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| Goodman: The Audition, München 8. November 1992 |
| Süddeutsche
Zeitung: Grosses Vergnuegen. Goodmans Mini-Oper The Audition |
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In den vierziger und fuenfziger Jahren haben Musiker in
den USA, z.B. Menotti, Hindemith, Weill, eine besondere Form von Opern
entwickelt, die viele Vorzuege aufwiesen: Sie waren kurz, fuer begabte
Studenten durchaus zu meistern, und es machte Freude sie zu studieren und
aufzufuehren. Schliesslich: Es war ein Vergnuegen sie zu hoeren.
Alles dies trifft gluecklicherweise auf Alfred Goodmans Mini-Oper The
Audition zu, die, kaum zu fassen, am Sonntag abend hierzulande zum ersten
Mal aufgefuehrt wurde. Goodman, geborener Berliner, Emigrant in England
und in den USA, lebt seit langem wieder in Deutschland, in Muenchen. Er
ist ein Profi durch und durch, hat am Broadway Shows arrangiert, war fuer
beruehmte Big
Bands taetig, schrieb Buehnenmusiken und hat noch mit fuenfzig Jahren
seinen Doktor gemacht.
The Audition entstand 1948, das Libretto schrieb Elliott Arluck, die
deutsche Fassung der Comedian Harmonist-Gruender Harry Frohman. Das
Werklein wurde von der Ohio University prompt preisgekroent und hat es
verdient. Die Mini-Handlung: Alternder Schauspieler will partout eine
Liebhaberrolle spielen, und als sich eine gescheite Frau ein bisschen in
ihn verliebt, fuehlt er sich geschmeichelt und uebernimmt doch die zuvor
abgelehnte Rolle des Vaters. In weiteren, kleinen Partien eine Kollegin,
ferner der Regisseur, der Theateragent, ein Offizier. Eine psychologische
Studie im Taschenformat.
Aber gemach. Goodman staffiert seine normal besetzte Orchesterpartitur mit
so viel luftiger, teils melancholischer, teils sanft gepfefferter Musik
aus, dass man sich keine Minute langweilt. Viel Parlando, bisweilen ariose
Ausweitungen mit uebersehbaren Melodieboegen - grosses Vergnuegen an
kleiner Oper. Das schmeckt ein bisschen nach Hindemith, Prokofjew schaut
kurz herein, die
Rhythmen der Zeit von damals geben ihre Wuerze hinzu und damit fuer
heutige Hoerer auch ein bisschen Nostalgie.
Nun war Raimund Grumbach ein souveraener, locker singender und mit
gestischen Andeutungen sehr ueberzeugender Schauspieler (so der deutsche
Titel), die muetterlich klug liebende Wirtsfrau sang Alexandra Petersamer
mit schoener warmer Mezzostimme. Sie und die anderen Saenger sind (noch)
Studierende der hiesigen Hochschule und gaben vor der konzertanten Oper
eine Art Belcanto-Vorspiel mit Mozart-, Verdi- und Bizet-Arien: die
Sopranistin Sabine Sommerfeld; der sehr leicht und flexibel singende Tenor
Jonas Kaufmann; der wohltoenende, noch zu kraeftigende Bassbariton Alfred
Reiter sowie der leicht angestrengte, aber ausdruckstarke Juergen Fersch.
Ihr Praesident Cornelius Eberhardt empfahl sich als umsichtiger und alle
Dirigierklippen eines Opern-Musical, zumal mit Non-Profis, gluecklich
umschiffender musikalischer Leiter; das Rundfunkorchester machte alles
vergnuegt mit und war um Wohlklang bemueht. Beifall fuer alle sowie fuer
den gluecklichen Autor. Warum spielt The Audition kein junges Ensemble
sofort nach? ALBRECHT ROESELER |
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| Kein Ort für Stilpuristen |
| Enoch zu Guttenberg dirigiert Bachs
Matthäus-Passion |
| Frankfurter Allgemeine Zeitung |
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Viele Frankfurter Musikfreunde erinnern
sich noch an Enoch zu Guttenberg. Der Gründer (1967) der Chorgemeinschaft
Neubeuern war von 1980 bis 1988 Leiter des Cäcilienchors und sorgte hier
für einige Aufregung durch unkonventionelle Bach-Interpretationen, mit
denen er ungewöhnlich dramatische Akzente setzte. Seine künstlerische
Außenseiter-Position war ehrenwert und gewichtig genug, um vielfältige und
kontroverse Diskussionen in der Fachwelt auszulösen. Daß sein Nachfolger
Christian Kabitz diesen Weg nicht weiterschreiten würde, war allen klar.
