Mais quelle voix, et quel musicien... Il chante en artiste et non en ténor, capable de pianissimos et de vrais sons à décoller le plafond de Chagall.
Le chef Sylvain Cambreling ne mérite pas les huées qui l'ont accueilli à son retour en fosse après l'entracte, mais que sa direction est plate, sans finesse, sans élan ! C'est le seul qui pouvait comprendre la Traviata de Marthaler, a fait savoir le directeur de l'Opéra de Paris. Va donc pour Cambreling, tant pis pour Verdi.
 
 
Agence France-Presse, 17. Juni 2007
Une "Traviata" sans clichés, mais avare en émotions à l'Opéra de Paris
 Le metteur en scène suisse Christoph Marthaler a récolté les huées d'une bonne partie du public, samedi soir au Palais Garnier à Paris, à l'issue de la première d'une nouvelle production de "La Traviata" de Verdi débarrassée des conventions et des clichés, mais avare en émotions.

L'irrévérencieux Marthaler, habitué des broncas du public parisien, s'est présenté à la salle tout sourire, accompagné de sa décoratrice attitrée, l'Allemande Anna Viebrock.

La distribution vocale a pour sa part été chaleureusement applaudie (huit représentations jusqu'au 12 juillet).

Pour ce parangon du drame romantique qu'est "La Traviata", Marthaler et sa décoratrice ont renoncé aux riches appartements de la demi-mondaine Violetta, au premier acte, pour situer l'action dans le vestiaire d'une salle de spectacles défraîchie et éclairée aux néons.

Violetta - interprétée sans grande chaleur ni richesse par la soprano allemande Christine Schäfer - donnée d'emblée comme fragile et condamnée, évolue au milieu d'amis alcooliques et délibérément grotesques, comme lorsqu'ils sont frappés de tics nerveux pendant le célèbre toast.

Au deuxième acte, pas de maison de campagne, mais la réparation d'une tondeuse à gazon sur une petite scène de théâtre en fond de scène, et une chaise longue où Violetta s'allonge pour entendre les imprécations de Germont père (le baryton-basse belge José Van Dam, encore vaillant).

La fête chez Flora, blonde écervelée, enfonce le clou de la médiocrité de cette société de fêtards, qui s'amuse à peu de frais - on boit le champagne dans des flûtes en plastique - et rejette Violetta aussi vite qu'elle l'a courtisée.

Au troisième acte, plus sage, Violetta agonise dans son lit - installé sur la petite scène de théâtre - avant d'expirer au milieu de dizaines de bouquets de fleurs tapissant déjà le sol, anticipation sinistre de sa mort.

Le spectacle est traversé de plusieurs bonnes idées, comme la horde sauvage des invités se ruant sur le vestiaire pour récupérer leurs affaires, ou les baisers passionnés d'Alfredo à Violetta, alors même qu'il vient de l'humilier en public.

Mais à trop insister sur la médiocrité des personnages - Alfredo, par exemple, n'est qu'un simple "loser" malgré la voix puissante du ténor allemand Jonas Kaufmann - Marthaler rend parfois cette +Traviata+ anecdotique. A l'instar de sa Violetta qui, même isolée dans un rond de lumière - le metteur en scène dit s'être inspiré d'Edith Piaf - n'émeut guère.

Le chef Sylvain Cambreling, à la tête de l'Orchestre de l'Opéra de Paris, a suivi la même ligne, sans pour autant partager les huées adressées au metteur en scène au salut final.
PARIS, 17 juin 2007 (AFP)
 
 
De Standaard, Belgien
Wrang feestje met Verdi
Het Parijse operapubliek heeft weer discussiestof. 'La Traviata' is door de regisseur Christoph Marthaler zorgvuldig van alle conventies ontdaan. Na de première was luid boegeroep zijn deel.
Achter de scène van de Opéra Garnier wrijft Gerard Mortier zich in zijn handen. Zoals al maanden geleden voorspeld, is de première van La Traviata zopas geëindigd in een schandaalsfeer. Een confronterende kijk op het repertoire: ze is Mortier liever dan opera in een oogverblindende verpakking. Het Parijse publiek mag smullen van de grote titels, maar het moet zich af en toe ook eens verslikken.

