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| Recital: Santa Cruz, Tenerife, 13.01.2007. Teatro
Guimerá |
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Como contrapartida el 13 de enero, y también dentro del
Festival, aunque esta vez el escenario se trasladó al Teatro Guimerá
capitalino, disfrutamos de otra velada lírica con distinta enjundia. El
programa estaba diseñado en base a Lieder: de Schubert Die Bürgschaft
(Schiller) D246, con Britten 7 Sonette Op. 22 (Michelangelo) y para
Strauss 5 Lieder Op. 21Schelichte Weisen"(Dahn), 4 ausgewägkte Lieder y la
colección Op. 27 que incluye otros 4, todos ellos fueron esculpidos por la
voz del tenor Jonas Kaufmann al que acompañaba el pianista Helmun Deutsch.
Y decimos esculpidos porque la técnica le permitió cambiar el color
oscureciéndolo en los momentos más dramáticos, adelgazando o engrosando la
emisión, constantes modulaciones, flexibilidad, perfecta emisión, es
decir, un instrumento canor muy trabajado aunque en algunas ocasiones se
percibieran roces o límites en los registros más altos. Toda esta belleza
hubiera sido infructuosa sin el magnífico acompañamiento del piano de
Deutsch, que metamorfoseaba el sonido de manera sorprendente al
requerimiento de la voluntad expresiva. Otra vez lamentamos el escaso
público asistente, y nos preguntamos: ¿dónde están los amantes de la
música vocal? ¿Se habrán enterado de la existencia de este repertorio? |
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| ¡Qué fiato!, ¡Qué si bemol! |
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Las Palmas de Gran Canaria, 14.01.2007. Teatro Cuyás.
Jonas Kaufmann, tenor. Helmut Deutsch, piano. Franz Schubert: Die
Bürgschaft (Schiller) D 246. Benjamin Britten: 7 Sonette opus 22 (
Michelangelo). Richard Strauss: 5 Lieder (Schlichte Weisen, Sehnsucht,
Nachtgang, Freundliche Vision, Ich liebe dich); 4 Lieder (Heimliche
Aufforderung, Ruhe meine Seele, Morgen, Caecilie) opus 27. Ocupación: 60%
Luisa del Rosario González
Es simpático, es guapo y encima canta bien. Se llama Jonas Kaufmann, un
tenor al que no hace falta presentar a pesar de su juventud, y que la
noche del domingo ofreció un recital inolvidable en el Teatro Cuyás de la
capital grancanaria en el marco del Festival de Música de Canarias.
Con el vienés Helmut Deutsch al piano -músico al que tampoco hace falta
presentar por lo habitual que es verlo con Anne Sophie von Otter, Matthias
Goerne o Bo Skovhus, entre otros-, el tenor alemán ofreció una versión de
Die Bürgschaft (D 246), digna de los gustos más exigentes. Kaufmann paseó
su voz por los textos de Schiller dándoles vida y creyéndose el papel. Sus
cambios de registro pusieron de manifiesto las exquisiteces de una obra en
la que Schubert homaenajea el amor fraternal hasta convertirlo en uno de
los más puros de los sentimientos. Una voz hermosa, aunque sin excesivo
brillo, que pliega para conseguir dominarla en los cuasi recitativos que
apenas canta pero en los que pone la pasión justa para conectar con el
público.
Más fría -sólo eso- fue su interpretación de los 7 Sonetos op. 22 de
Britten. Kauffmann, a diferencia de lo que hizo con Schubert y después con
Strauss, se apoyó en la partitura lo cual le restó parte de uno de sus
fuertes: interpretar con voz y movimiento lo que canta. No obstante, la
belleza de las canciones del compositor inglés quedó patente pese a la
peor dicción italiana del tenor.
En la última parte, imerso ahora en el amor heterosexual expresado en una
selección de los lieders op. 21 y 27 de Strauss, retomó el pulso del
recital. El escaso público que se congregó en el Cuyás volvió a vibrar
deleitándose en la combinación de potencia y belleza.
A la salida, mientras unos admiraban "su fiato" y su "si bemol" poniendo
un pero en el "fa sostenido" y en que si era "más wagneriano que
schubertiano" o "más de ópera que de lied", otros, con una sonrisa en los
labios, expresaban su satisfacción porque aunque "no entendían" de música,
Kaufmann les había emocionado. |
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| Zürcher "Zauberflöte": Traum und Albtraum |
Äußerst kontroversiell nahm das Publikum am Wochenende
Martin Kusejs
Neuinszenierung von Mozarts "Zauberflöte" am Opernhaus Zürich auf.
Unumstritten war Dirigent Nikolaus Harnoncourt. |
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VON ANNA MIKA/Neue Vorarlberger Tageszeitung
Tamino und Pamina posieren während der Ouvertüre für das offizielle
Hochzeitsfoto. Als sie sich den Kuss geben wollen, werden sie
auseinandergerissen und die Oper nimmt ihren Lauf. Bei den Schlusstakten
der Oper dasselbe Bild: Nun küssen sie sich und das Blitzlichtgewitter
geht los. Der Bruchteil der Sekunde vor dem Kuss breitet sich aus in einem
zweieinhalbstündigen Albtraum, in einem durch die Drehbühne in die
Endlosigkeit potenzierten Raumlabyrinth, fensterlos, weiß gekachelt,
klaustrophobisch eng und hoch (Bühne Rolf Glittenberg).
Regisseur Martin Kusej interessiert an Mozarts letzter Oper nicht das
mystische, philosophische oder freimaurerische Element, er reduziert sie
auf die elementaren Gefühle Angst bis zur Todesangst, Liebe bis zur
Verzweiflung. Dass dann ein Männerfechtklub zu "Isis und Osiris" betet,
dass die Person des Sarastro rätselhaft bleibt, interessiert Kusej auch
nicht.
Und es stört ihn auch nicht, dass die rassistischen und frauenfeindlichen
Textstellen der Oper sogar noch auf die Spitze getrieben werden. Freilich
ist alles in einer solch meisterhaften Schärfe gezeichnet, dass einem
diese Gefühle in die Knochen fahren und so schnell nicht wieder loslassen.
Dennoch ging keineswegs "der Zauber flöten", wie ein Mitwirkender
bemerkte, denn der breitete sich umso spürbarer durch die Musik aus.
Stand doch Nikolaus Harnoncourt am Pult, von dem wahrhaft Unerhörtes kam.
Der so brutale Monostatos flüsterte da seine Arie des Begehrens, ebenso
der Chor seinen "Triumph dem edlen Paar". Papageno und Pamina sangen
langsam-traumverloren von "Mann und Weib", aber in Paminas Arie wurde das
Pochen im Orchester zum Herzschlag, so rasch war sie.
Unter den SängerInnen war Jonas Kaufmann der Held des Abends, übernahm er
doch souverän in wenigen Stunden die Partie des Tamino vom erkrankten
Christoph Strehl. Die junge Julia Kleiter als Pamina überzeugte durch ihre
Musikalität, ebenso wusste Ruben Drole als Papageno für sich einzunehmen.
Matti Salminen als Sarastro und Elena Mosuc als Königin seien
stellvertretend genannt für das stimmige Ensemble. |
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| SZ vom 20.02.2007/R.J,Brembeck |
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| „So entdeckt Kusej in der "Zauberflöte" erst einmal den
Erotiker Mozart und er weicht den mit Albernheit und Peinlichkeit
drohenden Fallstricken des Stücks aus. Vor allem, weil der überzeugende
Papageno von Ruben Drole nicht den tüdeligen Kinderbetörer gibt. Keine
Vogelfedern werden ihm zugestanden, sondern nur ein dunkler Anzug, auf den
so manches Federvieh seine Notdurft verrichtet hat. Drole singt den
störrischen Underdog, der sein persönliches bisschen Glück sucht. Ein
wütender junger Mann, der dumpf und einsam gehalten wird im Feudalismus,
und dem seltsamerweise erst die neue Zeit der gottesfürchtigen Misogynen
um Sarastro eine ähnlich sexhungrige Frau (Eva Liebau) verschafft, mit der
er gleich zur Sache kommt. Immer also muss eine Inszenierung hinter den
Wortlaut schauen und das dort (womöglich) Gemeinte an den Tag bringen.
Aber Kusej kommt nicht über die einleuchtenden Ansätze des Anfangs hinaus.
Es scheint eine verrätselt mythologischen Lesart erkennbar, die Kusej dann
weder konsequent noch überhaupt verfolgt. Denn je länger der Abend, umso
platter bebildert der Regisseur den Vordergrund und nicht die möglichen
Intentionen des Textes. Warum lässt es sich die emanzipierte Pamina der
beeindruckend, wenn auch pragmatisch nüchtern singspielenden Julia Kleiter
gefallen, von Tamino & Co wie ein Mensch zweiter Ordnung behandelt zu
werden? Was empfindet der heldisch singende Tamino von Jonas Kaufmann, der
am Premierentag eingesprungen ist für den erkrankten Christoph Strehl, für
Pamina? Braucht dieser unbedarfte Jüngling überhaupt eine Frau, will er
nicht viel mehr nur Karriere machen? Die Rätsel mehren und mehren sich im
Verlauf des Abends, zumal auch Dirigent Harnoncourt wie gewohnt nichts an
Magie, Unbeschwertheit, Eleganz und Eros dazugibt. Sein Mozart bleibt der
Erde verbunden, der Dirigent setzt konzise und knarzig die Noten in den
Raum, und betreibt wie sein Regisseur Entzauberung.“ |
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| "Zauberflöte" in Zürich: Bravos für Harnoncourt, Buhs
für Kusej |
| Neuinszenierung der Mozart-Oper wurde weniger goutiert
als die musikalischen Leistungen |
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Zürich - Mit Jubel für die Sänger - allen voran für den
als Tamino eingesprungenen Jonas Kaufmann -, Bravos für den Dirigenten
Nikolaus Harnoncourt und heftigen Buhs für Regisseur Martin Kusej ging
heute, Samstag, Abend nach dreieinhalb Stunden die Premiere von Mozarts
"Die Zauberflöte" am Opernhaus Zürich zu Ende.
Nach den großen Erfolgen der gemeinsamen Salzburger Festspiel-Produktionen
des "Don Giovanni" und des "Titus" hatte man mit Spannung auf den dritten
Mozart-Streich des österreichischen Dream-Teams Harnoncourt und Kusej
gewartet.
Brüche und Tempowechsel
Während der Dirigent, der vor 20 Jahren bereits einmal in Zürich eine
"Zauberflöten"-Neuinszenierung geleitet hatte, das Orchester der Oper
Zürich in gewohnter Weise dazu brachte, sich gegen die Hörgewohnheiten auf
alle Brüche und Tempowechsel der Partitur einzulassen, schien die
Inszenierung mit vielen Gags und Regieeinfällen mehr die Oberfläche als
die Analyse zu bedienen und ein schlüssiges, zwingendes Konzept zu
vermissen.
Ein Labyrinth aus hohen Kellerräumen (Bühne: Rolf Glittenberg) diente als
sich immer wieder drehender Schauplatz des Kampfes zwischen den Welten von
Sarastro (Matti Salminen) und der Königin der Nacht (Elena Mosuc). Neben
Kaufmann als Tamino wurden vor allem auch Julia Kleiter als Pamina und
Ruben Drole als Papageno mit viel Applaus bedacht.
Die Inszenierung steht bis 28. März auf dem Spielplan des Zürcher
Opernhauses. (APA) |
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| Opernglas 4/2007 |
| Zürich: Die Zauberflöte, 17. Februar 2007 |
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Viel hat man schon gerätselt über den Bruch, der mitten
durch die “Zauberflöte« geht. Als Pamina nämlich Sarastros Reich betritt,
kehren sich die zuvor vermittelten Werte plötzlich um. Die Königin der
Nacht erscheint nun nicht mehr als liebende Mutter, sondern als intrigante
Rächerin, wogegen Sarastro sich in der Wahrnehmung Taminos vom
Frauenräuber und -verführer zum weisen Herrscher wandelt. Bei Martin Kusej
im Zürcher Opernhaus werden solche Ungereimtheiten - und darin besteht
eine Stärke seiner von einem größeren Teil des Publikums heftig
abgelehnten Inszenierung aufgehoben in einer Betrachtungsweise, welche die
Figuren aus mehreren Perspektiven zeigt. So wird bei der ersten Begegnung
Taminos mit dem Dunstkreis Sarastros deutlich, dass hier nicht nur milde
Humanität herrscht. Ein Schwerverletzter wird weggetragen.- „Opfer“ des
Sprechers, der sich im Fechten übt. Die „wilden Tiere“, die es laut Text
in Sarastros Reich gibt, werden von Kusej ersetzt durch Männer, die ein
Beil schwingen. Pamina schließlich ist nicht die Einzige, die wider ihren
Willen zu Sarastro gebracht wurde: Kusej führt zusätzlich drei
unverkennbar traumatisierte Mädchen in die Handlung ein.
Sein Ansatz nimmt sich denn auch psychologisierend aus - am meisten bei
Tamino, der in Papageno auf sein Alter Ego trifft, was von der
Bewegungsregie und der Personenführung sorgsam herausgearbeitet wird.
