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| Rossini: "Stabat mater", Stuttgart, 29.
März 2002 |
| Suttgarter Zeitung: Weigle im Beethovensaal -
Glückliche Hand |
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Eigentlich müsste man Publikumsjubel am
christlichen Feiertag für unangemessen halten. Der herzliche Applaus war
aber nicht nur Dank für ein schönes Karfreitagskonzert. Er galt auch dem
ersten Auftritt des Philharmoniker-Chefs Jörg-Peter Weigle nach seiner
Rücktrittserklärung. Ob von den für diesen Verlust verantwortlichen
kulturpolitischen Akteuren einer gekommen war, um zu beobachten, wie
souverän Weigle den chorsinfonischen Apparat in der Hand hielt, wie genau
er den Philharmonia-Chor und die begleitenden Stuttgarter Philharmoniker
anleitete, wie glücklich er die vier Solisten ausgewählt hatte? Kurz, um
zu kapieren, welch seriöser Musiker die Stadt verlässt?
Verdis zwischen 1887 und 1897 entstandene "Quattro pezzi sacri" waren
nicht als Zyklus gedacht und klingen auch nicht danach. Während das
komplexe "Ave Maria" für Chor a cappella eine geniale Anverwandlung alter
Traditionen ist, hört man beim "Stabat Mater" - mit Orchesterbegleitung -
Anklänge an das "Requiem". Der helle, reine Klang des Philharmonia-Chors
kontrastiert dabei reizvoll zur eher romantisch-dunklen Ausrichtung der
Philharmoniker.
Rossinis 1832 komponiertes "Stabat Mater" ist für Ohren, die an
Bach-Passionen zum Karfreitag gewöhnt sind, ein gewisses Problem. Der
Komponist, zur Entstehungszeit des Werks bereits Privatier mit großem
Abstand zum Musikbetrieb, hat die sakralen Anforderungen nicht ohne feine
Ironie umgesetzt. Aber wie die Solisten Mónica Guillén Chávez, Ursula
Ferri, Jonas Kaufmann und Locky Chung gemeinsam mit Chor und Orchester
unter Weigles Leitung musizierten, das vermittelte ungetrübte Freude. jha |
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Die Sehnsucht nach einer besseren Welt
Sternstunden bei der 25. Auflage der Dresdner Musikfestspiele |
| Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 22. Juni 2002 |
Von Dietrich Bretz
WAZ Dresden.
Gustav Mahlers Vorwurf, musikalische Traditionspflege sei oft Schlamperei,
brauchen sich die Dresdner Musikfestspiele bei ihrer 25. Auflage nun
wirklich nicht anzunehmen. |
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Längst hat das bedeutendste ostdeutsche Musikfestival den
Weg in die internationale Festspielszene gefunden. Aber der diesjährige
Reigen, der 120 000 Besucher und 5000 Künstler in 82 Veranstaltungen
zusammenführte, dürfte als Ruhmesblatt in die Annalen eingehen.
Nicht nur, dass Altes ausgegraben, Seltenes ins Blickfeld gerückt und
dabei die Interpretationslatte stets hoch angelegt wurde. Auch Neuem bot
das Festival ein Podium und schlug zudem in einer "Afrikanischen Nacht"
Brücken zu außereuropäischen Kulturen.
"Sehnsucht und Abschied" hieß das Leitthema, von Mythen und Märchen
inspirierte Kompositionen setzten die Akzente. So war der Orpheus-Mythos
in der Vertonung gleich zweier Komponisten, Monteverdis und Glucks, zu
erleben.
Marc Minkowski bot mit seiner phänomenalen Originalklanggruppe "Les
Musiciens du Louvre" in konzertanter Aufführung Glucks "Orphée et
Euridice" mit suggestiver musikalischer Überredungskunst. Dazu Solisten,
die der großen Liebes- und Todeselegie ungemein eloquente Sprachgewalt
gaben. Allein schon Richard Croft verlieh Kraft der Macht seines virtuosen
und zugleich expressiven Gesangs der Titelgestalt fast szenische
Bildhaftigkeit.
Zu einer Sternstunde gestaltete sich das konzertante Gastspiel der
Königlichen Oper Brüssel mit Berlioz' dramatischer Legende "La Damnation
de Faust". Bereits die Intensität, mit der Antonio Pappano das Orchestre
Symphonique de la Monnaie zu einer geradezu plastischen Gestaltung der
instrumentalen Höhepunkte der Partitur beflügelte, des Ungarischen
Marsches etwa oder der Tänze der Sylphen und Irrlichter, entfachte
Beifallsstürme.
Bei den Solisten hielt das Publikum förmlich den Atem an. Wann erlebt man
schon einmal einen solchen lyrischen Tenor wie Jonas Kaufmann, der vermöge
eminenter Technik die Partie des Faust höchst nuanciert formte. Wie er
wusste auch sein mephistophelischer Gegenspieler, der kraftvolle, in allen
Stimmlagen hinreißende José van Dam, durch beredte Gestik szenische
Darstellung gleichsam zu imaginieren.