Guttenberg ist längst entschwunden, hat aber gewissermaßen noch einen
Koffer in Frankfurt, denn er wird regelmäßig vom Konzertveranstalter
Helmut Pauli eingeladen, im Rahmen der "Wiener-Klassik"-Konzertreihe in
der Alten Oper zu konzertieren. Zwar hat Bach mit der Welt Haydns und
Mozarts nicht allzuviel gemein, doch verschieben sich in der Art, wie
Guttenberg sich der Matthäus-Passion annimmt, Stilkategorien ohnehin.
Die Merkmale seiner Aufführung fügen sich nur schwer zum einheitlichen
Bild. Guttenberg setzt auf Kontraste, die manche vielleicht als
Geschmacksgrenze empfinden, die sich musikalisch aber auch unter
seriösesten Maßstäben immer rechtfertigen lassen. Der Tonfall ist
einerseits romantisch verschleiert, andererseits impulsiv, von opernhaft
zugespitzter Dramatik und voller Akzentuierungen, die schmerzlich
bildhafte Vorgänge der Leidensgeschichte Jesu durch Hervorhebung
dissonanter Durchgänge in den Vordergrund rücken. Manche Rezitative
dagegen erhalten einen Hauch von Originalklang-Praxis durch Verwendung
eines trocken-silbrigen Gambenklangs. Andere Stellen der Partitur steigert
Guttenberg, als dirigiere er Puccini in der Arena di Verona.
Gewiß: Das war kein Abend für Stilpuristen und vielleicht auch keine
akzeptable Sicht für tiefgläubige Menschen, die wahrscheinlich ohnehin die
Kirche als Aufführungsort bevorzugen würden. Das alles ändert aber nichts
daran, daß Guttenbergs so heterogene Elemente zusammenzwingende Darbietung
zu einer der spannendsten und kurzweiligsten Aufführungen dieses mehr als
dreistündigen Riesenwerks wurde. Daß sie den Stempel der Genialität eines
krassen Außerseiters der Bach-Exegese trug, kann und soll kein Manko sein.
Daß von ihr passagenweise ein so faszinierender Sog ausging, wäre ohne das
Musizieren auf hohem Niveau kaum möglich gewesen. Die erst 1992 gegründete
Kammerphilharmonie des Mitteldeutschen Rundfunks Leipzig nahm Guttenbergs
Impulse - von minimalen Irritationen abgesehen - ebenso auf wie der
bestens eingestimmte professionelle Chor des MDR, der vom Kinderchor des
Senders tatkräftig unterstützt wurde. Wesentlich uneinheitlicher dagegen
das Solistenensemble: Die großartigste Leistung ging von dem Baß Thomas
Quasthoff aus, der sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr zu einer
führenden Sängerpersönlichkeit entwickelt hat. Sein unverwechselbarer
gestalterischer Umgang mit dem spezifischen Ausdrucksgehalt des gesungenen
Textes war ein Pluspunkt auch dieser Aufführung, den man nicht missen
möchte.
Angenehm zu hören war das leichte, offene Tenor-Timbre des Evangelisten
Ludwig van Gijsegem, das nur gelegentlich an Ausdrucksgrenzen stieß. Um so
mehr fiel das opernhafte Outrieren des Arien-Tenors Jonas Kaufmann ab, der
nach seinem indisponiert vorgetragenen Rezitativ "O Schmerz" allerdings
mehr Vorsicht walten ließ und sich so besser in den Ensemblegeist fügte.