Entsprechend trägt auch der Vogelfänger einen - freilich arg verschmutzten
und zerknitterten - Smoking (Kostüme: Heidi Hackl). Da die „Reise“ Taminos
letztlich zu einer Selbstergründung wird, folgt auch das von Rolf
Glittenberg entworfene Bühnenbild nicht einem äußerlichen Realismus. Ein
nüchterner Raum mit grauen Steinplatten an den Wänden setzt die Darsteller
schutzlos sich selbst aus.
Die Eindimensionalität der Produktion wird optisch widergespiegelt durch
das Bühnenbild, das für die über dreieinhalb Stunden Aufführungsdauer
wenig Reiz bietet. Wenn die Inszenierung einen zusehends ermüdet, liegt
das aber auch daran, dass zu viele altbekannte Versatzstücke des
Regietheaters verwendet werden. Da gibt es Benzinfässer, Taschenlampen,
eine Badewanne, Darsteller in Unterhosen...
Inmitten des Ganzen fand sich bei der Premiere ein Paar, das sich die
Natürlichkeit des Singens wohltuend bewahrte. Julia Kleiter war eine
Aufsehen erregende Pamina: mit einem warmen, substanzvollen, dabei aber
schlank geführten Sopran und einer klar zeichnenden Phrasierung. Kleiter
befreite die Pamina von aller falschen triefenden Mädchentragik und machte
aus der Figur eine selbstbewusste, aber empfindsame junge Frau. Als Tamino
war kurzfristig Jonas Kaufmann eingesprungen (auf dem Besetzungszettel war
noch der Name des ursprünglich vorgesehenen Christoph Strehl gedruckt).
Kaufmann gelang nicht nur das Kunststück, sich binnen weniger Stunden in
die Inszenierung einzuarbeiten; er war auch stimmlich in hervorragender
Verfassung. Sein Tenor gewann über einem satten, dunklen Fundament hohe
Strahlkraft und verströmte sich mit großer Flexibilität und klanglicher
Kohärenz.
Matti Salminen als Sarastro vermochte seinen voluminösen Bass schlank zu
führen und zeigte, dass er sich auch nach ungezählten Wagner-Einsätzen das
Feingefühl für Mozart bewahrt hat. Der gerade 26-jährige Ruben Drole gab
einen Papageno von holzschnittartig.kräftiger Differenzierung. Als
Papagena ließ Eva Liebau einen hellen Sopran hören und entwickelte viel
vokalen Charme. Gut, dass die Rolle einmal nicht mit einer Anfängerin
besetzt war. Das Trio der drei Damen glänzte mit stimmlicher Üppigkeit,
wobei Sandra Trattnigg, Martina Welschenbach und Katharina Peetz im Timbre
optimal miteinander harmonierten. Elena Mosuc dagegen hatte einen
schwereren Stand als sonst. Ihrer Königin der Nacht wurden unerwartet
dramatische Akzente abgefordert, selbst in die Koloraturen hatte sie ein
Crescendo zu legen - und das beeinträchtigte wohl ein wenig die
Mühelosigkeit der Höhenattacke. Gabriel Bermüdez blieb als Sprecher, sieht
man von seiner athletischen Erscheinung ab, etwas blass. Der von Ernst
Raffelsberger einstudierte Chor verstand es, die ungewohnten Vorgaben des
Dirigenten Nikolaus Harnoncourt bestens umzusetzen.
Harnoncourt bürstete das Stück wider den Strich - oder besser: die
Hörtraditionen - und brachte damit das Orchester der Oper Zürich an die
Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Der Klang wies eine warme Grundierung
auf, in der das Holz und die Kontrabässe mehr als üblich hervortraten. Die
Tempi waren langsam; dennoch verstand es Harnoncourt, Betonungen mit
Tempovariationen (meist in Form zusätzlicher Verlangsamungen) zu erzeugen.
Man hörte aufregend viel Neues -und hätte sich doch zuweilen ein etwas
herzhafteres Musizieren gewünscht.
Th. Baltensweiler |
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| Stuttgarter
Nachrichten vom 21.02.2007 |
| Martin Kusej inszeniert an der Züricher Oper Mozarts "Zauberflöte" |
| Die vierte Prüfung im Schwimmbad |
Anfang
und Ende gleichen sich: Schon zur Ouvertüre steht das Brautpaar auf der
Bühne, lächelt so glücklich ins Publikum wie zu den Schlussakkorden.
Dazwischen erinnert es sich an das, was dieser Vermählung vorausging.
Und das ist bei Martin Kusej ein ziemlicher Albtraum. Bis zur
Bühnendecke reichen die Mauern aus betongrauen Quadern, die sich
labyrinthisch verkeilen und den Spielraum einengen. Diese drehen sich
zwar auf der Bühne der Züricher Oper, aber weder weiten sie sich aus
oder verschwinden, zu sehen sind eben nur verschiedene Variationen von
Enge. Und der lustige Papageno ist bei seinem ersten Auftritt in der
Voliere gefangen.
Nun gibt es in der Tat klaustrophobe und beängstigende Situationen in
Mozarts "Zauberflöte", doch ein einziger trister Gang durch eine
Architektur, die wie ein Gefängnis anmutet, ist sie nun auch wieder
nicht. Kusej verzichtet auf jegliche Freimaurer- oder
Ägypten-Assoziationen, und das ist ja auch in Ordnung so. Doch sonst
ist ihm außer ein paar Mätzchen nicht viel eingefallen: Die drei
Schicksalsdamen stochern blind durchs Gelände, in der Essenspause
zwischen den Prüfungen greift Papageno zur Cola-Büchse und liest auch
noch laut den Markennamen vor. Der Prinz ist entzaubert, der
Vogelhändler ist ein struppiger, schwarz-weiß gekleideter Vorstadtpunk
- optisch ist das eine triste Angelegenheit.
Dass die gesamte Oper nicht ganz so daherkommt, liegt am musikalischen
Beitrag. Dirigent Nikolaus Harnoncourt ist nicht mehr so dogmatisch wie
einst, er lässt auch mal die Musiker sängerisch denken. Süffig und
samtig spielte das Züricher Opernorchester die Ouvertüre, etliche
Passagen klangen auch im weiteren Verlauf wie eine Vorwegnahme des
Spätwerks von Gioacchino Rossini. In der Tempowahl entschied sich
Harnoncourt grundsätzlich für ziemlich langsam. Ungewöhnlich zärtlich
erklang so die Antrittsarie von Papageno, fast schon tragisch, das
Scheitern vorausahnend, jene der Königin der Nacht. Mit Nachlässigkeit
hat dies jedoch nichts zu tun, das zeigte sich in den Chorszenen, in
denen Harnoncourt im Zusammenspiel äußerste Präzision einforderte.
Was die Optik nicht hergibt, holen die Solisten eben stimmlich nach.
Ruben Drole ist ein ganz herziger, liebevoller und lustiger Papageno,
der auch noch gewinnt, wenn er verzagt ist. Bei der Premiere war Jonas
Kaufmann als Tamino sein Partner, der kurzfristig für den erkrankten
Christoph Strehl eingesprungen ist. Er bewegte sich ganz natürlich,
agierte auch viel mimisch und gestisch. Stimmlich ist ihm die Rolle eh
wie auf den Leib geschrieben. Ähnliches lässt sich auch von Matti
Salminen berichten, ein bewährter und souveräner, nach wie vor voll
tönender Sarastro.
Ein ungewöhnliches Rollenprofil wählte Elena Mosuc als Königin der
Nacht. Ihre Rachearie etwa stellte sie ganz in den Dienst des Stückes,
indem sie mit den berühmten aberwitzigen Koloraturen nicht bravourös
vor dem Publikum glänzte, sondern diese rau und gepresst ausschließlich
an ihre Tochter richtete. Julia Kleiter gab eine vor allem verängstigte
Pamina.
Am Schluss greift Kusej doch noch in die Trickkiste. In einer
Videomontage steigt das glücklich vereinte Paar in ein Auto, das in
Wasserfluten versinkt. Gewissermaßen als vierte Prüfung schwimmen sich
die beiden dann in einem Schwimmbad ins Freie, die Hochzeit kann
beginnen. Armin Friedl |
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Stuttgarter Zeitung
vom 21.02.2007 |
| Im Scheidungskrieg entzaubert |
| Nikolaus Harnoncourt und Martin Kusej
zerdehnen Mozarts "Zauberflöte" am Opernhaus Zürich |
Von Werner Müller-Grimmel Über
Mozarts "Zauberflöte" gehen die Ansichten auseinander. Einerseits gibt
es zweifellos Unstimmigkeiten im eilig zusammengeschusterten Libretto
von Emanuel Schikaneder und wechselhafte Qualitäten in der stilistisch
recht heterogenen Musik, anderseits ist das Stück seit mehr als 200
Jahren ein Kassenschlager. Am Opernhaus Zürich, wo es erst vor sechs
Jahren das letzte Mal inszeniert wurde, leistet man sich jetzt den
Luxus einer abermaligen Neuproduktion.
Nikolaus Harnoncourt, der hier vor mehr als zwanzig Jahren seine erste,
damals von Jean-Pierre Ponnelle inszenierte "Zauberflöte" dirigiert
hat, setzt sich nunmehr bereits zum dritten Mal mit Mozarts letzter
Oper auseinander. Regie führt auf seinen Wunsch Martin Kusej, mit dem
er in Salzburg 2002 Mozarts "Don Giovanni" erarbeitet hat. Durch
Eingriffe und Erweiterungen bei den Dialogen hat Kusej nun versucht,
jene Brüche der "Zauberflöte" zu Qualitäten umzudeuten. An
geheimniskrämerischer Freimaurersymbolik, die der Wiener
Vorstadtkomödie nachträglich aufgepropft wurde, ist er nicht
interessiert. Die offensichtlich unlogische Umwertung Sarastros vom
anfänglichen Bösewicht zum Vertreter humaner Weisheit versucht er als
Perspektivenwechsel plausibel zu machen. Auch die Königin der Nacht ist
nicht mehr nur eine böse Hexe, sondern wird als solche lediglich von
Sarastro diffamiert.
Zwischen den beiden Kontrahenten tobt bei Kusej eine Art Rosenkrieg
geschiedener Eheleute, in den Tamino mit seinem Werben um die Tochter
mitten hineingerät. Pamina ist das Opfer einer modernen
Scheidungstragödie, in der die Regie den neutralen Blickwinkel eines
Mediators einnimmt. Auch hinter die männerbündische Welt Sarastros
macht Kusej viele Fragezeichen. Zur vielleicht etwas behäbig
angegangenen, im fugierten Allegro-Teil streckenweise verwackelten
Ouvertüre steht ein junges Brautpaar im Rampenlicht. Beim Versuch, sich
zu küssen, stürzen die beiden geradewegs in einen Albtraum. Am Boden
wälzen sich Menschen, die wie lauter Laokoons von schwarzen Schlangen
bedrängt werden. Doch das ist nur die erste Station in einer Folge
seltsam gruseliger Prüfungen. Erst wenn sie alle bestanden sind, winkt
dem Paar am Ende der zunächst verweigerte Ehekuss.
Auf Rolf Glittenbergs kreisender Bühne gibt es keine "heil"gen Hallen"
mit Säulen, sondern ein Labyrinth hoher Räume mit kahlen Kachelwänden
und metallenen Feuerschutztüren, das immer wieder neue Einblicke in
surreal anmutende Lagerräume und Verliese eröffnet. Beilbewaffnete
Gestalten mit rußverschmierten Gesichtern lauern hinter Ecken,
Monastatos steigt als King-Kong-Monster zum Schreck gefangener Mädchen
aus einer Badewanne, Metzger mit blutigen Schürzen und
Schlachtermessern zeigen sich hinter Türen, und wiederholt begegnen
sich die Protagonisten in diesem Traum- und Spiegelkabinett scheinbar
selbst.
Kusejs Lesart macht aus Schikaneders Libretto ein ganz neues, subtil im
Detail ausgearbeitetes, reichlich mit hintergründigen Gags
angereichertes Stück, deutet überall unterschwellige Erotik und
sexuelle Begehrlichkeiten an, verzerrt aber die Proportionen der
Partitur und kann deshalb selten die atmosphärischen Qualitäten der in
diesem Kontext eher entzaubert wirkenden Musik entwickeln. Auch
Harnoncourt, der vieles mit manierierter Langsamkeit und Agogik
zelebriert, trägt dazu bei, dass die Aufführung zunehmend auf der
Stelle tritt.
Unreinheiten bei Bläsern und massive Lautstärken im von Ernst
Raffelsberger einstudierten Chor machen die Sache nicht besser. Welch
ein Glück, dass in Zürich ein erlesenes Solistenensemble bereitsteht.
Jonas Kaufmann (bei der Premiere kurzfristig für Christoph Strehl
eingesprungen) begeisterte als Tamino mit nuancenreichem, in allen
Lagen präsentem Tenor.