Dass das Sehnen nach einer besseren Welt noch heute ein Motiv für die
Komposition sein kann, zeigte Siegfried Matthus' neues Klavierkonzert "Die
Sehnsucht nach der verlorenen Melodie".
Dramatisch zerklüftete, aggressive Tuttischläge korrespondieren mit
zarten, melodisch tastenden Passagen des Soloparts, die sukzessive auch
auf die anderen Instrumente im Orchester übergreifen. Ein plötzlicher
Aufschrei der Bläser beendet jedoch abrupt diese Entwicklung.
Kaum eine bessere Propagandistin hätte sich der Tonsetzer wünschen können
als die virtuos gestaltende junge Russin Elena Kuschnerowa. Von spürbarem
Engagement geprägt war auch das differenzierte Spiel der Dresdner
Philharmoniker, die unter Marek Janowski dem Auftragswerk den Weg ins
Rampenlicht der Konzertpodien bahnen helfen. |
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| Sächsische
Zeitung: Mitreißende Irrlichter,ein grandioses Gretchen |
| 25. Dresdner Musikfestspiele von Friedbert
Streller |
| Brüsseler Oper mit "Fausts Verdammnis"
umjubelt |
Eine der spannendsten Aufführungen der
Festspiele bot wohl das Gastspiel der Brüsseler Oper mit Berlioz "La
Damnation de Faust". Derart packend gestaltet war die Wiedergabe mit dem
Chor und "Orchestre Symphonique de la Monnaie" Brüssel - das Publikum
feierte die Mitwirkenden euphorisch. Der italienisch-englische Dirigent
Antonio Pappano, derzeit Chef des Ensembles und künftig am Londoner Covent
Garden, erfasste das Werk mit gestalterischer Plastizität. Alles war
deutlich akzentuiert, da brauchte man keine Szene. Die Höhepunkte von
Ungarischem Marsch, den Ballettmusiken der Sylphen oder der Irrlichter,
die Balladen und Chorszenen waren mitreißendst. Dazu hatte er ein
Solisten-Ensemble, wie man es sich besser nicht vorstellen kann. Alle
gestalteten ihre Parts auswendig, mit fast szenischer Gestik ihre Position
in der oratorischen Handlung markierend.
Herrliche Stimmen waren´s, klare, frische gestaltungsintensive.
Faszinierend überzeugte der Münchner Tenor Jonas Kaufmann als Faust, mit
Bravour den französischen Text deklamatorisch aussingend. Kraftvoll
baritonal, markant den Zyniker Mephisto kennzeichnend, fasste der Belgier
José van Dam, der Pariser Uraufführungs-Interpret der Titelgestalt von
Messiaens "Saint Francois d´ Assisi", den alles beherrschenden Mephisto.
Und mit der zwischen New York, Salzburg, Mailand gefragten amerikanischen
Sopranistin Susan Graham war ein Gretchen gefunden, das mit Stimme,
Erscheinung, Ausstrahlung und Gestaltung für diese Rolle geboren schien.
Der Engländer Henry Waddington ergänzte mit wohlgefälligem Bass als
Brander das Ensemble, das mit dem vorzüglichen Chor - was für ein
voluminöser Klang! - und Orchester bestens bestellt war. Der Beifall,
enthusiastisch aufbrechend, lang anhaltend. Spannend wurde die Aufführung
zudem, weil seit dem Wochenende an der Leipziger Oper eine bunt
spektakuläre szenische Umsetzung des Stücks läuft. |
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| Leipziger Volkszeitung |
| Oper
Brüssel bei Musikfestspielen bejubelt |
| Einen Tag nach der Leipziger Premiere gab's Berlioz' "La
Damnation de Faust" als Gastspiel des Brüsseler Théâtre de la Monnaie in
der Semperoper |
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Eine Sternstunde in Galabesetzung bei den
Musikfestspielen
Was für eine Stimme: Jonas Kaufmann ist ein lyrischer Tenor, wie es lange
keinen gab. Wie Balsam fließen ihm die Gefühle aus der Kehle. Zärtlich
schmeichelnd formt er die Spitzentöne, eine Spur Metall verleiht seinem
Forte eleganten Glanz. In jeder Lage beherrscht er jede denkbare
dynamische Abstufung. Und von all seiner beeindruckenden Technik merkt man
beinahe nichts. Weil er sie ganz in den Dienst der Musik stellt. Am
Sonntag adelte Kaufmann zu den Dresdner Musikfestspielen in der Semperoper
den Faust. Nicht den von Gounod, auch nicht den von Boito, sondern den von
Berlioz. Eben jenem, der Tags zuvor in Leipzig Premiere gefeiert hatte.
"La Damnation de Faust" an zwei aufeinander folgenden Tagen in beiden
sächsischen Musikmetropolen - da drängt sich der Vergleich nachgerade auf.
Wenngleich er hinkt. Denn es gibt mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten:
Die Dresdner bekommen ein hochkarätiges Gastspiel präsentiert (zur
"Damnation" ist die Brüsseler Oper mit Chefdirigent Antonio Pappano und
Mann und Maus angerückt) - die Leipziger sehen eine Eigenproduktion. Die
Dresdner hatten nur eine Chance - die Leipziger können ihren Faust in
dieser Spielzeit noch dreimal, in der nächsten öfter sehen. Und vor allem:
Die Dresdner bekommen nichts zu sehen. Jedenfalls kein Theater. Denn der
Festspiel-Faust ist konzertant.