Dietrich Henschels Bariton verlieh der Christus-Partie die Sonorität eines
souveränen Weisen. Von den Damen überzeugte die Magdeburger Altistin
Ulrike Helzel vollkommen, während der etwas flackernde Sopran Edith
Lienbachers leichte Unsicherheit verriet. An dieser Aufführung der
Matthäus-Passion gäbe es noch manches zu diskutieren. Daß sie ein
Glanzlicht im Frankfurter Kulturleben war, werden auch jene eingestehen,
die mit Guttenbergs Auslegung unzufrieden sind. HARALD BUDWEG
Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main |
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| SKJ 6/1995: Und er sticht nicht! |
| Kritik zur Aufführung von »Cyrano de Bergerac« |
| im Staatstheater Saarbrücken |
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Am 22. Oktober erlebte das Musical »Cyrano de Bergerac«
in Saarbrücken seine Uraufführung. Es basiert auf dem gleichnamigen
Schauspiel von Edmond Rostand von 1897, immer noch eines der
meistgespielten Stücke der Welt. Bühnenbild und Kostüme hat sich das
Staatstheater beim Theater des Westens in Berlin besorgt, wo man bereits
versucht hatte, aus dem Stück ein Musical zu machen – mit sehr mäßigem
Erfolg. Die Ausstattung allerdings ist allererste Sahne. Selten sah ich in
Saarbrücken ein so hervorragend gemachtes Bühnenbild, und die Kostüme sind
Spitze. Die schauspielerische Leistung konnte sich sehen lassen, und die
meisten Sänger sich hören, besonders Jessica Blume als Roxanne und Jonas
Kaufmann als Christian.
Aber das war's dann auch. Hauptdarsteller Hartmut Volle spielte absolut
überzeugend, hervorragend, lotete die Facetten der Figur aus (soweit ihm
die Regie dies gestattete), war stimmlich jedoch allzuoft überfordert. Die
Fechtszenen sind allenfalls Mittelmaß. Wie enttäuschend und schlecht
choreographiert der Kampf gegen die berühmten 100 Mann! Langweilig und
lahm schon das erste Duell mit dem berühmten Spruch »Denn beim letzten
Verse stech' ich«. Da stach nichts, da fehlte der Drive, der Biß – wie
beim ganzen Stück. Vielleicht hätte sich Regisseur Gerhard Weber vorher
überlegen sollen, wo er mit der Inszenierung hin will. Die bei Rostand
angelegten komischen Szenen kamen meist zu lau, zu lahm, der bei ihm und
vor allem Cyrano selbst vorhandene kritische Biß, die Satire wurden
höchstens mal angedeutet, von (Selbst)Ironie keine Spur... Doch all dies
wäre nötig gewesen, um die Längen des Stückes erträglich oder gar angenehm
zu machen - oder aber gründliche Kürzungen. Ich kann doch ein Stück vom
Ende des 19. Jahrhunderts nicht einfach bieder runterspielen! So machte
sich immer wieder Langeweile brei
Und dann die Musik - und die banalen Texte von Wolfgang Adenberg! Leonard
Bernstein hat einmal gesagt, das Musical befinde sich in einer Situation
wie das Singspiel vor Mozart; es brauche ein Genie, um einen Sprung wie
den zur Oper zu machen. Mir scheint, das Musical bewegt sich derzeit eher
zurück, wird allgemein immer bombastischer - und kitschiger. Der Cyrano
von Saarbrücken ist ein weiterer Meilenstein auf diesem falschen Weg.
Für wen hat Marc Schubring diese kitschigen, schlagerähnlichen Melodien
geschrieben? Für junge Leute kaum, eher für Operettennostalgiker – wobei
ich Operetten durchaus schätze, aber von einem guten Offenbach oder Strauß
oder gar einer modernen Inszenierung trennen dieses Stück Welten. Hier
hätte man mit Mut an die Sache gehen müssen, der Musik und damit dem Stück
die Portion Frechheit verleihen müssen, die Cyrano auszeichnete – diesen
Freigeist, Vorläufer der Aufklärung, Visionär und Phantasten im besten
Sinne. So bleiben 08/15-Melodien, oft auch noch schlecht arrangiert, zu
laut und so bombastisch, so daß selbst die Profisänger sie nicht
übertönen. Nur einmal überzeugte mich die Musik: Das dreistimmige
fugenähnliche »Ohne dich« nach der Pause ist hervorragend, wie überhaupt
diese Szene im Lager der hungernden Gascogner eine der wenigen gelungenen
ist, bei der die »Massen" mal nicht kopflos rumwuseln.