Sensationell sangen auch Ruben Drole, als Papageno ein schräger Vogel,
aber immun gegen die sektiererischen Zumutungen von Sarastros
Fechtkumpels, Elena Mosuc (Königin der Nacht) mit hochseilartistischer
Koloraturenakrobatik, Julia Kleiter als vokal und szenisch betörende
Pamina, Eva Liebau als lispelnde Papagena mit Taucherbrille und
Gummistiefeln (Kostüme: Heidi Hackl) und nicht zuletzt Matti Salminen
als von sich selbst überzeugter, in seine salbungsvoll-profunden
Basstöne verliebter Sarastro. |
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| Opera
News 5/2007 |
| ZURICH — Die Zauberflöte, Opernhaus
Zürich, 2/17/07 |
Nikolaus Harnoncourt returned to Zurich to
conduct a new Zauberflöte staging (seen February 17), some twenty years
after his classic stage collaboration on this opera with Jean-Pierre
Ponnelle. Martin Kusej, the controversial director of Harnoncourt's 2005
Salzburg Don Giovanni sojourn, was his new Zurich Flute partner. This
Flute had all references to the Enlightenment, Egypt and Freemasonry
radically erased, as if designer Rolf Glittenberg had decided to rebuild
the mise-en-scène as a subterranean labyrinth, set on a revolving platform
like a concrete bunker, protected by steel doors. Behind this yawned a
nightly abyss, where evacuated citizens moved about in their modern
department-store clothes (designed by Heidi Hackl).
The performers seemed traumatized by their erotic experiences. The
spectacle started with Pamina and Tamino posing in their wedding garb
during the overture for a photo shoot, at the end of which — just as they
were about to kiss — rough arms crashed through the screen behind them,
drawing them into the blackness of the night. This was evidently a
flashback, transporting them to the events of the "folle journée"
preceding their wedding. When the curtain opened, we saw Tamino cringing
on the floor of a snake-pit, surrounded by dozens of creatures like him,
fighting against the invasion of glittering plastic snakes. These were
stopped by three girly, high-heeled Ladies, wearing sunglasses but
obviously blind — they barely avoided crashing into one another as they
jealously grappled for the youth "so beautiful as I have never seen
before."
For the encounter with Papageno, we moved to a different part of the
labyrinth, where the birdcatcher lived, encaged in his volière (without
birds). Tamino conversed with Papageno through the glass panes, their
mirror-like movements reflecting their identical nature. When the Three
Ladies reappeared, they sealed Papageno's mouth by kissing him.
Further strange happenings included the three huge, half-naked black
hoodlums, obviously bodyguards of Monostatos, who emerged from a bathtub
in a King Kong mask. The three Genii entered with their kindergarten
playmates, all tenderly caressing black ravens; later on, they were shown
pulling up dead chickens in a dirty lumber-room. For her Act II aria, the
Queen of the Night emerged from a refrigerator — into which she retreated
after knocking off her Fs. "How was the fire and water trial handled?" you
might ask. For this the stage floor was sprinkled with petrol, then Pamina
lit up a match and both proceeded through the chamber to reappear for
their water test, shown on video. Boarding a car, they were then lowered
down a riverbed and submerged in the waves, from which they escaped by
swimming to the surface. In the end, they were carried in, strapped on
their beds, their bodies wretchedly injured but their longing for each
other so strong that they finally managed to set the seal on their
marriage with the kiss that they were denied just three-and-a-half hours
before.
Alas, all that generations of opera fans have loved about Die Zauberflöte
seems to have evaporated in this production. The opera's youthful
freshness and spontaneity, its warm humanity and moral fibre, its
endearing follies and absurdities — and almost all of its genuine humour —
rest here in the scenes between Papageno (twenty-six-year-old Swiss
newcomer Ruben Drole, a carefree child of nature with a beefy baritone)
and Papagena (the cunning and capricious Eva Liebau). All the other
artists onstage seemed to be inmates of a subterrenean psychotic clinic —
including the smooth Sarastro of Matti Salminen, the brilliant Elena
Mosuc's Queen of the Night, whose coloratura glittered like ice-crystals
(small wonder after her banishment to a refrigerator) and the lovely,
deeply wounded Pamina of Julia Kleiter, with her firmly molded, radiantly
beautiful line. The Tamino of Jonas Kaufmann — who stepped in at the last
moment for the ailing Christoph Strehl — seemed deeply worried but sounded
fabulously firm and almost steely. Rudolf Schasching brought forth alien
monster sounds as Monostatos. The Ernst Raffelsberger-trained chorus
contributed valiantly, as did the augmented forces of the Zurich
Sängerknaben.
Thank goodness Harnoncourt's reading of the score and the playing of the
Zurich opera orchestra seemed unaffected by the harrowing experiences the
performers on the stage were enduring. Harnoncourt, who has undoubtedly
reconsidered since his last Zauberflöte here, now prefers slower tempos
throughout. He puts stronger emphasis on the shaping of individual lines,
which gives them luminous transparency and lends the performance a
chamber-like touch. Ensembles seem to materialize out of gossamer — it is
at these moments that the "magic" of Mozart's title starts to work.
Those who missed the show in Zurich can decide whether this type of
Musiktheater insanity is their cup of tea when the DVD of the production
is released, shortly after its broadcast via German, Austrian and Swiss
TV.
HORST KOEGLER |
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| Der Bund |
Endspiel Zauberflöte
Mutig und düster: Mozarts «Zauberflöte» in Zürich
Martin Kusej deutet Mozarts Oper jenseits aller Clichés als eine Art
Albtraum. Musikalisch überzeugt Nikolaus Harnoncourt mit einer Lesart sehr
nah am Wort und irritiert zum Teil mit sehr langsamen Tempi.
Die neue Zürcher «Zauberflöte» ist kein naives Märchen. Statt putziger
Tiere bedrohen blutige Fleischer und finstere Grubenarbeiter mit Äxten den
Prinzen Tamino und seine Pamina, die sich durch ein gekacheltes,
ausblickloses Labyrinth kämpfen. Aber diese «Zauberflöte» ist auch eine
schwarze Komödie, bei der hinter jedem Lachen Abgründe drohen.
Regisseur Martin Kusej deckt die bedrohlichen Seiten in Mozarts
zweitletzter Oper auf. Welches sind die Prüfungen, die dem Liebespaar
auferlegt werden, bevor es sich endlich vereint? Wer prüft wozu? Kusej
gibt keine fixe Antwort, sondern lässt die Handlung als eine Art Flashback
eines Paares bei der Hochzeitszeremonie ablaufen. Zur Ouvertüre stehen
Tamino und Pamina mit gespanntem Blick frontal zum Publikum: Hochzeit ist
eine ernste Sache. Doch dann reisst es sie nach hinten weg – in eine
kafkaeske Welt der Ängste und Träume. Überzeugend, wie verloren die beiden
jungen Leute gezeigt werden. Jonas Kaufmann, der erst am Premierentag den
erkrankten Christoph Strehl ersetzte, gestaltet einen Tamino von enormem
Schmelz und Musikalität und fügt sich sehr natürlich ins Ensemble und die
Inszenierung ein. Als Pamina setzt Julia Kleiter dem insgesamt
bestechenden Ensemble die Krone auf. Mit welcher Ruhe, darstellerischer
und vokaler Intensität die junge Sopranistin die entführte Prinzessin vom
naiven Mädchen zu einer ernsthaften jungen Frau auf der Suche macht, ist
schlicht atemberaubend.
Alles ist möglich
Rolf Glittenbergs labyrinthische Drehbühne mit ihren zum Verwechseln
ähnlichen Räumen könnte ein Bunker sein, in den sich wie in Becketts
Endspiel die überlebende Klassengesellschaft nach dem Atomkrieg flüchtete.
Das Dilemma der divergierenden Zauberflötenwelten fällt weg, in dieser
Traumlogik ist alles möglich. Sarastro erscheint als ambivalenter
Zeremonienmeister. Matti Salminen verströmt nach wie vor Bassesschwärze
und Autorität, seine verfärbten Vokale und undeutlichen Konsonanten fallen
hier, wo der Text wieder ernst genommen wird, aber negativ auf.
Einige Bilder der Inszenierung sind von verstörender Kraft. Im ersten Akt
kann man ein allzu bekanntes Stück wirklich neu sehen. Dabei gewinnen die
Figuren an Profil, Leben und Natürlichkeit. Die Komik wirkt gerade bei den
kleineren Rollen ausnehmend gut: Bei den drei auch vokal ideal
austarierten Damen von Sandra Trattnigg, Martina Welschenbach und
Katharina Peetz oder den beiden Priestern von Morgan Moody und Andreas
Winkler. Die Papageno-Szenen schlagen bei aller Urtümlichkeit nie in
pseudogemütliche Anbiederung um.
Energie und Spannung
Der junge Schweizer Bariton Ruben Drole präsentiert sich nicht nur mit
farbigem und ausdrucksstarkem Bariton, sondern auch als guter Darsteller.
Seine Auftrittsarie («Der Vogelfänger bin ich ja») bekommt durch ein
langsames Tempo und dynamische Zurücknahme einen melancholischen Zug,
welcher der Figur unüblichen Tiefgang verleiht. Allerdings sinkt das
Überraschungspotenzial im zweiten Akt. Wie zeigt man die existenziellen
Prüfungen? Wie löst man die exponierte Situation im abrupten Ende auf?
Hier verliert die Inszenierung bei aller Genauigkeit im Detail an Tiefe.
Musikalisch setzt Nikolaus Harnoncourt auf langsame Tempi und rhetorische
Pausen. Nicht immer aber wird diese Auslegung derart zum Gewinn, wie bei
Papageno, Pamina oder dem flüsternden Monostatos (Rudolf Schasching als
King-Kong-Figur): Die Rachearie der Königin der Nacht verliert viel von
ihrer Aggressivität. So sicher Elena Mosuc singt, als Figur bleibt ihre
Königin unterprofiliert. Eigenartig ist das Tempo auch im gehetzten Chor
unmittelbar vor der Pause, weil es in gewissem Widerspruch steht zur
Interpretation, die sich sonst stark am Text orientiert. Man kann die
Tempi kritisieren, doch die Energie und Spannung Harnoncourts übertragen
sich derart auf Orchester und Ensemble, dass man trotzdem von einem
Glücksmoment sprechen kann.
Die erhoffte Modellaufführung ists indes nicht geworden, sie dürfte es bei
der Heterogenität der «Zauberflöte» gar nicht geben. Wie weit sie sich
aber von dem abhebt, was man als allzu vertrautes und gemütliches Bild
dieser meistgespielten Oper kennt, ist beachtlich. |
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| Schubert: Winterreise, Strasbourg, 20. April 2007 |
| A L'OPÉRA DU RHIN / LE VOYAGE D'HIVER DE SCHUBERT |
| Le sens du mystère |
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Le
ténor allemand Jonas Kaufmann était très attendu et a été très longuement
acclamé, en compagnie du pianiste Helmut Deutsch, partenaire rêvé de tous
les chanteurs, à l'issue de cette soirée consacrée au Winterreise de
Schubert
.
C'est déjà un paradoxe presque d'entendre ce Voyage d'hiver un soir de
radieux printemps, et on se disait peut-être qu'avec son physique de jeune
premier l'interprète aurait pu choisir un répertoire moins sombre que le
dernier cycle de lieds que Schubert a composé l'ultime année de sa vie.
Errance
On retrouve dans les textes de Wilhelm Muller, qui fut aussi le poète de
la Belle meunière, des thèmes récurrents dans les deux séries de poèmes :
l'errance le long de l'eau, l'amour raté, le miroir et le sosie, le
désespoir. Mais dans Winterreise le voyage reste statique : il est le
regard en arrière, le reste d'une mélancolie déchirante.
Schubert n'utilise dans les vingt-quatre mélodies que rarement le mode
majeur, parfois seulement pour la dernière strophe.
Mais l'art de l'interprète est de faire passer une musique, quelle qu'elle
soit.
Ce voyage, Kaufmann l'a conduit avec le parti pris de l'intériorité que
réclame une partition qui n'indique les nuances qu'au clavier et le plus
souvent en pianissimo. La voix ne s'ouvre en forte que sur les longues
tenues aiguës, préparés en montées conduites sur la grande phrase.
Diction idéale
Une diction idéale, mais surtout ce sens du mystère qui fait de chaque
lied la séquence d'un drame.
Kaufmann a ainsi tenu en haleine son public et l'a captivé du Gute Nacht
initial jusqu'au fantastique Leiermann. Et Helmut Deutsch fut parfaitement
au diapason du chanteur, anticipant ses moindres intentions. Un récital
modèle.
Marc Munch
© Dernières Nouvelles D'alsace, Mardi 24 Avril 2007. - Tous
droits de reproduction réservés |
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Klang und Deutung |
| HEIDELBERGER FRÜHLING: Jonas Kaufmann mit
der "Winterreise" |
| Mannheimer Morgen, von Eckhard Britsch |
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| Heimspiel für Jonas Kaufmann. Vor gut zehn
Jahren, ziemlich am Anfang seiner Karriere, verzauberte er sein Publikum
auf dem Heidelberger Schloss im Touristen-Renner "Student Prince". Seither
zieren Auftrittsorte wie Tokio, New York, Zürich, Salzburg, Edinburgh und
so weiter und so weiter den Karriereweg des hoch gelobten Tenors. Jetzt,
beim Heidelberger Frühling, riss er in der Alten Aula sein Publikum mit
Schuberts Zyklus "Winterreise" zu Beifallsstürmen hin.