Furieuze reacties zoals in Parijs zijn we in onze operahuizen niet gewend. Maar in het derde Mortierseizoen is er ook al een kentering merkbaar. Het premièrepubliek laat zich niet makkelijk meer jennen. Het kan de neiging onderdrukken om een voorstelling stil te leggen en geeft ook brutale en afwijkende visies een kans om zich te bewijzen.

Deze Traviata is speciaal voor Parijs bedacht. De afspraken waren al lang gemaakt, zegt Mortier. De voorbereiding was intensief en begon al drie jaar geleden.

Gerard Mortier: 'We zouden La Traviata doen. Vertaald naar vandaag, en niet in weelderige decors en kostuums. Aan regisseurs als Franco Zeffirelli danken we de extreme luxe die je altijd ziet op het toneel. Terwijl dit verhaal zich afspeelt bij de bekrompen demi-monde, die ongenadig omspringt met een kwetsbare vrouw als Violetta Valéry.'

De ruisende baljurken, de zwier en de elegantie die we associëren met La Traviata: de Zwitserse regisseur Christoph Marthaler heeft dat beeld met zorg getorpedeerd. Het feestje ten huize van Violetta begint wrang. De invités zijn rijkelijk laat en bestormen de vestiaire. De jassen stapelen zich op, tot een bediende bezwijkt onder het gewicht. In Verdi's uitbundige driekwartsmaten wordt de bourgeoisie te kijk gezet: een letterlijk verstarde menigte, zwaaiend met een geel ticketje.

Schuimende champagne valt er al helemaal niet te bespeuren. De schaarse roemers zijn van plastiek. Als in het tweede bedrijf een nieuw feest losbarst, is de chaos nog groter. Het ontaardt in een prettig gestoorde modeshow.

Marthaler breekt met alle geijkte opvattingen. De ontluikende hartstocht tussen Violetta en Alfredo? In de plaats zien we twee dolende zielen, onzeker en stuntelend. Dat hun latere liefdesgeluk zich afspeelt op het idyllische platteland, blijkt uit één klein detail: een grasmaaier die achteraan op de scène compleet gedemonteerd wordt.

Parodie

Marthaler durft: zoveel is zeker. Maar zijn concept is niet altijd even amusant en vindingrijk, en al na de eerste pauze blijkt het moeilijk vol te houden. De vraag besluipt je wat er schuilgaat achter zo veel parodie.

Langzaam wordt duidelijk dat Violetta, in de geest van Verdi, geboetseerd is als een modern en breekbaar personage. Ze is een onconventionele, vrijgevochten vrouw die hartstochtelijk wil liefhebben. Helaas valt ze ten prooi aan ziekte, aftakeling, de heersende moraal. Geregeld laat Marthaler haar in felle spotlights zetten. Violetta's rol is die van vedette en mediafiguur, geprezen en bekritiseerd. Als ze sterft, in een ijzingwekkend derde bedrijf waar de grappen en grollen verstommen, is dat in een berg van goedkope bloemenruikers.

De frêle Christine Schäfer is uitermate geschikt voor de titelrol. Ze is een kleine vrouw die overweldigt met een grote stem en grote emoties. Haar onflatteuze plisséjurk en korte lelijke krullen - een verwijzing naar Edith Piaf - lijken haar niet te deren. Op een overtuigende manier is ze een speelbal van het lot.

Jonas Kaufmann bewijst zich als een vinnige zanger, niet met een éclatante maar wel met een soepele stem. Als Alfredo is hij een volwaardige tegenspeler.

Net als eind vorig jaar in De Munt, vertolkt José Van Dam de rol van vader Germont. In deze productie kan hij meer zichzelf zijn. Met zijn witte baard en serene verschijning komt hij over als een echte vaderfiguur. Zelfs al is zijn stem tanend, het Parijse publiek koestert hem als een lievelingsfiguur.

De dirigent Sylvain Cambreling zit op dezelfde golflengte als het regieteam. Een salvo van bekende aria's lanceren was niet de eerste opdracht. Uit de orkestbak klinkt geen opzwepende, maar een bedachtzame en verrassend fragiele Verdi.