Das macht es allen Beteiligten leichter, sich auf die Musik des großen
Berlioz zu konzentrieren. Und in dieser Beziehung ist in Leipzig kein
Kraut gegen den kostbaren Rausch an der Elbe gewachsen. Intendant Henri
Maier kennt zwar in Opernkreisen alles und jeden - aber eine Galabesetzung
wie die Dresdner kann er nicht bezahlen. Denn Kaufmann ist Erster unter
Gleichen. Marguerite erhält durch Susan Graham helle, verletzlich reine
Wahrhaftigkeit. Mephisto verleiht der große José van Dam Grandezza, Witz,
Dämonie, Brandner ist bei Henry Waddington bestens aufgehoben. Viermal
Weltklasse - Chapeau!
Auch das Orchestre symphonique de la Monnaie lässt sich nicht lumpen. Auf
der Bühne leuchten Farben, die im Leipziger Graben nicht zu hören waren.
Das liegt zum Teil an der Akustik, zum Teil aber auch am Brüsseler
Orchester, das sich diese Partitur unter dem exaltierten Pappano zur
Herzensangelegenheit macht. Das Gewandhausorchester spielt seinen
Opern-Berlioz anständig, die Brüsseler beseelen ihn.
Wie gesagt: Der Vergleich hinkt, und er ist unfair. Aber manchmal kann es
ganz hilfreich sein, sich auf dem Olymp umzuhören. Immerhin, und das ist
irgendwie beruhigend, hört man auch dem Monnaie-Chor an, wie schwer diese
Oper ist. Aber auch das hindert an diesem sonnigen Sonntag niemanden am
Jubeln: Für zehn Minuten reißt es das Publikum von den Sitzen. Nach einer
Sternstunde ist das recht und billig. Aber in Leipzig spielt das Theater.
Peter Korfmacher |
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| Oper Brüssel bei
Musikfestspielen bejubelt |
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Konzertante Faust-Aufführung in Dresden
Oper Brüssel bei Musikfestspielen bejubelt (dpa/sn)
Die Königliche Oper Brüssel hat am Sonntag bei den Dresdner
Musikfestspielen ein Fest der Stimmen zelebriert. Bei der konzertant
vorgetragenen Oper >>La Damnation de Faust<< (Fausts Verdammung) von
Hector Berlioz glänzten unter der Leitung von Antonio Pappano vor allem
die Stars Susan Graham (Marguerite), José van Dam (Mephistopheles) und
Jonas Kaufmann als Faust. Das Publikum jubelte am Ende eine Viertelstunde
im Stehen und geizte auch nicht mit Bravos. Die Aufführung in Dresden war
für die Belgier quasi die Premiere ihrer neuen Produktion. Ursprünglich
sollte der >>Faust<< erst nach der Premiere in der belgischen Hauptstadt
als Gastspiel an die Elbe kommen. Wegen technischer Probleme mit dem
Bühnenbild in Brüssel erhielt Dresden jedoch den Vorzug als Premierenort. |
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| OPERA NEWS, September 2002
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Those who believe that outstanding opera singers and stage personalities are
extinct were taught a lesson at a concert performance of Berlioz's La
Damnation de Faust at this year's Dresden Music Festival (June 2). José van
Dam treated every word and note of Méphistophélès as a precious gem; he shaped
and colored phrases so knowingly and insightfully that it seemed he and not
Berlioz had written them. The experience came close to operatic bliss. Not a
single note betrayed the fact that this grand seigneur of bass-baritones
is now in the fifth decade of his career. (He made his debut in 1961 in
Paris.)
Despite van Dam's artistry, when Susan Graham entered, she immediately
commanded the stage, seemingly without effort. It was impossible to take one's
eyes off her, even before she had sung a note. Her body language, her dreamy
facial expression, her whole bearing already seemed the essence of Marguerite.
Her first words ("Que l'air est étouffant!") soared like a fragile, deliciously
light breeze, as if emerging from the character's innocent yet troubled mind.
With all its gorgeous simplicity, the line seemed at the same time overshadowed
by dark foreboding. Similarly, with a delicate yet firm "Folie!" she dismissed
her dream of a happy future with Faust. Throughout, it felt as if Graham
actually lived her music; easily floating her voice on seemingly endless breath,
the mezzo sang in a natural, unpretentious manner while at the same time
artfully disclosing profound meaning in every word. No other singer comes to
mind who could equal Graham in her Fach these days. Not unexpectedly, she
transformed "D'amour l'ardente flamme" into a drama within the drama. It was a
strikingly intense rendering and the evening's highpoint, meticulously developed
from the slow opening soaked in dark gold to the hastened, breathless, delirious
ending.