Der Mann hat Ausstrahlung. Sein Zugang zu dieser Folge "schauerlicher
Lieder", die Schubert selbstquälerisch gegen Ende seines Siechtums als
richtungweisende Einheit von Poesie und Klang, von Wort und Musik zum
Kosmos einer Depression zusammengewunden hatte, ist erst einmal ein
originär sängerischer. Seine Stimme hat Sitz, Farbe, modulierenden Charme
und attraktive Substanz. Aber bei diesem Sänger, der die Jugendlichkeit
gepachtet zu haben scheint, kommt jetzt auch ein anrührendes Eingehen auf
die Stimmungen der Lieder hinzu.
Sind die Lieder wirklich "schauerlich"? Bei Jonas Kaufmann klingt das
anders, subtiler, als wenn er nur der niederschmetternden Bilanz des
einsamen Wanderers nachspüren wollte. Bei ihm kommt ein feines Farbenspiel
seelischer Befindlichkeit in den Gesang, der ihn vor eindimensionaler
Betrachtung bewahrt. Denn über die Inhalte - Verzweiflung ob verlorener
Liebe und Todessehnsucht - hinaus zeigt Jonas Kaufmann, was dieser Zyklus
auch, ja vorrangig ist: wunderbare Musik, deren facettenreiche Schönheit
er auffächert.
Natürlich stellt er "Die Wetterfahne" harsch auf oder zeigt die fünfte
Strophe des "Lindenbaums" ("Die kalten Winde bliesen") in wortlastiger
Abstraktion oder lässt der Resignation in der Schlusszeile des
"Frühlingstraums" freien Lauf. Doch alle Stimmungswechsel sind bei Jonas
Kaufmann eingebettet in die Idee eines Gesangs, dem Klang mindestens so
wichtig ist wie Deutung.
An seiner Seite Helmut Deutsch, als Liedbegleiter längst eine Instanz.
Anfangs schien die dynamische Balance zwischen Flügel und Singstimme noch
nicht ganz austariert, später ergab sich jene Einheit, die von Interpreten
als Ideal erhofft wird. |
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| Jonas Kaufmann singt Schuberts
„Winterreise" (meine Empfehlung:
Hört es euch lieber selbst an um
euch eine eigene Meinung zu bilden) |
| Von unserem Redakteur Frank Pommer |
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Mit dem Tenor Jonas Kaufmann gastierte einer
der derzeit interessantesten Opernsänger beim „Heidelberger Frühling". Die
Frage allerdings, ob Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise" das richtige
Repertoire für ihn ist, lässt sich nach seinem Kontert am Sonntagabend
zusammen mit dem Pianisten Helmut Deutsch nicht eindeutig beantworten.
Es ist der Gipfel des Liedgesangs: Schuberts „Winterreise" - 75 Minuten
Selbstentäußerung. Und sängerische Kraftanstrengung, von der man
allerdings nichts merken darf. Nackter nie ist ein Sänger als in einem
Liederabend, nie so ganz alleine gelassen - sieht man von seinem
pianistischen Partner ab. In Schuberts „Winterreise", die nur
vordergründig ganz romantisch von einer enttäuschten Liebe erzählt, geht
es um fast schon existenzielle Themen: Todessehnsucht,
Wirklichkeitsverlust - ein Stationendrama der Regression, der willentlich
herbeigeführten Selbstauflösung in der ungastlichen, winterlichen Natur.
Wie aber singt man so etwas?
Nun, zunächst einmal mit perfekter Technik, mit sauberer Stimmführung, mit
lyrischer Einfärbung. Zu viel Druck kann schädlich sein, nachlassende
Konzentration nachgerade tödlich. Der Sänger muss die Spannung halten,
zugleich die Verzweiflung des lyrischen Ichs glaubhaft vermitteln - und
darf doch nie mit seiner Identifikation zu weit gehen. Groll,
Wirklichkeitsverlust, herzzerreißende Trauer, abgrundtiefe Resignation:
dies alles muss der Sänger vermitteln. Und nichts, außer seiner Stimme,
hilft ihm dabei. Keine Bühne, kein Kostüm, kein Orchester. Nur das Klavier
erzählt die gleiche Geschichte einer in völliger Verzweiflung mündenden
Verletzung.
Jonas Kaufmann hat eigentlich alle stimmlichen Fähigkeiten, um diesen
sängerischen Gewaltakt zu stemmen. Er versucht es vor allem mit einer
dynamischen Ausdifferenzierung, will seiner Stimme auch damit die
unterschiedlichsten Farben mitgeben. Und doch irritiert schon sein erster
Einsatz in „Gute Nacht". Geradezu flüsternd, unsicher tastend steigt er in
den Zyklus ein. Die Stimme klingt brüchig, kehlig, spröde, scheint nicht
dort zu sitzen, wo sie hingehört. Ist das nun Manierismus oder einfach nur
technisch unsauber? Dass er es ganz anders kann, beweist schon das zweite
Lied: „Die Wetterfahne". Hier präsentiert er sein stimmliches Material,
macht ganz auf und begeistert - wie etwa auch später im Schlussvers von
„Die Krähe" auf den Vers „Treue bis zum Grabe" - mit einem strahlenden
Tenor, der seine lyrische Mozartphase längst hinter sich hat und auf dem
Weg ist ins Heldenfach.
So geht das den ganzen Abend: Leichte intonatorische Unsauberkeiten, eine
Stimme, bei der man Angst hat, dass sie im nächsten Moment ganz wegbrechen
wird, wechseln sich ab mit Momenten großen Liedgesangs. Kaufmann könnte,
wenn er wollte, all diese Brüche und Schwächen umgehen. Doch er will das
wohl so, will auch stimmlich das Gebrochensein des leidenden Ich, seine
Verirrung an der Welt zum Ausdruck bringen. Das ist ein sehr großes
Risiko, das nicht immer belohnt wird.
Quelle: DIE RHEINPFALZ vom 24.04.2007 |
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| Tages-Anzeiger:
«Winterreise», forte |
Zürich, Opernhaus. - Schuberts Freunde mochte
die «Winterreise» zunächst nicht zu begeistern. Zu düster war ihnen der
vom Komponisten selbst «Kreis schauerlicher Lieder» genannte Zyklus. «Mir
gefallen diese Lieder mehr als alle und sie werden euch auch noch
gefallen» soll Schubert darauf entgegnet haben und er hat Recht behalten.
Längst ist die «Winterreise» ein Fixstern am Kunstliedhimmel. Entsprechend
anspruchsvoll ist die Aufgabe, der sich jeder Sänger stellen muss, will er
diesen tiefernsten leisen und durch die Exponiertheit der Stimmen auch
technisch heiklen Zyklus auf die Bühne bringen. Jonas Kaufmann hat sich am
Montagabend zusammen mit dem Pianisten Helmut Deutsch herangewagt.
Kaufmanns Wandergesell ist jugendlich und leidenschaftlich; er resigniert
nicht, sondern bäumt sich auf gegen die Trostlosigkeit was in den häufigen
Steigerungen ins Forte ebenso zum Ausdruck kam wie in den verhältnismässig
raschen Tempi.
Die leisen Töne gelangen Kaufmann nicht ganz so bestechend, wodurch sich
ein wenig von der unentrinnbaren Ausweglosigkeit des Zyklus verlor, die die
Interpretation «schauerlicher» hätte machen können. Dies wurde aber durch
die ausgezeichnete Diktion, die differenzierte Ausgestaltung - auch des
dichterischen Textes - aufgewogen. Helmut Deutsch war dabei weit mehr als
ein blosser Begleiter. Ganz sparsam im Umgang mit dem Pedal gestaltete er
einen transparenten Klavierpart, der sich nie unnötig in den Vordergrund
drängte, sondern mit dem Gesang zu einem zu einem Ganzen von überzeugender
Schlichtheit zusammenfand.
Anna Kardos |
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| Neue Nuancen
im Bekannten |
| "Die Zauberflöte" als Operngala bei
den diesjährigen Maifestspielen |
| Wiesbadener Tagblatt, von Siegfried
Kienzle |
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WIESBADEN Fünf Jahre alt ist mittlerweile die
Wiesbadener "Zauberflöten"-Inszenierung von Cesare Lievi, in der Tamino
als Schulbub aus dem Klassenzimmer aufbricht. Seine Suche nach Liebe und
Weisheit wird zum Marsch in die arktische Kälte - hinein in eine eisgraue
verknöcherte Gesellschaft. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich und
überzeugend trotz der Eigenwilligkeit dieses Regiekonzepts vier Gastsänger
ihre Rollen ausfüllen.
Das gilt vor allem für den Papageno von Markus Brück, der einige Jahre
Protagonist im Wiesbadener Ensemble war. Sein Vogelfänger zieht nicht die
obligate Hanswurstiade ab, sondern zeigt in den Sprechszenen das
Charakterporträt eines pfiffigen, warmherzigen Lebenskünstlers, der zur
eigentlichen Gegenfigur zum gefühlskalten Vernunftkult im Reich Sarastros
wird. Wie bei Brück im Duett "Bei Männern, welche Liebe fühlen" das
Staunen über eine unbekannte Liebesahnung durchklingt, wie er das
Plapper-Duett mit Papagena als stotternde Sprachlosigkeit der Freude
akzentuiert - so viel an spielfreudiger Präsenz begeistert. Mit seinem
helltimbrierten Pracht-Bariton vermag Brück immer neue Nuancen im
Wohlbekannten zu entdecken. Der Tenor Jonas Kaufmann ist in seinem
Repertoire längst bei Florestan und Hüon angekommen. So haben seine
trompetenhaften Spitzentöne einiges an Mozart-Schmelz eingebüßt. Kaufmann
verfügt über empfindsame Pianokultur. Für die Zähmung der Tiere, für die
Begegnung mit Pamina findet er sensible Zwischentöne der Hoffnung,
Resignation und des leidenschaftlichen Aufbegehrens.
In wuchtigem Pathos stellt Kurt Rydl seinen Sarastro als Patriarchen hin.
Mit weißem Bart und Silbermähne erscheint er wie einer jener Herrscher,
die in Science-Fiction-Filmen das Universum unterjochen. Seine Priester
sind greise Apparatschiks. Im Schlussbild, wenn Mozart die Strahlen der
Sonne bejubelt, blicken wir auf eisverkrustete Palmen.
In flammendem Rot bringt die Königin der Nacht mit ihren Damen Farbe und
Kontrast in diese triste Welt. In Abendroben und wippenden Federn
verkörpern sie lockende Erotik, Fantasie, Jugend. In diesem Sinn singt
Cornelia Götz ihre Koloraturketten nicht in schneidender Kälte, sondern
sanft abgemildert.
In beseelten Legatobögen gestaltet die Pamina von Thora Einarsdottir die
Todessehnsucht ihrer g-Moll-Arie. Erik Biegel vermittelt den Leidensdruck
des Monostatos im Lendenschurz als Wilder aus dem afrikanischen Busch.
Emma Pearson ist eine neckische Papagena, Axel Wagner solid als Sprecher
und ein Geharnischter. Ansprechend auch die drei Damen Annette Luig, Ute
Döring und Inga Lampert.
Marc Piollet gibt bereits der Ouvertüre den filigranen Schliff und zeigt
in den Orchesterstimmen, wie viel an Zukunftsangst mitschwingt, wenn die
Musik anscheinend so munter und melodisch die Geschichte vorantreibt. Eine
imponierende Gesamtleistung, mit stürmischem Beifall bedacht. |
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| Ball der Künste,
München |
| Bunte: Die Society tanzt und ein junger
Tenor bekommt mehr Applaus als Bryan Ferry |
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Wenn
Damen im gesetzten Alter kreischen und Herren in den besten Jahren nichts
mehr auf den Sitzen hält, steckt normalerweise ein Pop-Gigant dahinter.
Zum Ball der Künste kam zwar Superstar Bryan Ferry nach München, doch die
wahren Begeisterungsstürme entfachte ein bis dahin unbekannter Tenor (*):
Der Münchner Jonas Kaufmann sprang für Ramon Vargas ein, brillierte neben
Mezzosopranistin Vesselina Kasarova und eroberte das Publikum im Sturm.
Einer von vielen Höhepunkten bei einem besonderen Ball, zu dem Dirigent
Kent Nagano und Museumsdirektor Chris Dercon zum ersten Mal eingeladen
hatten. Medienpartner waren dabei Hubert Burda Media und „Elle“.
Gesichtet: .......(Liste einiger Ballgäste weggelassen)
* man möge dem Schreiber verzeihen, schließlich ist mir z.
B. der Name Bryan Ferry gänzlich unbekannt und immerhin konnte man in der
gleichen Illustrierten am 11.6.2006 folgendes lesen:
In der Kehle sind wir Weltmacht
OPERNSTARS sind - neben Autos und Maschinen - die stärksten deutschen
/Exportartikel. Warum?
Einmal im Jahr pilgern die singenden Opernstars nach Bayreuth. ...
...................
............... Allen voran: René Pape (Bass) Diana Damrau (Sopran) Jonas
Kaufmann (Tenor) Wolfgang Brendel (Bariton) ...