La Traviata, gezien in de Opéra Garnier in Parijs op 16 juni. Daar nog te zien tot 12 juli.
Geert Van der Speeten
 
 
La môme Violetta
Le Figaroscope/JACQUELINE THUILLEUX
Avec La Traviata, Verdi a fait un chef-d’oeuvre de lyrisme tendu, porté par son amour pour sa femme, la cantatrice Giuseppina Strepponi, mal accueillie dans son village et par sa famille. Tout le rôle n’est qu’un cri:
dans le registre de la virtuosité au fer acte, puis du désespoir sacrificiel, enfin cri déchirant d’adieu à la vie. Inspirée de Dumas fils, l’histoire se déroule dans un cadre luxueusement second Empire dont le caractère ostentatoire accentue habituellement les mâchoires sociales qui se referment sur l’héroïne. Si la musique est soutenue par une pulsion tout italienne, le drame est de portée universelle: un élément capital pour décrypter la nouvelle mise en scène de Ghristoph Marthaler, dans un cadre qui n’a toutefois rien de général puisque la décoratrice a reconstitué la salle de spectacle du Kulturhaus de Chemnitz, en ex-RDA. Christine Sch~ifer, dans le rôle de Violetta, est l’idéale incarnation de cette Piaf à l’allemande, crucifiée dans sa robe noire de clown mondain.

Critique
Le pari est intéressant. Et comment résister à la sublime musique de Verdi, que Sylvain Cambreling ne trahit pas, créant de violents contrastes avec un orchestre particulièrement concerné. Et parce qu’il sait aider la fine voix mozartienne de Christine Schàfer, laquelle n’a ni l’ampleur ni les notes hautes du rôle — amputées — mais en cisèle les déchirements avec une sensibilité poignante. Et puis il y a le somptueux ténor Jonas Kaufmann, émergeant victorieusement de sa coiffure à la Sarapo et d’une gestique maladroite voulue. Voix ambrée, au magnifique phrasé développé dans le lied et l’opéra allemand. Son Don José a ébloui cet hiver le public londonien et on envie les Milanais qui le verront le mois prochain en Alfredo face à Angela Gheorghiu. Son duo avec Schafer ajoute à l’étrangeté corrosive de cette vision d’une Traviata qui va beaucoup secouer les mélomanes.
 
Berliner Zeitung
Ticks aus der Partitur
Christoph Marthaler inszeniert, Sylvain Cambreling dirigiert Verdis "La Traviata" im Pariser Palais Garnier
Klaus Georg Koch
An der Pariser Opéra hatte man einen Theaterskandal aufziehen sehen, Beschimpfungen des Regisseurs, Verwünschungen des Intendanten, Geschrei, "auf den Scheiterhaufen mit Mortier!". Man hat solche Premieren in der jetzt dreijährigen Amtszeit des Intendanten Gerard Mortier schon erlebt. Aber das sind auch Theaterphantasien. Der Traum, rauh und wüst geliebt zu werden von seinem Publikum; Opernhäuser sind nicht der Hort der Rationalität. Jedenfalls blieb es diesmal friedlich, auch nach dem traurigen Ende von Verdis "La Traviata". Eine schöne Opernpremiere, Jubel für die Sänger. Selbst die Buhrufe für den Regisseur Christoph Marthaler klangen ganz zufrieden.

Das ist dann doch wieder merkwürdig. Hat alles zu allem gefunden? Trifft Marthaler jetzt den Ton des klassizistischen Paris? Marthaler hat dem Bebilderungsbetrieb der Oper doch immer wieder seine subversiv sich dahinschleppenden Inszenierungen entgegengehalten. Die bekannten Opernhelden hat er durch schlichtere Figuren ersetzt, die so langsam sind in ihrer Selbstvergegenwärtigungsarbeit, dass sie dem Publikum kaum noch etwas vorspielen könnten.

Tatsächlich gibt es auch in der neuen "Traviata" die alten marthalerschen Figuren mit den Ticks. Diese Figuren lassen die Köpfe hängen oder die Schultern hängen, oder sie zucken mit den Armen oder mit den Beinen, oder sie laufen die Wände rauf oder sie fallen um. In der "Traviata" sind es die Mitglieder der Gesellschaft, die durch die Ticks ausgezeichnet sind. Das allein wäre freilich nicht originell. Doch Christoph Marthaler und Sylvain Cambreling, der Dirigent der Produktion, haben für die Ticks auch einen Grund in der Partitur gefunden. Es sind die etwas scheppernden Begleitfiguren mit ihrer lokomotivenhafen Dynamik, das Verdische hm-ta-ta, die nun meist der Gesellschaft zugeordnet werden.