Her Faust, German tenor Jonas Kaufmann, was not quite on this level. He is
handsome and a good actor, but vocally he never approached the heights of
Graham's and van Dam's interpretations. His piano phrases, particularly
in the upper register, were shaky and pinched, and top notes sounded flat and
lusterless. As Brander, Henry Waddington had plenty of stamina, if not sheer
beauty of tone. The Chorus of the Théâtre de la Monnaie sang marvelously, and,
under the baton of Antonio Pappano, the Orchestre Symphonique de la Monnaie
played brillantly, providing a shimmering backdrop for the soloists. (The
assembled forces went on to perform a staged version of this work at the Monnaie
in June; our review will appear soon.)
JOCHEN BREIHOLZ |
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Opera: Pencils do battle with Berlioz |
| By: By Richard Fairman |
| Published: Jun 10, 2002 |
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For the Brussels public these have been 10 good years.
Antonio Pappano's decade as music director of the Théâtre Royal de la
Monnaie has lifted the company high in the international opera rankings,
while he himself has risen to the top of the "most wanted" list of
conductors.
It has been a fruitful period of collaboration, which is now coming to an
end. The new production of Berlioz's La Damnation de Faust, which opened
last week, is Pappano's last in Brussels before he moves to take up his
new position at Covent Garden in the autumn. The press was there en masse,
the Belgians to bid him farewell, the British to see in advance what they
can expect in London.
Appropriately enough, this final production was like a souvenir brochure
of what the Pappano years in Brussels were all about - dynamic leadership,
strong musical values, celebrity singers in a couple of the key roles and
a producer with a big ego delivering his stock ideas regardless of
artistic sense. Let us be charitable and call it a "European" style of
production.
This will be Pappano's Achilles heel, if anything is. Nobody is likely to
take against a man who is so open and sociable, or a musician with his
all-round skills. Pappano is also one of those rare conductors who bonds
with singers and, with luck, his years at the Royal Opera will attract a
stream of vocal stars to London. But the artistic relationships he has
cultivated with producers look more problematical.
There is a certain kind of production that is everywhere in the northern
half of continental Europe: an empty stage, a heavyweight symbol or two,
and many little sillinesses to fill out the evening. This Damnation de
Faust, produced and designed and with lighting and costumes by Roland
Aeschlimann, was one of them, and it is not encouraging that it followed
an Aida by the American Robert Wilson that could have been its operatic
twin brother.
Berlioz described his version of Faust as a "légende dramatique", but it
has been staged at regular intervals since the end of the 19th century. To
justify pe rforming it as an opera, the producer needs to tap an
imagination as vivid as Berlioz's own. Aeschlimann seems to regard the
piece drily as a symbolic meeting of words and music: Faust spent his
opening solo fondling a gigantic pencil, while Méphistophélès arrived with
a double-bass which was trundled back and forth. The Hungarian March
became a miniature battle of the pencils, like something out of
Tchaikovsky's Nutcracker. At the end, Méphistophélès symbolically broke
the pencil in two. Oh, to have been given a gigantic rubber and erased the
whole production.
The singers mostly offered compensation. Susan Graham, sounding more like
a soprano every day, was a delectable Marguerite, light-hearted and fresh,
and singing in excellent French. José van Dam's once noble baritone is
slowly evaporating, but he does wonders with the dry remnants of it,
getting every word of Méphistophélès to cast a satanic spell. As Faust
himself, Jonas Kaufmann had little personality and his vocal solution to
the famously difficult duet with Marguerite came a cropper. Henry
Waddington was a strong Brander.
As always, Pappano presided over a performance of high musical standards.
There are other conductors who have a hotline to Berlioz's wild and
personal musical world, which he cannot claim, but everything he does is
alive and - more important - makes theatre. Pappano is an all-rounder who,
in his 10 years at La Monnaie/De Munt, has turned his hand to Verdi and
Wagner, Puccini and Strauss, Britten and Shostakovich, with equal success.
Brussels generously gave him the opportunity to mature as a conductor. He,
in turn, leaves the company on a high.
Copyright © Financial Times group |
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Das Lied von der Erde |
| Usher Hall |
| Susan Nickalls |
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THESE late-night musical night-caps at the Usher Hall are
fast becoming the hottest classical tickets in town. Mahler's Das Leid von
der Erde (Song of the Earth) was to be his ninth symphony, but instead the
superstitious composer gave a name to this symphony/song cycle hybrid,
producing one of the most enduring and haunting works of the 20th century.