Bunte
(Eintrag aus dem Genios.de Archiv, vollständiger Artikel nicht vorhanden)
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| La Traviata,
Paris, 16. Juni 2007 |
| NZZ, 18.6.2007: Alles in
bester Ordnung - oder fast |
| Giuseppe Verdis «Traviata» mit Christoph
Marthaler und Sylvain Cambreling in Paris |
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Ein Kassenschlager wie Verdis «Traviata»
mit dem Regisseur Christoph Marthaler - da droht Sturm. Tatsächlich führte
die in jeder Hinsicht bemerkenswerte Premiere in Paris zu schriller
Kontroverse.
Zur Garderobe geht man nicht im Palais Garnier; es empfiehlt
sich schon deshalb nicht, weil sie viel zu klein und schlecht gelegen ist.
Wenig erstaunt deshalb, dass das Personal an diesem abgeschabten Tresen zu
den Klängen des Vorspiels, das vom Orchester der Pariser Nationaloper und
seinem Dirigenten Sylvain Cambreling sehr langsam und feinfühlig exponiert
wird, ziemlich Trübsal bläst. Die Zeit scheint aufgehoben in diesen
neunundvierzig Takten, auch für die unscheinbare junge Frau mit dem roten
Kruselhaar, dem schwarzen Babydoll und den klobigen Pumps, die auf dem
Tresen hockt. Doch wie die üppig bestückte Banda auf der Hinterbühne mit
ihrem Allegro brillantissimo e molto vivace einsetzt, kommt Bewegung in
die Szene. Treffen die Damen und Herren ein, die zu der grossen
Abendgesellschaft bei Violetta Valéry geladen sind, und wird Mantel um
Mantel aufgetürmt, bis der arme Groom unter der Last zusammenbricht. Nur
eine behält ihren Pelz an - weil sie unter dem edlen Stück rein gar nichts
trägt: eine Wiedergängerin jener kämpferischen Umweltaktivistin, die mit
solchen Aktionen in der Mailänder Scala zu Sant'Ambrogio das erlauchte
Publikum zu erschrecken pflegte.
Verkörperungen
Nun, so kommt es heraus, wenn man, wie jetzt für die jüngste
Produktion der Paris Nationaloper, den Regisseur Christoph Marthaler
zusammen mit seiner Ausstatterin Anna Viebrock in den altehrwürdigen
Hallen des Palais Garnier an einen Kassenschlager wie Giuseppe Verdis
«Traviata» lässt. Da wird Christine Schäfer ungefähr zum Gegenteil jener
Violetta Valéry, die Anna Netrebko bei den Salzburger Festspielen 2005
gegeben hat. Bleiben die Champagnerkelche leer und die Kehlen trocken,
selbst beim «Brindisi», das der schüchterne Alfredo - Jonas Kaufmann lässt
das sehr glaubhaft hören - nur unter Überwindung aller Furcht zustande
bringt. Und während die Netrebko damals mit ihren Reizen spielte, von den
Männern auf Händen getragen und dabei nach Massen begrapscht wurde, bricht
hier in Paris die grossbürgerliche Festgesellschaft in absurde Zuckungen
aus - der Choreograf Thomas Stache spart nicht an der Zeichnung dieser
Degeneration. Doch dann geht es rasch zur Sache - und kaum je wird in
einer Inszenierung von Verdis «Traviata» so deutlich spürbar, wie
plötzlich hier der Umbruch von der lauten Öffentlichkeit ins private Drama
erfolgt. Noch gibt es zwar jenen schmuddeligen Vorraum mit der kleinen
Bühne schräg hinten, aber schon sind die Energien voll und ganz auf die
gleich sehr innige, echte Beziehung zwischen den beiden jungen Menschen so
unterschiedlicher Herkunft fokussiert.
Das wird mit aller Liebe aus- und durchgeführt. Gewiss sieht
es in einzelnen Momenten nach szenischer Unschlüssigkeit und klassischem
Rampensingen aus. In Wirklichkeit aber dominieren die musikalische
Ausgestaltung und, in enger Übereinstimmung damit, die Feinarbeit der
Körpersprache. «Un dì felice», das erste Duett der Liebenden, zeigt, wie
flexibel Jonas Kaufmann mit seinem geschmeidigen Timbre umzugehen und wie
sensibel er sich seiner Partnerin anzupassen vermag. Denn Christine
Schäfer ist nicht nur physisch, sondern auch stimmlich alles andere als
jene selbstbewusst aufbegehrende Violetta, die gewöhnlich vorgeführt wird.
Ein zerbrechliches Wesen, körperlich gezeichnet, stimmlich zart. Den
enormen Umfang der Partie bewältigt sie nach der Tiefe wie der Höhe hin
grandios, die Diktion ist makellos, und wie sie den mit Pausen
durchsetzten Einstieg in «E strano» phrasiert, zeugt von blendender
musikalischer Intelligenz. Und Sylvain Cambreling, dem das Orchester
aufmerksam folgt, erweist sich als ein maestro concertatore von Rang - als
ein Dirigent, der die kleinsten Seelenregungen der Sänger aufnimmt, der
darüber hinaus die Tempi vielfach gegeneinander abstuft und die Farben
dergestalt auszeichnet, dass das Instrumentale weit über die reine
Begleitung hinauswächst.
Und schon werden wir Zeugen des heiteren Landlebens. Hier
gibt es einen hübschen Liegestuhl, nur: Könnte er nicht dem «Zauberberg»
entstammen? Und auch hier gibt es Champagner, doch ist die Flasche
abermals leer. Erhalten geblieben ist endlich die kleine Bühne; auf ihr
wird ein Rasenmäher repariert - was nur auf den ersten Blick witzig ist.
Denn das Gerät wird vollständig, bis auf seinen elektrischen Antrieb hin
demontiert - so wie es Violetta Valéry widerfährt. Nun schlägt nämlich die
Stunde von Recht und Ordnung, verkörpert durch Giorgio Germont, der von
der fragilen Aussenseiterin den Sohn Alfredo zurückfordert. Der Einwurf
«Pura siccome un angelo» lässt erleben, mit wie viel musikalischer Kultur
José van Dam nach wie vor agiert. Nicht zu überhören ist allerdings auch,
dass die Stimme des grossen Baritons inzwischen doch merklich an Glanz
verloren hat - was hier wiederum zu besonderer Schlüssigkeit führt. Die
dramatische Spannung erfährt dadurch eine Zuspitzung ganz eigener Art.
Kein Wunder, dass Violetta zerbricht und aufgibt. «Che gli dirò?», fragt
sie sich zu Beginn der Briefszene, in der sie Alfredo um den Abschied
bittet. Wer es gesehen und gehört hat, wird es nie vergessen: wie
Christine Schäfer zum ergreifenden Sextsprung der Soloklarinette die Hand
vor die Augen schlägt.
Kontroversen
Zwar folgen dann noch der Moment der Unterhaltung, der Ball
bei Flora Belvoix (Helene Schneiderman) mit den spanischen Stierkämpfern,
die einen tiefen Einblick in machistische Schuhmode erlauben, sowie der
dramatische Höhepunkt, an dem Alfredo der geliebten Violetta in voller
Verzweiflung sein eben erspieltes Geld vor die Füsse wirft. Aber das Ende
erscheint in dieser Inszenierung besonders unausweichlich. Und es wirkt
besonders berührend, weil Christine Schäfer die Verletzlichkeit dieser
jungen Frau - die gar nicht so sehr an Tuberkulose als an zerstörter Liebe
zu sterben scheint -, die Fragilität der Gefühle und die Brutalität der
gesellschaftlichen Hackordnung so unglaublich intensiv über die Rampe
bringt. Rasch und lautlos sinkt ihre Violetta am Ende in sich zusammen;
die anderen, auch Alfredo, sie stehen oben auf der kleinen Bühne und
weinen ihre Tränen - unter ihnen Docteur Grenvil, dem Nicolas Testé in
seinen zwei kurzen Einwürfen nachhaltig Stimme gibt. Womit die Ordnung
wiederhergestellt wäre.
Und dann brach sie aus: die Saalschlacht, wie sie dort
dazugehört, wo Gerard Mortier als Intendant das Sagen hat. Jubel ohne
Grenzen für die Protagonisten, doch als Christoph Marthaler und Anna
Viebrock die Bühne betraten, schienen die Wände des Palais Garnier
einstürzen zu wollen - Sylvain Cambreling hatte sein Fett schon vorher
abbekommen. Oper, die nicht bloss unterhält, sondern ganz direkt, ja
existenziell ans Herz geht und erst noch den Geist beansprucht, kann nicht
anders als Kontroversen auslösen. Besseres kann freilich auch nicht
geschehen.
Peter Hagmann |
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| Le
Figaro: Un destin de théâtre |
| CHRISTIAN MERLIN. Publié le 19 juin 2007 |
| La Traviata de Verdi à
l'Opéra Garnier |
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| Il y a du progrès : les huées qui accueillent
habituellement Christoph Marthaler à Paris étaient bien là pour la
première de La Traviata, mais réservées au rideau final, alors que pour
Les Noces de Figaro elles perturbaient le cours du spectacle. Le public
serait-il en train d'admettre qu'il ne s'agit pas d'un charlatan qui peint
des moustaches à la Joconde, mais d'un grand homme de théâtre ? Ses
productions ne sont ni réalistes ni contemporaines : avec sa décoratrice
Anna Viebrock, il modernise mais n'actualise pas, créant toujours un effet
de dépaysement. Le chef-d'oeuvre de Verdi se déroule dans les vestiaires
et la buvette d'une salle de spectacles sinistre des années 1950, où les
invités mènent une vie de fêtards factice et mécanique, sans aucune place
pour la joie. Peter Mussbach avait fait de Violetta une Marylin, avec déjà
Christine Schäfer : c'est à Édith Piaf que Marthaler identifie la dame aux
camélias. La soprano allemande est Édith, ce petit bout de femme si
fragile et si fort, dont la rage de vivre est aussi intense que la santé
est délabrée. Marthaler en fait un destin de théâtre en renversant les
rôles : bien qu'elle soit en représentation, c'est elle qui est vraie, les
autres relevant d'une convention que le metteur en scène dénonce avec son
ironie féroce. Quelle émotion, quelle poésie, lorsque les lumières
s'éteignent et que les personnages se figent pendant que Violetta-Édith,
éclairée par une poursuite de music-hall, chante ses sentiments intimes
comme en un récital imaginaire ! Commenter la direction de Sylvain
Cambreling à part n'aurait aucun sens car elle est appariée à la mise en
scène. Avec sa lecture impitoyablement analytique, son tempo funèbre
(presque aussi lent que Giulini à la Scala en 1955), il met la fosse en
phase avec la scène. Comme l'orchestre, il faut écouter la distribution en
oubliant ses références italiennes. Oui, Christine Schäfer a la voix bien
légère et bien lisse pour un rôle aussi latin, mais chez elle la fragilité
fait la force, la froideur l'expressivité. Voix très allemande aussi pour
le ténor Jonas Kaufmann, barytonnant, cuivré, quasi-wagnérien, tandis que
Germont père n'a jamais été le meilleur rôle de José van Dam. |
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| Salzburger
Nachrichten vom 18.06.2007 Derek Weber |
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| „Da werden sich doch manche Besucher, die mit
den Namen Christoph Marthaler und Anna Viebrock nicht vertraut sind,
schwarz geärgert haben. Zumindest war die Publikumsreaktion auf das
Leading Team am Ende der Premiere von Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“
ziemlich geteilt: Viel weiße Begeisterung und gut gebrüllte tiefschwarze
Buhs hielten sich die Waage. Und in der Tat: In dieses morbide Ambiente
der alten Pariser Oper im Palais Garnier – die noch bis 2009 zu Gérard
Mortiers Reich gehört – hätte ein alter Kitschhase wie Franco Zeffirelli
eine überladene Inszenierung hineingewuchtet, die mit Anspielungen ans 19.
Jahrhundert nicht gespart hätte. Stattdessen gab’s als Viebrock-Bühnenbild
einen quer gestellten, leeren, großen Raum mit einem erhöhten Etwas im
Hintergrund, das sich im Lauf der Handlung als Leinwand-Portal eines alten
Kinotheaters erwies. Dementsprechend beginnt das rauschende Festbild des
ersten Akts mit dem Eintreffen der in Dior-Roben gekleideten Gäste vor der
Garderobe des Theaters, sozusagen ein Startzeichen für Marthalers absurden
Bewegungs-Humor: Ein Garderobier wird mit Mänteln aller Art so lange
überladen, bis er niederbricht, der Chor verfällt mit den Garderobezetteln
in den Händen in ein spastisches Bewegungsballett. Vier Tänzer bilden die
Spitze des Eisbergs dieser motorisch und sonst wie gestörten Gesellschaft.
So ganz gelungen ist das alles nicht, doch ist es in sich stimmig und
unverwechselbar. Die Personenführung ist ein wenig plakativ und besonders
im Landhaus-Bild des zweiten Akts erstaunlich steif und statisch. Das
scheint auch daran zu liegen, dass Marthaler manches auf die Bühne stellt,
was die Musik nicht sagt. Am Beginn des Bildes versucht Alfredo Germont,
auf der Hinterbühne einen kaputten Rasenmäher zu reparieren. Wenn sein
Vater Giorgio (José Van Dam) auftritt, sollte man den steifen Bürger
hören. Bei Marthaler wird er zum bösen Alten. Van Dam, der mit den Höhen
der Partie seine liebe Not hat, unterstreicht das ungewollt durch
unflexibles Phrasieren. Und Sylvain Cambreling als Dirigent trägt seinen
Teil durch überraschend schwergewichtige und gedehnte Tempi dazu bei. Ganz
in seinem Regieelement hingegen ist Marthaler im nächstem Bild, dem Fest
bei Flora Bervoix. Diese hurige Flora (Helene Schneiderman) wird man
ebenso im Gedächtnis behalten wie die poltrige Annina (Michèle Lagrange).