Das ist in der "Traviata" plausibel. Die Gesellschaft ist, bis auf eine Ausnahme im letzten Akt, in der die Moral aus ihr schlägt wie ein Blitz aus der Wolke, eine, die Feste feiert und tanzt bis in die Puppen. Ihr gegenüber sind die Helden der Geschichte gesetzt mit ihren Geschichten, mit ihren Passionen. So fällt die Titelheldin, die sterbenskranke Kurtisane Violetta in augenscheinlich ehrliche Liebe zu dem jungen Landadligen Alfredo, die beiden werden vom Vater Alfredos mit Liebesverbot belegt, und die Versöhnung findet tragischerweise erst im Augenblick des Todes statt. Die musikalische Welt dieser Helden aber ist die Melodie, jene der "Begleitung" entgegengesetzte musikalische Sphäre, in der Erleben, Gefühl und Leidenschaft ihren Ausdruck finden.

Hier stößt die Interpretation freilich an eine Grenze, an die Grenze des Offensichtlichen. Musikalisch ist eine Analytik, die Nebenstimmen von Hauptstimmen unterscheidet, bei Verdi nicht unbedingt ein Mittel, das Offenbarungen erschlösse. Es bleibt zwar nicht bloß beim etwas kreidigen Ton des Orchesters. Sylvain Cambreling hat seinen ganz besonderen Sinn für Stimmen, für den formvollendeten Aufbau von Gesangsphrasen auch in dieser Produktion walten lassen und damit den Sängern wie der Musik zu wirklich schöner Entfaltung verholfen. Aber vielleicht sind die Phrasen bei Verdi noch länger, ausschweifender, als Cambreling sie dachte. Oder anders gesagt: Die Auffassung der Musik der "Traviata" als etwas, das aus Teilen entsteht, ist zwar nützlich für die Proben, griffe in der Aufführung aber kurz. Es entsteht ja in der "Traviata" nicht wirklich etwas aus den Teilen. Eher ereignet sich etwas in unerklärlicher Natürlichkeit. Daher die Rührung.

Warum ist es nun aber ein schöner Opernabend geworden? Das Schöne entsteht aus dem wie unentschiedenen Nebeneinander mehrerer Möglichkeiten. Musikalisch gibt es nicht nur das schlüssige Zusammenfügen der Teile, sondern auch das, was im Italienisch des Melodramma "abbandono" heißt, das Sich-Verlieren des Sängers an den Augenblick, an die Leidenschaft, an den Sog der Phrasen. Das zeigt der in seiner Jugend schon vollkommen großartige Tenor Jonas Kaufmann, der bei allem Sinn für die musikalische Architektur die Figur des Alfredo mit baritonaler Force und kreatürlicher Wucht in die Welt treten lässt. Und dann Christine Schäfer in der Rolle der Violetta: Wenn man heute überhaupt noch das Wort vom "Künstler" gebrauchen will, als einem Sänger, der unzugängliche Dimensionen des Menschlichen auch für eine Öffentlichkeit erschließt, dann im Fall Schäfers.

Anfang Mai wurde in dieser Zeitung beschrieben, wie sich in Anna Netrebkos Manon Lescaut an der Staatsoper eine Stimme als Projektionsfläche für das Publikum darbietet. Schäfer dagegen verbindet Erfahrung mit Vergegenwärtigung. Sie bewahrt stets die Distanz dessen zur Rolle, der die künstlerischen Mittel kontrolliert (welche Fülle an Mitteln!) - und gibt sich der Rolle doch hin als an eine Existenzform, die das Alltags-Ich übersteigt.