Schoenberg's arrangement of the piece for chamber ensemble has become
equally popular over the years. This profound and intimate celebration of
nature and the human spirit was given an inspired performance by the
Edinburgh Festival Ensemble conducted by Garry Walker. Both tenor Jonas
Kaufmann and mezzo-soprano Alice Coote delivered these songs based on
eighth-century Chinese poems with clarity and brilliance. Kaufmann's more
boisterous drinking songs alternated with the contemplative and mellow
hymns to autumn sung by Coote. While the sparseness of the orchestral
textures in this acoustic did not always support the tenor voice because
of the orchestration, this didn't seem to matter in what was otherwise a
sublime performance. |
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The Spectator: Music in Edinburgh, Festival 2002,
Auszug |
| by Michael Tanner |
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| It was characteristic of this year’s Festival
that the first three song recitals should all be on the same day, six days
after the opening. In the evening we had Ian Bostridge singing Vaughan
Williams, Schubert and Faure, with Julius Drake and the Belcea Quartet,
very much the pallid intellectual interpreter, unsmiling, deadly serious,
purveying a continuous rather sickly intensity, varieties of pianissimo
his forte. An hour after his concert ended, Jonas Kaufmann, heartthrob of
last year’s Festival, bounded onto the stage and, with the marvellously
sympathetic accompaniment of Helmut Deutsch, gave an exhilaratingly
alfresco account of Die schoene Mullerin. He has a full, rich but fairly
small tenor voice, and if he continues to use it as sensitively as he has
done in Edinburgh, he should take his place among the ranks of major
German lyric tenors. |
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| Faust Symphony |
| MUSIC: Usher Hall |
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| WE HAVE the 19th century to thank for many things - great
municipal engineering projects, natural selection and the classical
concert tradition. It is through music that we glimpse the vastness of the
19th-century mindset. Lizst’s Faust Symphony, for example, is an ambitious
and uncompromising statement of self-belief and faith in the culture of
his time. To modern ears, its somewhat bloated proportions don’t really
inspire. The work’s three movements depict the main characters of Goethe’s
telling of the Faust myth: Faust himself, then Gretchen, and finally the
complex and fearsome persona of Mephistopheles.
The RSNO under the statesmanlike baton of Gennadi Rozhdestvensky made
an enormous noise, the heavy brass pumping big chords into the Usher Hall,
augmented at the end by the men of the Edinburgh Festival Chorus, tenor
Jonas Kaufmann and an electrically powered organ with eight huge
loudspeakers. But for all this brilliance the concert was ideologically
un-moving. Beethoven’s Overture The Ruins of Athens ended just as it
seemed to get going and Lizst’s Fantasy on the same theme with Victoria
Postnikova on pyrotechnic piano again gave us virtuosity but little else.
Martin Parker |
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| Jonas Kaufmann
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| Martin Parker |
| MUSIC: Usher Hall |
THE best way to tell if an audience is on your side is to
make a mistake. If they sit in stony silence then you’ve lost them; if
they applaud, you’ve got them hooked. Jonas Kaufmann swapped a verse
around mid-way through Schubert’s Die schöne Müllerin on Saturday night,
asked for our forgiveness and was rewarded with a laugh and a clap, and he
had us in the palm of his hand.
While Kaufmann captivated with his beguiling upper register, his
accompanist, Helmut Deutsch was cleverly mesmerising us behind the scenes,
supporting Kaufmann like an older, wiser butler. He was certainly in
charge of interpretation - while Kaufmann sings like an ardent youth,
Deutsh contributes authority and understanding and they make a great duo.
Schubert’s setting of Wilhelm Müller’s text, The Miller’s Daughter,
divides an hour into 20 songs. The initial songs are charming but the
idyll soon becomes strained as the complexities of lust and love envelope
the narrator. Kaufmann’s singing delighted us. Playing with light and
shade and on the edge of earnest yearning the spellbinding atmosphere in
the hall was thanks entirely to Kaufmann’s charm and his compatibility
with Schubert’s intentions. |
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| Kein holdes Weib |
| Stuttgarter Zeitung, 03.09.2002, von Stephan
Turowski |
| Rilling dirigiert Beethovens "Fidelio" in der
Liederhalle |
"Wären
Liebende heute bereit, für den Geliebten zu sterben?" In seinem neulich
erschienenen Essay "Plädoyer für den Liebestod" hat Norbert Kron von einer
aktuellen Krise des Liebesromans gesprochen. Der herrschende,
marktwirtschaftlich gelenkte "Beziehungspragmatismus", der alles, auch den
Seitensprung, dulde, mache es zunehmend schwierig, über große Passionen zu
schreiben und zu sprechen; der traditionelle Liebesroman wie Tolstois
"Anna Karenina" habe noch nach dem Muster funktioniert: "Große,
leidenschaftliche Liebe läuft den Normen des bestehenden Sittengesetzes
zuwider und ist deshalb zum Scheitern verurteilt."
Aus dieser Sicht ist Beethovens Konzept der Liebe in seinem "Fidelio", den
Helmuth Rilling in Ernst Poettgens halb szenischen Fassung im
ausverkauften Beethovensaal präsentierte, eine Utopie ganz eigener Art.
Denn eine Figur wie Leonore erfüllt das so genannte Sittengesetz gerade
dadurch, dass sie grenzenlos, gegen alle (Geschlechter-)Konventionen,
lieben und darauf bestehen kann, mit dem Geliebten zu leben - und sich
nicht für ihn opfern zu müssen.
Poettgen hat versucht, diese im Kern unkonventionelle Geschichte
unkonventionell zu erzählen, indem er alle gesprochenen Dialoge gestrichen
und sie durch Zwischentexte ersetzt hat, die von einem Chronisten-Paar als
eine "Chronologie in Dokumenten" erzählt werden. So sollte die Bühne wohl
als ein dezentrierter Raum greifbar sein, mit den beiden Erzählern auf
einem erhöhten Podest ganz rechts, einem in der Bühnenmitte - hinter dem
Orchester - für Ensembleszenen der Sänger und zwei im Vordergrund für
Soloszenen oder Duette.