Hier hat auch der Chor seinen glanzvollen Auftritt zwischen Tanz und quasi
spastischen Anfällen: Alles Bürger- und Halbwelt, alle reif für die
Trinkerheil- und Irrenanstalt. Selbst Alfredo (makellos: Jonas Kaufmann)
besäuft sich in diesem Bild, ehe er den Mut hat, Violetta zu beleidigen,
um dann verzweifelt vor ihr niederzubrechen. Diese kranke und gekränkte
Violetta ist das Kraftzentrum des Abends: Christine Schäfer spielt und
singt die leidende, von Anfang an zum Sterben und Erniedrigtwerden
bestimmte Person, die weder in der gestörten Spaßgesellschaft, noch in der
Bürgerwelt ihren Platz hat, mit unnachahmlicher Intensität, bar jedes
Anflugs von Divenhaftigkeit. Am Ende ist sie ganz auf sich allein
gestellt. Während die anderen auf der fernen Hinterbühne verharren, steigt
sie in die Welt des Blumenmülls herab, die vorn ausgebreitet ist. Sie
stirbt an dem, was diese Welt der rauschenden Feste aus ihr gemacht hat,
und an der Unerreichbarkeit des „normalen“ bürgerlichen Lebens.“ |
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| LE MONDE | 20.06.07 |
| Une "Traviata" sur la
mauvaise voie |
Il y a deux façons de mettre en scène un
spectacle. La première est la "méthode entonnoir" ou, pour les cas
extrêmes, la "méthode hachoir" : elle consiste, pour un metteur en scène,
à faire passer coûte que coûte le sens d'un ouvrage par le tuyau plus ou
moins broyeur de sa vision personnelle. C'est ce que vient de faire, comme
beaucoup de ses collègues aujourd'hui sur les scènes lyriques notamment,
le Suisse Christoph Marthaler, qui a essuyé les huées d'un public furieux
lors de la première de cette nouvelle production de La Traviata, de
Giuseppe Verdi, à l'Opéra de Paris.
La seconde méthode, hélas peu pratiquée ! consiste à regarder ce que
l'oeuvre dit et à mettre son propre univers en résonance naturelle avec le
propos et la musique. L'un des exemples les plus éblouissants de ce talent
vient d'être donné par Patrice Chéreau avec De la maison des morts, de
Janacek, à l'Opéra d'Amsterdam (Le Monde du 7 juin), spectacle qui sera
présenté lors du Festival d'Aix-en-Provence. Mais tout le monde n'est pas
Chéreau, qui n'est pas toujours lui-même et à qui il est arrivé de
pratiquer la "méthode entonnoir".
Celle-ci est cependant souvent le signe d'un univers originellement fort.
Celui de Marthaler, est-il besoin de le rappeler, est l'un des plus
singuliers de la scène théâtrale européenne, mais il pèche par l'univocité
de sa vision, filtrée par une éternelle paire de bésicles passablement
ironiques et déformantes : comme chaque fois, la chair est triste, l'amour
une chose que l'on donne sans y croire à quelqu'un qui n'a pas la force de
le refuser, le tout baignant dans l'alcool, la drogue, la misère. Soit.
Le monde, et particulièrement celui de La Traviata ("La dévoyée"), n'est
pas un long fleuve tranquille, chacun le sait, mais un regard dessillé ne
devrait pas empêcher d'être visionnaire. Evidemment, Violetta Valéry, la
dévoyée, doit être une star mythique. Peter Mussbach, à Aix, en avait fait
une Marilyn ; Marthaler en fait une Edith Piaf mourant dans les détritus,
soutenue par un jeune amant, dans le décor unique constitué par Anna
Viebrock, une fois de plus dans le style d'une salle des fêtes de
sous-préfecture des pays de l'Est, millésime 1964.
AVEC UNE BOUTEILLE
Bien sûr, alors que tout est décadence luxueuse, Marthaler renonce à ce
qu'il appelle le "réalisme champagnisé". Dans la maison de campagne
d'Alfredo (c'est toujours la salle des fêtes), un personnage répare une
tondeuse à gazon. Bien sûr, on sert le breuvage pétillant dans des verres
de plastique. Un personnage finit d'ailleurs par glisser le pied desdits
verres entre ses doigts de pied. Une acrobate - sosie d'Eddie Sedgwick,
camée météorique - joue avec une bouteille dont elle semble vouloir faire
un accessoire sexuel - mais non. Dommage, car il n'y a guère d'autre chose
à se mettre sous la dent dans ce spectacle prévisible dans sa volonté de
ne l'être pas.
Christine Schäfer, sorte de Pierrette lunaire en absolu contre-emploi,
tire sa voix en tête d'épingle du jeu. On l'aimait davantage en Chérubin
rappeur qu'en dévoyée un peu courte de jambes. Son partenaire, Jonas
Kaufmann, fait sensation, d'abord par son physique de star de cinéma. Mais
quelle voix, et quel musicien... Il chante en artiste et non en ténor,
capable de pianissimos et de vrais sons à décoller le plafond de Chagall.
Le chef Sylvain Cambreling ne mérite pas les huées qui l'ont accueilli à
son retour en fosse après l'entracte, mais que sa direction est plate,
sans finesse, sans élan ! C'est le seul qui pouvait comprendre la Traviata
de Marthaler, a fait savoir le directeur de l'Opéra de Paris. Va donc pour
Cambreling, tant pis pour Verdi. |
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| Agence
France-Presse, 17. Juni 2007 |
| Une "Traviata" sans clichés, mais avare en
émotions à l'Opéra de Paris |
Le metteur en scène suisse Christoph
Marthaler a récolté les huées d'une bonne partie du public, samedi soir au
Palais Garnier à Paris, à l'issue de la première d'une nouvelle production
de "La Traviata" de Verdi débarrassée des conventions et des clichés, mais
avare en émotions.
L'irrévérencieux Marthaler, habitué des broncas du public parisien, s'est
présenté à la salle tout sourire, accompagné de sa décoratrice attitrée,
l'Allemande Anna Viebrock.
La distribution vocale a pour sa part été chaleureusement applaudie (huit
représentations jusqu'au 12 juillet).
Pour ce parangon du drame romantique qu'est "La Traviata", Marthaler et sa
décoratrice ont renoncé aux riches appartements de la demi-mondaine
Violetta, au premier acte, pour situer l'action dans le vestiaire d'une
salle de spectacles défraîchie et éclairée aux néons.
Violetta - interprétée sans grande chaleur ni richesse par la soprano
allemande Christine Schäfer - donnée d'emblée comme fragile et condamnée,
évolue au milieu d'amis alcooliques et délibérément grotesques, comme
lorsqu'ils sont frappés de tics nerveux pendant le célèbre toast.
Au deuxième acte, pas de maison de campagne, mais la réparation d'une
tondeuse à gazon sur une petite scène de théâtre en fond de scène, et une
chaise longue où Violetta s'allonge pour entendre les imprécations de
Germont père (le baryton-basse belge José Van Dam, encore vaillant).
La fête chez Flora, blonde écervelée, enfonce le clou de la médiocrité de
cette société de fêtards, qui s'amuse à peu de frais - on boit le
champagne dans des flûtes en plastique - et rejette Violetta aussi vite
qu'elle l'a courtisée.
Au troisième acte, plus sage, Violetta agonise dans son lit - installé sur
la petite scène de théâtre - avant d'expirer au milieu de dizaines de
bouquets de fleurs tapissant déjà le sol, anticipation sinistre de sa
mort.
Le spectacle est traversé de plusieurs bonnes idées, comme la horde
sauvage des invités se ruant sur le vestiaire pour récupérer leurs
affaires, ou les baisers passionnés d'Alfredo à Violetta, alors même qu'il
vient de l'humilier en public.
Mais à trop insister sur la médiocrité des personnages - Alfredo, par
exemple, n'est qu'un simple "loser" malgré la voix puissante du ténor
allemand Jonas Kaufmann - Marthaler rend parfois cette +Traviata+
anecdotique. A l'instar de sa Violetta qui, même isolée dans un rond de
lumière - le metteur en scène dit s'être inspiré d'Edith Piaf - n'émeut
guère.
Le chef Sylvain Cambreling, à la tête de l'Orchestre de l'Opéra de Paris,
a suivi la même ligne, sans pour autant partager les huées adressées au
metteur en scène au salut final.
PARIS, 17 juin 2007 (AFP) |
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| De Standaard,
Belgien |
| Wrang feestje met Verdi |
| Het Parijse operapubliek heeft weer
discussiestof. 'La Traviata' is door de regisseur Christoph Marthaler
zorgvuldig van alle conventies ontdaan. Na de première was luid boegeroep
zijn deel. |
Achter de scène van de Opéra Garnier wrijft
Gerard Mortier zich in zijn handen. Zoals al maanden geleden voorspeld, is
de première van La Traviata zopas geëindigd in een schandaalsfeer. Een
confronterende kijk op het repertoire: ze is Mortier liever dan opera in
een oogverblindende verpakking. Het Parijse publiek mag smullen van de
grote titels, maar het moet zich af en toe ook eens verslikken.
Furieuze reacties zoals in Parijs zijn we in onze operahuizen niet gewend.
Maar in het derde Mortierseizoen is er ook al een kentering merkbaar. Het
premièrepubliek laat zich niet makkelijk meer jennen. Het kan de neiging
onderdrukken om een voorstelling stil te leggen en geeft ook brutale en
afwijkende visies een kans om zich te bewijzen.
Deze Traviata is speciaal voor Parijs bedacht. De afspraken waren al lang
gemaakt, zegt Mortier. De voorbereiding was intensief en begon al drie
jaar geleden.
Gerard Mortier: 'We zouden La Traviata doen. Vertaald naar vandaag, en
niet in weelderige decors en kostuums. Aan regisseurs als Franco
Zeffirelli danken we de extreme luxe die je altijd ziet op het toneel.
Terwijl dit verhaal zich afspeelt bij de bekrompen demi-monde, die
ongenadig omspringt met een kwetsbare vrouw als Violetta Valéry.'
De ruisende baljurken, de zwier en de elegantie die we associëren met La
Traviata: de Zwitserse regisseur Christoph Marthaler heeft dat beeld met
zorg getorpedeerd. Het feestje ten huize van Violetta begint wrang. De
invités zijn rijkelijk laat en bestormen de vestiaire. De jassen stapelen
zich op, tot een bediende bezwijkt onder het gewicht. In Verdi's
uitbundige driekwartsmaten wordt de bourgeoisie te kijk gezet: een
letterlijk verstarde menigte, zwaaiend met een geel ticketje.
Schuimende champagne valt er al helemaal niet te bespeuren. De schaarse
roemers zijn van plastiek. Als in het tweede bedrijf een nieuw feest
losbarst, is de chaos nog groter. Het ontaardt in een prettig gestoorde
modeshow.
Marthaler breekt met alle geijkte opvattingen. De ontluikende hartstocht
tussen Violetta en Alfredo? In de plaats zien we twee dolende zielen,
onzeker en stuntelend. Dat hun latere liefdesgeluk zich afspeelt op het
idyllische platteland, blijkt uit één klein detail: een grasmaaier die
achteraan op de scène compleet gedemonteerd wordt.
Parodie
Marthaler durft: zoveel is zeker. Maar zijn concept is niet altijd even
amusant en vindingrijk, en al na de eerste pauze blijkt het moeilijk vol
te houden. De vraag besluipt je wat er schuilgaat achter zo veel parodie.
Langzaam wordt duidelijk dat Violetta, in de geest van Verdi, geboetseerd
is als een modern en breekbaar personage. Ze is een onconventionele,
vrijgevochten vrouw die hartstochtelijk wil liefhebben. Helaas valt ze ten
prooi aan ziekte, aftakeling, de heersende moraal. Geregeld laat Marthaler
haar in felle spotlights zetten. Violetta's rol is die van vedette en
mediafiguur, geprezen en bekritiseerd. Als ze sterft, in een ijzingwekkend
derde bedrijf waar de grappen en grollen verstommen, is dat in een berg
van goedkope bloemenruikers.
De frêle Christine Schäfer is uitermate geschikt voor de titelrol. Ze is
een kleine vrouw die overweldigt met een grote stem en grote emoties. Haar
onflatteuze plisséjurk en korte lelijke krullen - een verwijzing naar
Edith Piaf - lijken haar niet te deren. Op een overtuigende manier is ze
een speelbal van het lot.
Jonas Kaufmann bewijst zich als een vinnige zanger, niet met een éclatante
maar wel met een soepele stem. Als Alfredo is hij een volwaardige
tegenspeler.
Net als eind vorig jaar in De Munt, vertolkt José Van Dam de rol van vader
Germont. In deze productie kan hij meer zichzelf zijn. Met zijn witte
baard en serene verschijning komt hij over als een echte vaderfiguur.