Christoph Marthaler zeigt Violetta von Anfang als krankes, hinfälliges Wesen. Es ist also klar, dass im Vergehen der Zeit ein Problem liegt, oder dass die Zeit drängt. Ob die Liebe zu Alfredo nun echt ist oder ein Wunschtraum, das ist nicht zu unterscheiden. Das weiß vielleicht überhaupt niemand. Sichtbar wird aber, dass die durch die Tuberkulose markierte Zeit in der Liebe nun plötzlich aufgehoben ist. Marthaler hat die Ungewissheit über die funktionale Wahrheit dieser Liebesgeschichte noch verstärkt durch ein altbekanntes Theatermittel. Das Bühnenbild von Anna Viebrock zeigt nämlich am Rande eines Festsaals wiederum eine Bühne. Fast scheint es, als sei die Bühne die Welt der Liebe, während der übrige Raum dem Treiben der Gesellschaft gehört. Die Inszenierung hält sich aber davon fern, hier eine Theorie zu unterbreiten. Es kommt nur am Ende zu einem merkwürdigen Kreisen der Welten. Violetta schickt sich an, auf einem Bett auf der Bühne zu sterben, dann tritt Alfredo hinzu, dann sein Vater, es kommt zur Versöhnung, und dann stirbt Violetta wirklich, aber vor der Bühne, in der "wirklichen" herbstlich vermüllten Welt, während die Hinterbleibenden am Bühnenrand erstarren, und eine Blume fallen lassen in dieses Grab, als das die die Welt nun erscheint.
Berliner Zeitung, 23.06.2007

 
 
Diapason 9/2007: On a retrouvé le cadavre de la Traviata
La Traviata de Verdi
Paris, Palais Garnier, Le 16 Juin
Une salle des fêtes sordide, quelque part du côté de Berlin dans les années 1970-1980. C’est dans ce décor unique que Christoph Marthaler a placé la nouvelle Traviata de l’Opéra de Paris, ou, plus précisément, ce qui en tient lieu. Car le spectacle auquel on assiste ce soir n’a qu’un rapport très lointain avec Verdi, Piave et Alexandre Dumas fils. Marthaler est l’homme d’un système depuis Katia Kabanova, en passant par Les Noces de Figaro ou Tristan, c’est toujours la même esthétique glauque, toujours les mêmes tics dramaturgiques qu’il décline, avec le souci constant de tout rabaisser au niveau d’une réalité triviale et dêprimante. De ce point de vue, mission accomplie, et de façon magistrale, c’est incontestable. Du coup, peu importe sans doute que le sacrifice de Violetta, transposé à l’époque de la libération sexuelle, n’ait plus aucun sens. Sur scène, chacun joue le jeu avec la loyauté de celui qui n’a pas le choix. Plus Blondchen ou Chérubin que Violetta, Christine Schàfer tente d’imposer un personnage de femme enfant qui ne fera qu’illusion. La valeur et le courage de l’artiste n’y peuvent rien Anina a usurpé la place de sa patronne, Pauline Carton se prend pour Greta Garbo. José Van Dam a bien tort de continuer à s’aventurer dans les barytons Verdi; si le bronze a gardé ses reflets, où sont passés le legato, la justesse, l’insolence du registre supérieur qui font les grands Germont père ? Jonas Kaufmann a davantage de chance en Alfredo, même si ses moyens le destinent désormais à des rôles plus dramatiques ligne de demi-dieu, musicalité exemplaire, timbre à la fois sombre et riche, présence superlative. Dans la fosse, en parfaite osmose avec Marthaler, Sylvain Cambreling opère selon l’art d’un taxidermiste. A chaque instant maître de ses intentions, il prend soin de disséquer le moindre membre de la partition, d’en exposer les nervures, d’en détacher les organes. Plus aucun sang ne coule dans ces veines, le teint est blafard, les chairs sont déjà raides. Ce n’est pas La Traviata qu’on entend, c’est son cadavre.
E.D.
 
 
Opera, September 2007: Paris
 
At the PALAIS GARNIER on June 24, Christoph Marthaler’s staging was less a production and more a ‘correspondences’ guessing game. By means of instantly recognizable and specific imagery (the famous spotlight pose, the wig, the dress) he portrayed Violetta as Edith Piaf, mid 1950s. Alfredo, sporting a floppy fringe, wide lapels and drainpipe trousers, clearly represented Théo Sarapo, Piaf’s much younger second husband. Violetta’s illness, and the sense that her glamorous milieu was failing to give her the stability she needed, was signalled by fainting spells, narcolepsy and bouts of mental absence—a reference to Piaf’s addiction to morphine.