Dieses Konzept ging nicht auf. Denn die Zwischentexte Poettgens, die das
Geschehen anhand fiktiver Dokumente oder Tagebuch-Fragmente aus der Sicht
von Rocco und Marzelline sachlich bis perspektivisch darstellen sollten,
hatten den paradoxen Effekt, dass die meisten Sänger, räumlich voneinander
isoliert, in eine Rampen-Gestik verfielen, die an schlechte Operngalas
erinnerte. Amanda Mace, die Leonore des Abends, sank bereits bei ihrer
ersten großen Arie "Abscheulicher! Wo eilst du hin?" in die Knie. Ein
Pathos, das als Engagement sympathisch wirkte, das der Unerbittlichkeit
und Strenge der Liebe Leonores aber durch Affektverdoppelung nicht näher
kam, zumal Mace bei leuchtenden Phrasen wie "Die Liebe wird's erreichen"
forcieren musste und dadurch die Hornlinien in den Hintergrund drängte.
Dabei hätte eine moderne konzertante Aufführung wie diese die Möglichkeit
geboten, einmal das Orchester als eigenständigen Faktor in den Vordergrund
zu stellen, in Anlehnung etwa an einen Gedanken Wolfgang Rihms, der 1986
in einem Zeitungsartikel betont hatte: "Die rituelle Energie eines oder
mehrerer Menschen im Akt der Klangerzeugung ist Theater-Potential, das im
Orchestergraben ungenutzt abfließt, verloren geht. Der Klang ist Akteur,
seine Hervorbringung kann komponierte Aktion sein, Handlung."
Rilling und das Orchester wurden dagegen ins Halbdunkel verbannt, das
besonders die Bläser des Festival-Orchesters über weite Strecken zu
zögernd und unauffällig agieren ließ, zu wenig ermuntert und hervorgelockt
von Rilling, der an einem hauptsächlich pauschalen und homogenen Klangbild
interessiert schien. Das aber reicht nicht für magische Momente wie den,
als Leonore auf Geheiß des Ministers ihrem Florestan die Ketten löst - und
Beethoven diesen unvergesslichen Augenblick sich zuerst in den Oboen und
Flöten vollziehen lässt: Wenn solche Passagen - wie auch die zu hell und
leicht genommene Einleitung zum Quartett im ersten Akt - nicht
überwältigend musiziert werden, wirken sie wie nicht gespielt.
Dass es anders geht, zeigte Rilling in der Einleitung zu Florestans großer
Arie "Gott! Welch Dunkel hier!", die vom Abgrund gezeichnet war, mit
scharfen Akzenten in Holzbläsern und Hörnern. Dass es an dieser Stelle im
Orchester drastisch genug zuging, hatte Rilling vor allen Dingen der
Ausstrahlung des Tenors Jonas Kaufmann zu verdanken, der, neben Sibylla
Rubens als Marzelline und James Taylor als Jaquino, als einziger Solist
internationalen Ansprüchen genügte. Vom anfangs gehauchten "Gott!" bis zur
manisch suggestiven Vision des Engels "Leonoren, der Gattin, so gleich"
überzeugte Kaufmann durch eine fundierte Stimme, die nie Moment
angestrengt wirkte. Dietrich Henschel, vor der Aufführung als indisponiert
entschuldigt, wirkte als Pizarro zu leicht im Gestus, während Franz-Josef
Selig den Rocco eher zu schwerfällig und ohne Witz präsentierte. |
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| "Fidelio" zur Halbzeit
aufgeführt |
| Oper wurde "in einer neuen, wissenschaftlich gesicherten
Version" vorgestellt / Original Notentext |
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Bei einem Festival, das die 175. Wiederkehr des
Todestages des Komponisten am 26. März dieses Jahres zum Anlass nimmt, ihn
und sein Werk in den Mittelpunkt zu stellen, bei dem seine sämtlichen neun
Sinfonien innerhalb vor elf Tagen erklingen, viele Sonaten und
Streichquartette sowie sein Leben in Briefen und Dokumenten vorgestellt
werden, darf selbstverständlich dessen einzige Oper auch nicht fehlen. Die
Rede ist von Ludwig van Beethoven, dessen "Fidelio" jetzt zur Halbzeit des
diesjährigen Europäischen Musikfestes im Beethoven-Saal der Stuttgarter
Liederhalle aufgeführt wurde. Das Besondere an dieser Präsentation war
"Fidelio" in neuer Gestalt - und das in doppelter Hinsicht.
Zum einen wurde die Oper "in einer neuen,
wissenschaftlich gesicherten Version" vorgestellt, "die den originalen
Notentext wieder herstellt". Dabei wurden keine neuen Arien oder Ensembles
entdeckt, wohl aber "zahlreiche Details der Dynamik, des Klanges, der
Orchesterbesetzung und auch ganz konkret in den Tönen" gegenüber "der
bisher bekannten, in den gedruckten Partituren verbreiteten musikalischen
Gestalt" verändert. Grundlage war dabei eine "gründliche Erforschung der
musikalischen Originalhandschriften." Dazu bedurfte es einer
Rekonstruktion der "Leonore", der älteren Fassung des "Fidelio", die "1814
die Grundlage für Beethovens letzte Revision seiner Oper" und damit "die
Voraussetzung für den neuen ,Fidelio'" war.