Zelfs al is zijn stem tanend, het Parijse publiek koestert hem als een
lievelingsfiguur.
De dirigent Sylvain Cambreling zit op dezelfde golflengte als het
regieteam. Een salvo van bekende aria's lanceren was niet de eerste
opdracht. Uit de orkestbak klinkt geen opzwepende, maar een bedachtzame en
verrassend fragiele Verdi.
La Traviata, gezien in de Opéra Garnier in Parijs op 16 juni. Daar nog te
zien tot 12 juli.
Geert Van der Speeten |
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| La môme Violetta |
| Le Figaroscope/JACQUELINE THUILLEUX |
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Avec La Traviata, Verdi a fait un
chef-d’oeuvre de lyrisme tendu, porté par son amour pour sa femme, la
cantatrice Giuseppina Strepponi, mal accueillie dans son village et par sa
famille. Tout le rôle n’est qu’un cri:
dans le registre de la virtuosité au fer acte, puis du désespoir
sacrificiel, enfin cri déchirant d’adieu à la vie. Inspirée de Dumas fils,
l’histoire se déroule dans un cadre luxueusement second Empire dont le
caractère ostentatoire accentue habituellement les mâchoires sociales qui
se referment sur l’héroïne. Si la musique est soutenue par une pulsion
tout italienne, le drame est de portée universelle: un élément capital
pour décrypter la nouvelle mise en scène de Ghristoph Marthaler, dans un
cadre qui n’a toutefois rien de général puisque la décoratrice a
reconstitué la salle de spectacle du Kulturhaus de Chemnitz, en ex-RDA.
Christine Sch~ifer, dans le rôle de Violetta, est l’idéale incarnation de
cette Piaf à l’allemande, crucifiée dans sa robe noire de clown mondain.
Critique
Le pari est intéressant. Et comment résister à la sublime musique de
Verdi, que Sylvain Cambreling ne trahit pas, créant de violents contrastes
avec un orchestre particulièrement concerné. Et parce qu’il sait aider la
fine voix mozartienne de Christine Schàfer, laquelle n’a ni l’ampleur ni
les notes hautes du rôle — amputées — mais en cisèle les déchirements avec
une sensibilité poignante. Et puis il y a le somptueux ténor Jonas
Kaufmann, émergeant victorieusement de sa coiffure à la Sarapo et d’une
gestique maladroite voulue. Voix ambrée, au magnifique phrasé développé
dans le lied et l’opéra allemand. Son Don José a ébloui cet hiver le
public londonien et on envie les Milanais qui le verront le mois prochain
en Alfredo face à Angela Gheorghiu. Son duo avec Schafer ajoute à
l’étrangeté corrosive de cette vision d’une Traviata qui va beaucoup
secouer les mélomanes. |
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| Berliner Zeitung |
| Ticks aus der
Partitur |
| Christoph Marthaler inszeniert, Sylvain
Cambreling dirigiert Verdis "La Traviata" im Pariser Palais Garnier |
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Klaus Georg Koch
An der Pariser Opéra hatte man einen Theaterskandal aufziehen sehen,
Beschimpfungen des Regisseurs, Verwünschungen des Intendanten, Geschrei,
"auf den Scheiterhaufen mit Mortier!". Man hat solche Premieren in der
jetzt dreijährigen Amtszeit des Intendanten Gerard Mortier schon erlebt.
Aber das sind auch Theaterphantasien. Der Traum, rauh und wüst geliebt zu
werden von seinem Publikum; Opernhäuser sind nicht der Hort der
Rationalität. Jedenfalls blieb es diesmal friedlich, auch nach dem
traurigen Ende von Verdis "La Traviata". Eine schöne Opernpremiere, Jubel
für die Sänger. Selbst die Buhrufe für den Regisseur Christoph Marthaler
klangen ganz zufrieden.Das ist dann doch wieder merkwürdig. Hat alles
zu allem gefunden? Trifft Marthaler jetzt den Ton des klassizistischen
Paris? Marthaler hat dem Bebilderungsbetrieb der Oper doch immer wieder
seine subversiv sich dahinschleppenden Inszenierungen entgegengehalten.
Die bekannten Opernhelden hat er durch schlichtere Figuren ersetzt, die so
langsam sind in ihrer Selbstvergegenwärtigungsarbeit, dass sie dem
Publikum kaum noch etwas vorspielen könnten.
Tatsächlich gibt es auch in der neuen "Traviata" die alten
marthalerschen Figuren mit den Ticks. Diese Figuren lassen die Köpfe
hängen oder die Schultern hängen, oder sie zucken mit den Armen oder mit
den Beinen, oder sie laufen die Wände rauf oder sie fallen um. In der
"Traviata" sind es die Mitglieder der Gesellschaft, die durch die Ticks
ausgezeichnet sind. Das allein wäre freilich nicht originell. Doch
Christoph Marthaler und Sylvain Cambreling, der Dirigent der Produktion,
haben für die Ticks auch einen Grund in der Partitur gefunden. Es sind die
etwas scheppernden Begleitfiguren mit ihrer lokomotivenhafen Dynamik, das
Verdische hm-ta-ta, die nun meist der Gesellschaft zugeordnet werden.
Das ist in der "Traviata" plausibel. Die Gesellschaft ist, bis auf eine
Ausnahme im letzten Akt, in der die Moral aus ihr schlägt wie ein Blitz
aus der Wolke, eine, die Feste feiert und tanzt bis in die Puppen. Ihr
gegenüber sind die Helden der Geschichte gesetzt mit ihren Geschichten,
mit ihren Passionen. So fällt die Titelheldin, die sterbenskranke
Kurtisane Violetta in augenscheinlich ehrliche Liebe zu dem jungen
Landadligen Alfredo, die beiden werden vom Vater Alfredos mit Liebesverbot
belegt, und die Versöhnung findet tragischerweise erst im Augenblick des
Todes statt. Die musikalische Welt dieser Helden aber ist die Melodie,
jene der "Begleitung" entgegengesetzte musikalische Sphäre, in der
Erleben, Gefühl und Leidenschaft ihren Ausdruck finden.
Hier stößt die Interpretation freilich an eine Grenze, an die Grenze
des Offensichtlichen. Musikalisch ist eine Analytik, die Nebenstimmen von
Hauptstimmen unterscheidet, bei Verdi nicht unbedingt ein Mittel, das
Offenbarungen erschlösse. Es bleibt zwar nicht bloß beim etwas kreidigen
Ton des Orchesters. Sylvain Cambreling hat seinen ganz besonderen Sinn für
Stimmen, für den formvollendeten Aufbau von Gesangsphrasen auch in dieser
Produktion walten lassen und damit den Sängern wie der Musik zu wirklich
schöner Entfaltung verholfen. Aber vielleicht sind die Phrasen bei Verdi
noch länger, ausschweifender, als Cambreling sie dachte. Oder anders
gesagt: Die Auffassung der Musik der "Traviata" als etwas, das aus Teilen
entsteht, ist zwar nützlich für die Proben, griffe in der Aufführung aber
kurz. Es entsteht ja in der "Traviata" nicht wirklich etwas aus den
Teilen. Eher ereignet sich etwas in unerklärlicher Natürlichkeit. Daher
die Rührung.
Warum ist es nun aber ein schöner Opernabend geworden? Das Schöne
entsteht aus dem wie unentschiedenen Nebeneinander mehrerer Möglichkeiten.
Musikalisch gibt es nicht nur das schlüssige Zusammenfügen der Teile,
sondern auch das, was im Italienisch des Melodramma "abbandono" heißt, das
Sich-Verlieren des Sängers an den Augenblick, an die Leidenschaft, an den
Sog der Phrasen. Das zeigt der in seiner Jugend schon vollkommen
großartige Tenor Jonas Kaufmann, der bei allem Sinn für die musikalische
Architektur die Figur des Alfredo mit baritonaler Force und kreatürlicher
Wucht in die Welt treten lässt. Und dann Christine Schäfer in der Rolle
der Violetta: Wenn man heute überhaupt noch das Wort vom "Künstler"
gebrauchen will, als einem Sänger, der unzugängliche Dimensionen des
Menschlichen auch für eine Öffentlichkeit erschließt, dann im Fall
Schäfers.
Anfang Mai wurde in dieser Zeitung beschrieben, wie sich in Anna
Netrebkos Manon Lescaut an der Staatsoper eine Stimme als
Projektionsfläche für das Publikum darbietet. Schäfer dagegen verbindet
Erfahrung mit Vergegenwärtigung. Sie bewahrt stets die Distanz dessen zur
Rolle, der die künstlerischen Mittel kontrolliert (welche Fülle an
Mitteln!) - und gibt sich der Rolle doch hin als an eine Existenzform, die
das Alltags-Ich übersteigt.
Christoph Marthaler zeigt Violetta von Anfang als krankes, hinfälliges
Wesen. Es ist also klar, dass im Vergehen der Zeit ein Problem liegt, oder
dass die Zeit drängt. Ob die Liebe zu Alfredo nun echt ist oder ein
Wunschtraum, das ist nicht zu unterscheiden. Das weiß vielleicht überhaupt
niemand. Sichtbar wird aber, dass die durch die Tuberkulose markierte Zeit
in der Liebe nun plötzlich aufgehoben ist. Marthaler hat die Ungewissheit
über die funktionale Wahrheit dieser Liebesgeschichte noch verstärkt durch
ein altbekanntes Theatermittel. Das Bühnenbild von Anna Viebrock zeigt
nämlich am Rande eines Festsaals wiederum eine Bühne. Fast scheint es, als
sei die Bühne die Welt der Liebe, während der übrige Raum dem Treiben der
Gesellschaft gehört. Die Inszenierung hält sich aber davon fern, hier eine
Theorie zu unterbreiten. Es kommt nur am Ende zu einem merkwürdigen
Kreisen der Welten. Violetta schickt sich an, auf einem Bett auf der Bühne
zu sterben, dann tritt Alfredo hinzu, dann sein Vater, es kommt zur
Versöhnung, und dann stirbt Violetta wirklich, aber vor der Bühne, in der
"wirklichen" herbstlich vermüllten Welt, während die Hinterbleibenden am
Bühnenrand erstarren, und eine Blume fallen lassen in dieses Grab, als das
die die Welt nun erscheint.
Berliner Zeitung, 23.06.2007 |
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| Diapason 9/2007:
On a retrouvé le cadavre de la Traviata |
La Traviata de Verdi
Paris, Palais Garnier, Le 16 Juin |
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Une salle des fêtes sordide, quelque part du
côté de Berlin dans les années 1970-1980. C’est dans ce décor unique que
Christoph Marthaler a placé la nouvelle Traviata de l’Opéra de Paris, ou,
plus précisément, ce qui en tient lieu. Car le spectacle auquel on assiste
ce soir n’a qu’un rapport très lointain avec Verdi, Piave et Alexandre
Dumas fils. Marthaler est l’homme d’un système depuis Katia Kabanova, en
passant par Les Noces de Figaro ou Tristan, c’est toujours la même
esthétique glauque, toujours les mêmes tics dramaturgiques qu’il décline,
avec le souci constant de tout rabaisser au niveau d’une réalité triviale
et dêprimante. De ce point de vue, mission accomplie, et de façon
magistrale, c’est incontestable. Du coup, peu importe sans doute que le
sacrifice de Violetta, transposé à l’époque de la libération sexuelle,
n’ait plus aucun sens. Sur scène, chacun joue le jeu avec la loyauté de
celui qui n’a pas le choix. Plus Blondchen ou Chérubin que Violetta,
Christine Schàfer tente d’imposer un personnage de femme enfant qui ne
fera qu’illusion. La valeur et le courage de l’artiste n’y peuvent rien
Anina a usurpé la place de sa patronne, Pauline Carton se prend pour Greta
Garbo. José Van Dam a bien tort de continuer à s’aventurer dans les
barytons Verdi; si le bronze a gardé ses reflets, où sont passés le
legato, la justesse, l’insolence du registre supérieur qui font les grands
Germont père ? Jonas Kaufmann a davantage de chance en Alfredo, même si
ses moyens le destinent désormais à des rôles plus dramatiques ligne de
demi-dieu, musicalité exemplaire, timbre à la fois sombre et riche,
présence superlative. Dans la fosse, en parfaite osmose avec Marthaler,
Sylvain Cambreling opère selon l’art d’un taxidermiste. A chaque instant
maître de ses intentions, il prend soin de disséquer le moindre membre de
la partition, d’en exposer les nervures, d’en détacher les organes. Plus
aucun sang ne coule dans ces veines, le teint est blafard, les chairs sont
déjà raides. Ce n’est pas La Traviata qu’on entend, c’est son cadavre.
E.D. |
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| Opera, September 2007: Paris |
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At the PALAIS GARNIER on June 24, Christoph Marthaler’s
staging was less a production and more a ‘correspondences’ guessing game.
By means of instantly recognizable and specific imagery (the famous
spotlight pose, the wig, the dress) he portrayed Violetta as Edith Piaf,
mid 1950s. Alfredo, sporting a floppy fringe, wide lapels and drainpipe
trousers, clearly represented Théo Sarapo, Piaf’s much younger second
husband. Violetta’s illness, and the sense that her glamorous milieu was
failing to give her the stability she needed, was signalled by fainting
spells, narcolepsy and bouts of mental absence—a reference to Piaf’s
addiction to morphine.