So far, so traviata. Here was a touching portrait of a fragile woman who had suffered, and who was being offered a chance of happiness in the form of a young lover. But Marthaler chose to muddy what might have been a workable (just!) concept with typically jarring experiments in theatrical tone. He encouraged some finely detailed, naturalistic acting from Christine Schäfer and Jonas Kaufmann as the lovers; yet he instructed the chorus to move with robotic twitchings and nervy shufflings, and placed all the action—ballroom, countryside, bedroom—in a single, constraining set designed to look like a run-down theatre stage and foyer (designs were by Anna Viebrock). Yes, it was our old friend, the hoary ‘theatre-as-life’ metaphor so beloved of directors with nothing to say. What the chorus was up to, I still haven’t a clue.

Amid so much theatrical flotsam, the petite Schäfer looked tremendous and acted with gripping intensity. Vocally she didn’t prove to be an ideal Violetta: her climactic top Cs and D flats sounded forced and insecure, and her voice wasn’t large enough to carry the huge cry of ‘M’ami!’ in Act 2. Still, the creaminess of tone she displayed in the rest of the role made up for much. Kaufmann was on much securer ground. Not only did he look like the heart-throb Sarapo, he gave a convincing portrayal of a gauche and utterly besotted youth, and sang with a commanding beauty of tone. The same couldn’t be said of José van Dam (Germont père), who was flat on several occasions, hoarse and barky for the rest, and appeared stiff and awkward. To add to the general oddness of the evening, Sylvain Cambreling’s tempos were the slowest—and I mean slowest—I’ve ever heard. The violins had trouble keeping a warm tone and elegant sense of line at such dirge-like speeds. Not surprisingly his curtain-call brought some loud booing, as well as a few counter-cheers in his defence.
WARWICK THOMPSON
 
 
Opera News, September 2007: PARIS — La Traviata, L'Opéra National de Paris, 6/16/07
 

For the "populated desert called Paris" envisioned by Alexandre Dumas, the Opéra National entrusted Verdi's La Traviata to controversial producer Christoph Marthaler and his designer Anna Viebrock, in a performance (seen June 16) conducted by Sylvain Cambreling. 

La Traviata has suffered more than its fair share of poor productions, in stagings that have relied heavily on what Marthaler disparagingly describes as "Champagnen-realismus." The juxtaposition of the nineteenth-century glamour of the Palais Garnier and Violetta's terminal tragedy offers plenty of scope for a contemporary designer, but Viebrock took her gloomy visual inspiration from the former Kulturhaus in Karl-Marx-Stadt, now Chemnitz. This functional piece of Communist architecture, with suspended neon lights, featured a useful stage area for Alfredo's offstage lines in Act I, a workshop and laundry in Act II, and finally Violetta's death bed. Marthaler sees Violetta as an Edith Piaf figure, a variety singer who lived excessively and died a physical ruin but an iconic myth. It almost works as an analogy, although Piaf was never part of elegant salon society and still less a kept woman. 

In the vestibule of the "Kulturhaus," we find a waif-like Violetta with a tight perm of gingered hair, tottering uneasily on high heels and wearing the emblematic little black dress. Here she meets the clumsy yet irresistibly handsome Alfredo, who is visibly out of place in the company of Marthaler's mechanically twitching, couture-clad partygoers. During the brindisi, it is not a glass of old-fashioned champagne that they raise but their cloakroom tickets. The ensuing love duet sounded like a doomed tryst, and even Violetta's "Sempre libera" seemed to be delivered in the grip of tragedy. 

The simple follow-spot used by Piaf in her final concerts lit the fragile palms-on-dress figure of Christine Schäfer, around whose remarkable gifts the production turned. In Act I, it was hard for the soprano to play against the musical exuberance of the score, but Cambreling kept frivolity and musical fizz to a minimum. There is no questioning the sincerity of this rough, unsentimental reading, but the conductor's detailed, near-Expressionist approach to the score sounded ponderous. Schäfer could not disguise the fact that she possesses neither the glittering coloratura for Act I nor the weight and Italianate color of voice for the succeeding acts, but her pinpoint intonation and girlish timbre succeeded on their own terms. 