Zum anderen wurde der "Fidelio" in Stuttgart mit
neuen Zwischentexten vorgestellt. Glaubte vor Jahren Walter Jens, der
emeritierte Tübinger Professor für Rhetorik, dem Kerkermeister Rocco zu
seiner Aufgabe als Sänger auch noch die eines Erzählers aufbürden zu
müssen, der die Geschichte im Rückblick zum Besten gibt, so meinte jetzt
Ernst Poettgen, der ehemalige Professor an der Staatlichen Hochschule für
Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, die ursprünglichen Dialoge durch
eine "Chronologie in Dokumenten" ersetzen zu müssen. Doch beide
Professoren irrten bei ihren Versuchen, die gewiss angreifbaren Texte von
Joseph Sonnleithner und Friedrich Treitschke durch vermeintlich Besseres
ersetzen zu können.
Hatte das erste Unternehmen zur Folge, dass ein
Sänger die Partie bestreitet, die Ludwig van Beethoven vertont hat und,
dass ein Sprecher die Texte spricht, die ihm Walter Jens in den Mund
gelegt hat, wobei sich dieser Sprecher als ständig retardierendes Element
der Aufführung erwies, weil er immer wieder die Musikdramatik des
Geschehens unterbrach, so war das zweite Unternehmen im Ergebnis
keinesfalls besser, nur anders. Ernst Poettgen präsentierte "fiktive
Beweisstücke, recherchiert und zusammengetragen für einen möglichen
Gerichtsprozess". Diese angeblichen Dokumente aus Sevilla in den Jahren
1793 bis 1795 sind Kommentare zu dem Geschehen und werden von zwei
Sprechern (Tobias Grauer und Ulrike Möller) vorgetragen und -gelesen,
wobei sie in einem Fall sogar noch mit Musik unterlegt sind oder über
diese hinweg gesprochen werden. Zusammen mit der vermeintlichen szenischen
Realisierung, für die ebenfalls Ernst Poettgen verantwortlich zeichnet,
sind diese überflüssigen, neuen, keine neuen Dimensionen des Musikdramas
eröffnenden Texte jedoch das schwächste Glied der Aufführung.
Was das so genannte "Konzert in Szene" betrifft, ist
es von vornherein ein Zwitter, weder Fisch noch Fleisch. Wenn der Berliner
Musikschriftsteller Ernst Krause einmal meinte: "Das Seelendrama
'Fidelio', spielt sich gewissermaßen zwei Mal ab, sichtbar auf der Bühne,
hörbar in der Musik", so trifft das auf den "Fidelio" im Rahmen des
Europäischen Musikfestes Stuttgart keinesfalls zu. Was sich da auf drei
Podesten auf der Bühne, rechts, links und hinter dem Orchester und dazu im
Hintergrund, wo der Chor platziert ist, ereignet, das hat mit
musikdramatischer Rollengestaltung nicht entfernt etwas zu tun, wenn etwa
Leonore mit einer Pistole herumfuchtelt, Marzelline mit dem Staubtuch
wedelt, Rocco einen Spaten in der Hand hat, die Choristen vor den Don
Fernando auf den Knien liegen oder was es noch an Andeutungen eines
Spieles zu sehen gibt. Dann lieber eine konzertante Aufführung im Frack
und Abendkleid als diese Spielereien, zumeist in schwarzen Hosen und
Blusen!
Von ganz anderem Kaliber und in jeder Beziehung
grandios ist dagegen die musikalische Deutung des neuen "Fidelio" von
Helmuth Rilling mit dem Festival Chor und Orchester. Und auch die Solisten
- Amanda Mace (Leonore), Sibylla Rubens (Marzelline), James Taylor
(Jaquino), Markus Eiche (Don Fernando), Dietrich Henschel (Don Pizarro),
Franz-Josef Selig (Rocco) und vor allem Jonas Kaufmann (Florestan) -
können gefallen. Dieter Schnabel
© Fränkische Nachrichten – 04.09.2002 |
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| Beethoven: Fidelio,
Bonn, 14. September 2002 |
| Kölnische Rundschau: Seelendrama |
| Der konzertante "Fidelio" überzeugte beim
Beethovenfest |
| von FELICITAS ZINK |
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BONN. Der Ruch des Unerhörten wehte vom
Neckar herüber an den Rhein. Denn die konzertante Aufführung des "Fidelio"
op. 72, von Ernst Poettgen 2002 als "Konzert in Szene" gesetzt, stellt dem
Ensemble zwei Sprecher (Ulrike Möller und Tobias Grauner) zur Seite, die
in "fiktiven Beweisstücken" in Sevilla zwischen 1793 und 1795 die Handlung
einbetten. Die Dialoge der Librettisten Joseph Sonnleithner und Georg
Friedrich Treitschke wurden dadurch ersetzt.