So far, so traviata. Here was a touching portrait of a fragile woman who
had suffered, and who was being offered a chance of happiness in the form
of a young lover. But Marthaler chose to muddy what might have been a
workable (just!) concept with typically jarring experiments in theatrical
tone. He encouraged some finely detailed, naturalistic acting from
Christine Schäfer and Jonas Kaufmann as the lovers; yet he instructed the
chorus to move with robotic twitchings and nervy shufflings, and placed
all the action—ballroom, countryside, bedroom—in a single, constraining
set designed to look like a run-down theatre stage and foyer (designs were
by Anna Viebrock). Yes, it was our old friend, the hoary ‘theatre-as-life’
metaphor so beloved of directors with nothing to say. What the chorus was
up to, I still haven’t a clue.
Amid so much theatrical flotsam, the petite Schäfer looked tremendous and
acted with gripping intensity. Vocally she didn’t prove to be an ideal
Violetta: her climactic top Cs and D flats sounded forced and insecure,
and her voice wasn’t large enough to carry the huge cry of ‘M’ami!’ in Act
2. Still, the creaminess of tone she displayed in the rest of the role
made up for much. Kaufmann was on much securer ground. Not only did he
look like the heart-throb Sarapo, he gave a convincing portrayal of a
gauche and utterly besotted youth, and sang with a commanding beauty of
tone. The same couldn’t be said of José van Dam (Germont père), who was
flat on several occasions, hoarse and barky for the rest, and appeared
stiff and awkward. To add to the general oddness of the evening, Sylvain
Cambreling’s tempos were the slowest—and I mean slowest—I’ve ever heard.
The violins had trouble keeping a warm tone and elegant sense of line at
such dirge-like speeds. Not surprisingly his curtain-call brought some
loud booing, as well as a few counter-cheers in his defence.
WARWICK THOMPSON |
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| Opera News, September 2007:
PARIS — La Traviata, L'Opéra National de Paris, 6/16/07 |
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For the "populated desert called
Paris" envisioned by Alexandre Dumas, the Opéra National entrusted Verdi's
La Traviata to controversial producer Christoph Marthaler and his designer
Anna Viebrock, in a performance (seen June 16) conducted by Sylvain
Cambreling.
La Traviata has suffered more than
its fair share of poor productions, in stagings that have relied heavily
on what Marthaler disparagingly describes as "Champagnen-realismus." The
juxtaposition of the nineteenth-century glamour of the Palais Garnier and
Violetta's terminal tragedy offers plenty of scope for a contemporary
designer, but Viebrock took her gloomy visual inspiration from the former
Kulturhaus in Karl-Marx-Stadt, now Chemnitz. This functional piece of
Communist architecture, with suspended neon lights, featured a useful
stage area for Alfredo's offstage lines in Act I, a workshop and laundry
in Act II, and finally Violetta's death bed. Marthaler sees Violetta as an
Edith Piaf figure, a variety singer who lived excessively and died a
physical ruin but an iconic myth. It almost works as an analogy, although
Piaf was never part of elegant salon society and still less a kept woman.
In the vestibule of the "Kulturhaus,"
we find a waif-like Violetta with a tight perm of gingered hair, tottering
uneasily on high heels and wearing the emblematic little black dress. Here
she meets the clumsy yet irresistibly handsome Alfredo, who is visibly out
of place in the company of Marthaler's mechanically twitching,
couture-clad partygoers. During the brindisi, it is not a glass of
old-fashioned champagne that they raise but their cloakroom tickets. The
ensuing love duet sounded like a doomed tryst, and even Violetta's "Sempre
libera" seemed to be delivered in the grip of tragedy.
The simple follow-spot used by
Piaf in her final concerts lit the fragile palms-on-dress figure of
Christine Schäfer, around whose remarkable gifts the production turned. In
Act I, it was hard for the soprano to play against the musical exuberance
of the score, but Cambreling kept frivolity and musical fizz to a minimum.
There is no questioning the sincerity of this rough, unsentimental
reading, but the conductor's detailed, near-Expressionist approach to the
score sounded ponderous. Schäfer could not disguise the fact that she
possesses neither the glittering coloratura for Act I nor the weight and
Italianate color of voice for the succeeding acts, but her pinpoint
intonation and girlish timbre succeeded on their own terms.
The biggest ovation of the evening
was reserved for the Alfredo of Jonas Kaufmann, whose portrayal of the
gangling youth was remarkable. He began Act II by repairing his lawn
mower, into which he sang most of his recitative; this convincing
naturalism was carried too far when the tenor sang what may have been an
excellent top C with his back to the audience. His increasingly baritonal
tenor sounded rich and powerful but seems destined for a different,
heavier repertoire. José van Dam was disappointing as a stern Giorgio
Germont. The great bass-baritone was ill advised at this stage to take on
this role, which would have been high for him even in his prime; despite
his sure musical intentions, the vocal result was embarrassing. Michèle
Lagrange seized on the opportunity to raise the profile of Annina — here a
very present and eccentric, bespectacled nursemaid. The indomitable Helene
Schneiderman, as Flora, buzzed around the stage in her white party dress
like a frenzied debutante, unconcerned that Alfredo's "gambling" involved
no game of any sort.
There was some predictable booing
for the production team and conductor at the final curtain. Despite the
meticulous and stimulating staging, this was a strangely unmoving
performance of an opera that has survived and triumphed under more routine
conditions.
STEPHEN J. MUDGE |
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| Opéra
Magazine, September 2007 |
| PARIS LA TRAVIATA Verdi |
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Christine Schäfer(Violetta Valéry) - Helene
Schneiderman (Flora Bervoix) -
Michèle Lagrange (Annina) -Jonas Kaufmann (Alfredo Germont) - José van Dam
(Giorgio Germont) - Ales Briscein (Gastone) - Michael Druiett (Barone
Douphol) -
Igor Gnidii (Marchese d’Obigny) - Nicolas Testé (Dottore Grenvil)
Sylvain Cambreling(dm) - Christoph Marthaler(ms) -Anna Viebrock (dc) -
Dorothee Curio (c) - Olaf Winter (l)
PALAIS GARNIER, 16 JUIN
Le
moins que l’on puisse dire, c’est que cette nouvelle production de La
traviata aura fait couler beaucoup d’encre et de salive, divisant la
salle le soir de la première entre salves d’applaudissements et bordées de
sifflets. Il est vrai qu’elle a tout pour hérisser le poil de nombreux
mélomanes et, en même temps, tout pour en subjuguer d’autres.
Comme dans Tristan und Isolde à Bayreuth, Christoph Marthaler et sa
décoratrice Anna Viebrock nous entraînent dans un espace tenant à la fois
de la salle des fêtes et de l’entrée de music-hall, violemment éclairé aux
néons, avec une vaste alcôve au fond sur la gauche et, comme pour Le
nozze di Figaro, déjà au Palais Garnier, un vestiaire avec sa rangée
de manteaux. Les coloris évoquent une fois encore l’ex-Allemagne de l’Est:
murs et rideau verdâtres, tentures marronnasses... Ce décor ne bougera
plus jusqu’au rideau final, l’alcôve servant successivement de garage pour
la maison de campagne de Violetta (représentée à l’avant-scène par une
simple chaise longue, une bouteille de champagne et des flûtes) et de
chambre mortuaire au III. Délibérément, l’époque n’est pas clairement
définie XX’ siècle, c’est sûr, mais rien de plus précis. Une certaine
ressemblance entre Violetta et l’Édith Piaf des années 1950 (cheveux roux
coupés très courts, petite robe noire) pourrait renvoyer à cette période,
mais les invitées à la fête chez Flora arborent des robes de haute couture
échappées aussi bien des années 1930 que 1980...
Pour le metteur en scène, de toute manière, l’important est ailleurs.
Comme l’indique la parenté avec Piaf (qu’il évite soigneusement de pousser
jusqu’au sosie, notamment en juchant Christine Schäfer sur des chaussures
aux semelles exagérément compensées, lui donnant une démarche complètement
différente), il veut nous raconter une histoire:
celle d’une femme, une artiste, que la maladie isole progressivement du
monde qui l’entoure. Rejetant cet univers factice de pantins désarticulés
(les mouvements saccadés des choristes pendant le Brindisi), elle cherche
le bonheur auprès d’un homme qui n’y appartient pas, avant de voir son
rêve s’effondrer et de mourir abandonnée de tous, sauf de son amant qui la
soulève dans ses bras au dernier acte comme Théo Sarapo portait Piaf
épuisée dans les films d’archives du début des années
1960.
Reconnaissons-le, Christoph Marthaler raconte très bien. Sa démarche est
d’une cohérence infaillible, de la première à la dernière note, et sa
direction d’acteurs est affûtée (ce qui n’était pas du tout le cas dans
Tristan), au dernier acte notamment, où la solitude de Violetta et le
désespoir d’Alfredo ressortent avec une vérité poignante. On reconnaît
aussi la patte d’un grand homme de théâtre dans certains détails de mise
en scène d’un effet fulgurant, notamment le recours à un halo de lumière
pour isoler Violetta de l’univers qui l’entoure à plusieurs moments clés («
Ah,fors’è lui », « Alfredo, Alfredo »). Mais voyons-nous La
traviata? Pour répondre à cette question, je recourrai délibérément à
la première personne car il est tout à fait possible de réagir à ce
spectacle d’une manière différente de la mienne.
Plusieurs choses m’ont manqué, et d’abord la dimension sociale du drame.
Violetta est une courtisane, tout dans le livret le dit. Rien, dans la
production de Marthaler, ne faisant explicitement référence à son statut
de femme entretenue, on comprend mal pourquoi sa liaison avec Alfredo
compromet le mariage de la soeur de ce dernier, surtout en plein milieu
d’un XX siècle généralement moins strict sur le plan de la morale.
Le fait qu’elle soit une prostituée, même de luxe, est à mon avis
indispensable à la compréhension de l’ouvrage. Or, c’est justement une
dimension que le metteur en scène refuse dans le « journal des
répétitions» de Jan Vandehouwe, reproduit dans le programme de salle.
D’autre part, le choix de nous plonger d’emblée dans un décor terne et
triste efface toute la thématique de la déchéance, bien présente chez
Verdi et Piave. La traviata, c’est une descente, une chute de la
richesse vers la pauvreté. Dans cette production, Violetta meurt aussi
anonyme qu’elle avait commencé, les signes de luxe placés par le metteur
en scène dans les deux premiers actes restant beaucoup trop discrets.
«Ce que j’aime chez Marthaler, c’est sa manière de ramener les scènes
d’opéra à des conversations d’ordre domestique », explique Christine
Schäfer dans le «journal » susmentionné. Moi, c’est précisément ce qui me
gêne, dans La traviata du moins, car j’avais adoré sa Katia
Kabanova.
Le moins que l’on puisse dire, c’est que cette nouvelle production de La
traviata aura fait couler beaucoup d’encre et de salive.
Même s’il s’inspire d’une histoire vraie et met en scène une courtisane et
non une reine ou une princesse, comme c’était le cas dans la plupart des
livrets au milieu des années 1850, La traviata est un opéra dont on ne
peut bannir, à mon avis, la dimension romantique, voire poétique. La soif
de pureté de Violetta et sa volonté farouche de racheter ses fautes
passées, le besoin éperdu d’idéal d’Alfredo, les hissent au-dessus du
quotidien et en font des figures archétypiques. Or, que voit-on ici? Une
Violetta ressemblant à une ouvreuse, comme j’en croisais tous les
dimanches au cinéma dans mon enfance, et un Alfredo se nettoyant les
ongles pendant le récitatif de «De’miei bollenti spiriti » pour en
retirer la crasse accumulée pendant qu’il réparait la tondeuse à gazon!
Difficile de faire plus poétique...
Ce qui m’agace, enfin, c’est ce qu’il faut bien appeler des tics,
récurrents chez Marthaler comme d’ailleurs chez la plupart de ses
confrères. Les mouvements saccadés d’automates des choristes pendant le
Brindisi que nous évoquions plus haut, les déhanchements des invitées
pendant le « ballet» des gitanes, la fille en bas résille prenant des
poses obscènes et vidant une bouteille de champagne pendant tout le
tableau chez Flora, ont un fort relent de déjà-vu. Sans parler de cette
manière de distraire le regard du spectateur de l’action principale en
l’attirant dans une autre direction. Comme Luc Bondy nous montrait un
moine astiquant le sol avec une serpillière au début du deuxième acte de
Don Carlos au Châtelet, Marthaler nous impose, à l’arrière-plan, les
contorsions d’un réparateur de tondeuse à gazon pendant tout le duo entre
Violetta et Germont!
Et la musique? Sylvain Cambreling a effectué un remarquable travail avec
l’orchestre, qui sonne compact et homogène, aussi bien dans le
fortissimo que dans le mumure. Sa direction à le mérite d’épouser le
rythme et les contours de la mise en scène, quitte à paraître trop lente
au premier acte, notamment dans le duo « Un di, felice, eterea »,
au tempo étiré jusqu’à l’insoutenable. Les choses s’arrangent au second,
avec un « Dite alla giovine» superbement soutenu par les cordes, et
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