The biggest ovation of the evening was reserved for the Alfredo of Jonas Kaufmann, whose portrayal of the gangling youth was remarkable. He began Act II by repairing his lawn mower, into which he sang most of his recitative; this convincing naturalism was carried too far when the tenor sang what may have been an excellent top C with his back to the audience. His increasingly baritonal tenor sounded rich and powerful but seems destined for a different, heavier repertoire. José van Dam was disappointing as a stern Giorgio Germont. The great bass-baritone was ill advised at this stage to take on this role, which would have been high for him even in his prime; despite his sure musical intentions, the vocal result was embarrassing. Michèle Lagrange seized on the opportunity to raise the profile of Annina — here a very present and eccentric, bespectacled nursemaid. The indomitable Helene Schneiderman, as Flora, buzzed around the stage in her white party dress like a frenzied debutante, unconcerned that Alfredo's "gambling" involved no game of any sort.

There was some predictable booing for the production team and conductor at the final curtain. Despite the meticulous and stimulating staging, this was a strangely unmoving performance of an opera that has survived and triumphed under more routine conditions. 

STEPHEN J. MUDGE

 
 
Opéra Magazine, September 2007
PARIS LA TRAVIATA Verdi
 
Christine Schäfer(Violetta Valéry) - Helene Schneiderman (Flora Bervoix) -
Michèle Lagrange (Annina) -Jonas Kaufmann (Alfredo Germont) - José van Dam
(Giorgio Germont) - Ales Briscein (Gastone) - Michael Druiett (Barone Douphol) -
Igor Gnidii (Marchese d’Obigny) - Nicolas Testé (Dottore Grenvil)
Sylvain Cambreling(dm) - Christoph Marthaler(ms) -Anna Viebrock (dc) -
Dorothee Curio (c) - Olaf Winter (l)

PALAIS GARNIER, 16 JUIN

Le moins que l’on puisse dire, c’est que cette nouvelle production de La traviata aura fait couler beaucoup d’encre et de salive, divisant la salle le soir de la première entre salves d’applaudissements et bordées de sifflets. Il est vrai qu’elle a tout pour hérisser le poil de nombreux mélomanes et, en même temps, tout pour en subjuguer d’autres.

Comme dans Tristan und Isolde à Bayreuth, Christoph Marthaler et sa décoratrice Anna Viebrock nous entraînent dans un espace tenant à la fois de la salle des fêtes et de l’entrée de music-hall, violemment éclairé aux néons, avec une vaste alcôve au fond sur la gauche et, comme pour Le nozze di Figaro, déjà au Palais Garnier, un vestiaire avec sa rangée de manteaux. Les coloris évoquent une fois encore l’ex-Allemagne de l’Est: murs et rideau verdâtres, tentures marronnasses... Ce décor ne bougera plus jusqu’au rideau final, l’alcôve servant successivement de garage pour la maison de campagne de Violetta (représentée à l’avant-scène par une simple chaise longue, une bouteille de champagne et des flûtes) et de chambre mortuaire au III. Délibérément, l’époque n’est pas clairement définie XX’ siècle, c’est sûr, mais rien de plus précis. Une certaine ressemblance entre Violetta et l’Édith Piaf des années 1950 (cheveux roux coupés très courts, petite robe noire) pourrait renvoyer à cette période, mais les invitées à la fête chez Flora arborent des robes de haute couture échappées aussi bien des années 1930 que 1980...

Pour le metteur en scène, de toute manière, l’important est ailleurs. Comme l’indique la parenté avec Piaf (qu’il évite soigneusement de pousser jusqu’au sosie, notamment en juchant Christine Schäfer sur des chaussures aux semelles exagérément compensées, lui donnant une démarche complètement différente), il veut nous raconter une histoire:
celle d’une femme, une artiste, que la maladie isole progressivement du monde qui l’entoure. Rejetant cet univers factice de pantins désarticulés (les mouvements saccadés des choristes pendant le Brindisi), elle cherche le bonheur auprès d’un homme qui n’y appartient pas, avant de voir son rêve s’effondrer et de mourir abandonnée de tous, sauf de son amant qui la soulève dans ses bras au dernier acte comme Théo Sarapo portait Piaf épuisée dans les films d’archives du début des années
1960.