Für Freunde der altmodischen Operette oder des bombastischen Theaters mag
dieses Stück zu empfehlen sein; insgesamt ist es leider eine vertane
Chance, aus einer großen Vorlage mit Hilfe einer tollen Ausstattung ein
modernes Stück mit Witz, Biß und Komik zu machen. |
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| Ramirez: Misa Criolla und Navidad
Nuestra, Saarbrücken, Basilika St. Johann |
| Saarbrücker Zeitung: Die "Misa Criolla" in der
proppenvollen Basilika |
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International war das "Advents- und Weihnachtskonzert" in
der (proppenvollen) Basilika St. Johann. Bernhard Leonardy und das
Vokalensemble '83 reisten musikalisch bis nach Lateinamerika.
Mit der "Misa Criolla" des argentinischen Komponisten Ariel Ramirez (1921)
erklang ein regelrechter Hit neuerer folkloristischer Kirchenmusik. Als
Ramirez das Werk 1964 auf Schallplatte bannte, ahnte noch niemand den
ungeheueren Erfolg.
Doch war die Beliebtheit auch bei der Saarbrücker Aufführung
nachzuvollziehen mit Thomas Gabriel (Cembalo), Birgit Ibelshäuser und
Ekkehard Zeyer (Schlagzeug).
Die Misa Criolla hat ansprechende Melodien und ein ganz besonderes Timbre:
authentische südamerikanische Rhythmen, inbrünstige Wechselgesänge
zwischen Chor und Tenor. Mit seiner Ausnahmestimme und unverfälschten
Emotionalität hob Jonas Kaufmann die Wiedergabe auf ein besonderes Niveau.
Im Mittelpunkt stand Kaufmann auch bei Ramirez' "Navidad Nuestra", das
noch unmittelbarer ins Ohr geht.
Neben Lateinamerikanischem brachten Kantor Leonardy und sein Chor vier
Jahrhunderte alte europäische Weisen bis hin zu modernen
Weihnachtsliedern, Songs und Spirituals. Auch einfache Sätze wie "I saw
three ships" haben's in sich, das zeigten Intonationspatzer des ansonsten
weitgehend sicher kooperierenden Ensembles.
Gezügelte Jazz-Anklänge schließlich zur Abrundung bei einem instrumentalen
Solo: Routiniert spielte Kerstin Eisenbarth (Gitarre) eines ihrer
Standard-Stücke - Jirmals "Baden Jazz Suite".
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| Offenbach: Die beiden Blinden,
Saarbrücken, April 1996 |
| Saarbrücker Zeitung: Die beiden blödeln, was das Zeug
hält |
| Nachgeholte Premiere von Offenbachs Operette "Die beiden
Blinden" im Theater Arnual |
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Von unserer Mitarbeiterin GISELA SCHÄFER
Nachgeholte Premiere der einen von zwei Offenbach-Operetten, die das
Saarländische Staatstheater im Theater Arnual spielt: Krankheitshalber
hatte Anfang Februar "Die beiden Blinden" ausfallen müssen, so daß nur
"Häuptling Abendwind" aufgeführt werden konnte. Jetzt also sind beide
Stücke zu sehen. Wer gewinnt: die inzwischen total verbogene Posaune oder
die Mundharmonika? Die beiden Rivalen einigen sich auf ein Wettsingen -
und das wird wunderschön. Selbst Kaiserin Eugénie, Gattin Napoleon III.,
bat einst bei einer Aufführung in den Pariser Tuilerien um die
Wiederholung des Gesangswettstreits der "Beiden Blinden". Jacques
Offenbach komponierte spritzig und witzig. Er mußte es, sollte sein
eigenes Theater "Bouffes Parisiennes" an den Champs-Elysées überleben.
Eröffnet wurde es 1855 mit "Die beiden Blinden", einer Musiquette, also
einem kleinen operettenhaften Werk.