Bei der Aufführung in der Beethovenhalle unter Helmuth Rilling gewann man
mehr und mehr den Eindruck, dass gerade durch die Straffung und völlige
Loslösung der gesprochenen Texte von Gesang und Zwischenmusiken die
Konzentration hingelenkt wurde in Richtung des viel beschworenen
"Seelendramas" in Beethovens Musik. In der Tat war diese Aufführung
spannender als manche inszenierte. Zu Recht gab es Standing Ovations am
Ende, auch für das überragende Solistenensemble. Allen voran Jonas
Kaufmann als Florestan und Amanda Mace als sein treues Weib Leonore,
Franz-Josef Selig als Kerkermeister Rocco, Sybille Rubens als Marzelline.
James Taylor war Jaquino und Markus Eiche überzeugte als Don Fernando
neben Dietrich Henschel, der nicht nur in seiner Rachearie als Don Pizzaro
Format zeigte.
Vor einem Jahr hatte Helmuth Rilling die in Hochform singende und
spielende Formation "Festival Chor und Orchester des Europäischen
Musikfestes Stuttgart" gegründet. Auswendig dirigierte er die nach 140
Jahren erstmals überarbeitete Partitur. Sie berichtigte zahlreiche
Details. Die im Bonner Beethovenarchiv revidierte Fassung führte jedoch
kein radikal neues Klangbild vor. Voran stand die traditionell gespielte
Ouvertüre von 1814.
Rilling, der sein Dirigat auf die Sänger ausrichtete, ging sensibel auf
klangliche Schattierungen des Orchesters und dynamische Abstufungen ein.
Daher verwunderte angesichts dieses gewaltigen Ringens um Klangbalance,
dass den Sängern mitunter zugemutet wurde, auf Orchesterhöhe über das
ganze Ensemble hinwegzusingen, was nicht immer ohne Auswirkung auf den
Gesamtklang blieb. |
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| Fierrabras, Nov. 2002, Vorstellung 22.
November 2002 |
| OPERA NEWS, March 2003 Copyright © 2003 The
Metropolitan Opera Guild, Inc |
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Fierrabras (from 1823, the period of Die
Schöne Müllerin) is the third opera by Schubert produced during Alexander
Pereira's reign at Zurich's Opernhaus. Heard November 22, the
well-received production proved strikingly intelligent, redeeming
Fierrabras's much-criticized libretto (by Josef Kupelwieser, Schubert's
close friend) through a multi-layered staging that placed Schubert himself
at the center.
In a beautiful Biedermeier parlor (designed by Christian Schmidt),
Schubert is discovered at a huge fortepiano -- he is dwarfed by the music
he is composing. Fierrabras becomes an amateur performance, in which
Schubert distributes roles to his friends, depicted much as they are in
Moritz von Schwind's famous drawing of a Schubertiade.
Thus the conflicts of the plot become Schubert's private conflicts. This
approach permits smiling acceptance of the naïveté of the story,
concerning romantic entanglements during Charlemagne's war on a Saracen,
Boland. Boland's son, Fierrabras, loves Charlemagne's daughter, Emma, who
tries to escape with Eginhard, one of Charlemagne's knights; meanwhile,
Roland, Charlemagne's commander, loves Florinda, Boland's daughter. At
last, Fierrabras yields, then joins Charlemagne's Christian army --
suggesting that a male community, based on comradeship, may be the
alternative for people like Schubert, always a loser in love.
Klaus Guth's sophisticated production emphasized the Romantic yearning for
friendship and love in the Age of Chivalry, contrasted with the stifling
petit-bourgeois reality of post-Napoleonic Vienna. Though Guth strictly
condensed the opera's spoken texts and drama, the music was given free
rein by conductor Franz Welser-Möst, an ardent Schubertian, and his superb
orchestra. Welser-Möst accompanied the soloists (mostly young singers) and
busy chorus with the loving care, grace and subtlety of a lieder-pianist,
without shying from the orchestral storms (in which Schubert clearly
anticipates Wagner). This reading had weight, grandeur and dramatic
impact, as well as heartwrenching lyrical outpourings.
As Fierrabras, Jonas Kaufmann delivered an entirely sympathetic
performance, utilizing his charisma, his warm, sizable and flexible tenor,
and intelligent, elegant delivery and bearing. As Schubert's
father/Charlemagne, Gregory Frank (replacing the indisposed Lászlo Pólgár)
displayed a voluminous bass voice and a commanding, truly imperial
presence. Rolf Haunstein squeezed the role of Boland for every drop of
bloodthirstiness and intransigence. Newcomer Christoph Strehl (Eginhard),
with a tenor of melting beauty, was wonderfully tender in his A-minor
serenade, while Michael Volle (Roland) proved himself once again the
full-blast baritone pillar of Zurich's ensemble.
Both leading ladies were somewhat less impressive. However, Liuba
Chuchrova's Florinda plucked the heartstrings while pouring out her
innermost feelings; Joanna Kozlowska was a touching Emma.
Wolfgang Beuschel, a respected actor and singing coach, played Schubert.
Though he spoke only rarely (texts drawn mostly from the libretto), he
remained present throughout the performance. Shy, completely absorbed in
his work, he was precisely as one imagines Schubert to have been.
HORST KOEGLER |
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