Reconnaissons-le, Christoph Marthaler raconte très bien. Sa démarche est d’une cohérence infaillible, de la première à la dernière note, et sa direction d’acteurs est affûtée (ce qui n’était pas du tout le cas dans Tristan), au dernier acte notamment, où la solitude de Violetta et le désespoir d’Alfredo ressortent avec une vérité poignante. On reconnaît aussi la patte d’un grand homme de théâtre dans certains détails de mise en scène d’un effet fulgurant, notamment le recours à un halo de lumière pour isoler Violetta de l’univers qui l’entoure à plusieurs moments clés (« Ah,fors’è lui », « Alfredo, Alfredo »). Mais voyons-nous La traviata? Pour répondre à cette question, je recourrai délibérément à la première personne car il est tout à fait possible de réagir à ce spectacle d’une manière différente de la mienne.

Plusieurs choses m’ont manqué, et d’abord la dimension sociale du drame. Violetta est une courtisane, tout dans le livret le dit. Rien, dans la production de Marthaler, ne faisant explicitement référence à son statut de femme entretenue, on comprend mal pourquoi sa liaison avec Alfredo compromet le mariage de la soeur de ce dernier, surtout en plein milieu d’un XX siècle généralement moins strict sur le plan de la morale.

Le fait qu’elle soit une prostituée, même de luxe, est à mon avis indispensable à la compréhension de l’ouvrage. Or, c’est justement une dimension que le metteur en scène refuse dans le « journal des répétitions» de Jan Vandehouwe, reproduit dans le programme de salle. D’autre part, le choix de nous plonger d’emblée dans un décor terne et triste efface toute la thématique de la déchéance, bien présente chez Verdi et Piave. La traviata, c’est une descente, une chute de la richesse vers la pauvreté. Dans cette production, Violetta meurt aussi anonyme qu’elle avait commencé, les signes de luxe placés par le metteur en scène dans les deux premiers actes restant beaucoup trop discrets.

«Ce que j’aime chez Marthaler, c’est sa manière de ramener les scènes d’opéra à des conversations d’ordre domestique », explique Christine Schäfer dans le «journal » susmentionné. Moi, c’est précisément ce qui me gêne, dans La traviata du moins, car j’avais adoré sa Katia Kabanova.

Le moins que l’on puisse dire, c’est que cette nouvelle production de La traviata aura fait couler beaucoup d’encre et de salive.

Même s’il s’inspire d’une histoire vraie et met en scène une courtisane et non une reine ou une princesse, comme c’était le cas dans la plupart des livrets au milieu des années 1850, La traviata est un opéra dont on ne peut bannir, à mon avis, la dimension romantique, voire poétique. La soif de pureté de Violetta et sa volonté farouche de racheter ses fautes passées, le besoin éperdu d’idéal d’Alfredo, les hissent au-dessus du quotidien et en font des figures archétypiques. Or, que voit-on ici? Une Violetta ressemblant à une ouvreuse, comme j’en croisais tous les dimanches au cinéma dans mon enfance, et un Alfredo se nettoyant les ongles pendant le récitatif de «De’miei bollenti spiriti » pour en retirer la crasse accumulée pendant qu’il réparait la tondeuse à gazon! Difficile de faire plus poétique...

Ce qui m’agace, enfin, c’est ce qu’il faut bien appeler des tics, récurrents chez Marthaler comme d’ailleurs chez la plupart de ses confrères. Les mouvements saccadés d’automates des choristes pendant le Brindisi que nous évoquions plus haut, les déhanchements des invitées pendant le « ballet» des gitanes, la fille en bas résille prenant des poses obscènes et vidant une bouteille de champagne pendant tout le tableau chez Flora, ont un fort relent de déjà-vu. Sans parler de cette manière de distraire le regard du spectateur de l’action principale en l’attirant dans une autre direction. Comme Luc Bondy nous montrait un moine astiquant le sol avec une serpillière au début du deuxième acte de Don Carlos au Châtelet, Marthaler nous impose, à l’arrière-plan, les contorsions d’un réparateur de tondeuse à gazon pendant tout le duo entre Violetta et Germont!

Et la musique? Sylvain Cambreling a effectué un remarquable travail avec l’orchestre, qui sonne compact et homogène, aussi bien dans le fortissimo que dans le mumure. Sa direction à le mérite d’épouser le rythme et les contours de la mise en scène, quitte à paraître trop lente au premier acte, notamment dans le duo « Un di, felice, eterea », au tempo étiré jusqu’à l’insoutenable. Les choses s’arrangent au second, avec un « Dite alla giovine» superbement soutenu par les cordes, et