Die Regisseurin Daniela Majer verlegte die Szene auf den Bahnhof von
Hackerbrücke in Bayern. In dem liebevoll gestalteten Bühnenbild (Brigitte
Benner) fühlten sich die beiden angeblich blinden Bettler (Jonas Kaufmann
und Rupprecht Braun) wohl. Sie blödeln, was das Zeug hält: "Saan Sie
schoan ollweil so blind?" - "Mei Voater hoat mi sogar noach Noten
geschloagen." Ihr Gesang steht der bayrischen Gaudi nicht nach. Martin
Straubel, der Dirigent, leitete sie geschickt und führte auch das kleine,
unsichtbare Orchester mit sicherer Hand durch die feine, filigrane Musik
Offenbachs. Nächste Aufführungen: 6., 17., 19. 4. |
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| Leere Wünsche in Terzen |
| Die Glasmenagerie" von Antonio Bibalo,
in Trier uraufgeführt |
| Frankfurter Allgemeine Zeitung,
26.11.1996 |
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Das Trierer Theater macht von sich
reden. Nach der erfolgreichen Wiederaufführung von Alexander Zemlinskys
Opernerstling "Sarema" im März wagte sich das Haus jetzt an die
Uraufführung der "Glasmenagerie" von Antonio Bibalo. Heinz
Lukas-Kindermann, seit einem Jahr Intendant, setzt hierfür seine
Verbindungen als profilierter Regisseur gezielt ein. Befürchtungen, das
kleine Theater, dem Etat nach unter den Drei-Sparten-Häusern
Westdeutschlands an drittletzter Stelle, müsse künstlerische Kraftakte mit
qualitativen Einbußen im laufenden Repertoirebetrieb bezahlen, haben sich
bislang nicht zerstreuen lassen.
Die Literaturoper kann, wenn sie gelingt, Ausdrucksbereiche bieten, die
den Worten verschlossen bleiben. Exemplarisch dafür stehen Bergs
"Wozzeck", Zimmermanns "Soldaten" oder der "Lear" von Aribert Reimann.
Antonio Bibalos künstlerischer Anspruch ist bescheidener. Er habe, so sagt
er, nicht beabsichtigt, das Schauspiel von Tennessee Williams zu
verbessern, sondern mit musikalischen Mitteln den Intentionen im Drama
gerecht werden wollen. Es gehört zur Programmatik des Komponisten, daß der
Text des Schauspiels im Libretto bis auf unwesentliche Kürzungen
wiederkehrt. Programmatisch beginnt die Oper mit einem gesprochenen
Monolog, und häufig wird der musikalische Ablauf suspendiert von
Sprechdialogen, die den Gesang nicht eigentlich unterbrechen, sondern auf
der Ebene des Schauspiels weiterführen.
Bibalos Tonsprache ist ausgeprägt hörerfreundlich und dabei von einer
zeitweise irritierenden Dezenz. Elemente des expressionistischen
Musiktheaters - weite Intervalle im Orchestersatz, liegende Klänge im
Kontrast mit aufblitzenden Melodiefragmenten - bleiben gedämpft und selbst
bei Ausbrüchen ohne Drastik. Terzenschichtungen prägen die
Akkordbildungen, ohne daß die Folge der Zusammenklänge durchweg
funktionalharmonischen Regeln entspricht. Bibalos gleichsam fragmentierte
Tonalität behält den Anschein des Konsonanten, Angenehmen, ohne einen
historischen Stil aufzugreifen und damit ihre Modernität aufzugeben.
All dies stößt indessen in der "Glasmenagerie" auf Grenzen. Wo die Terz
das zentrale Intervall ist, fehlen die Sekundreibungen, die Cluster, die
geschärften, emanzipierten Dissonanzen, und auch in der sorgfältig
ausgehörten und farbenreichen Instrumentation des solistisch besetzten
Ensembles spart Bibalo die drastischen und schrillen Effekte gezielt aus.
Seinem euphonischen Stil mißlingt indes die Umsetzung zentraler Elemente
im Drama - gerade die Elemente, die der Musik zugänglicher sind als dem
gesprochenen Text. Die Grundstimmung des amerikanischen Mittelstands,
jener neurotische Muff, der das Schauspiel wie eine Patina überlagert und
die Ängste, Hoffnungen und Ausbrüche der Figuren motiviert, findet
kompositorisch keine Entsprechung.
Angesichts solcher Voraussetzungen gelingt es auch den erst vorsichtig,
dann beherzt und engagiert musizierenden achtzehn Instrumentalisten unter
der ausdrucksbewußten Leitung von Christoph Slowinski nicht, die
Atmosphäre klinischer Abgeschlossenheit und krankhafter Egozentrik
musikalisch umzusetzen. Susanne Thalers raffiniertes Bühnenbild hebt mehr
auf die sozialen Hintergründe und weniger auf die psychologische
Grundstimmung des Dramas ab. Und obwohl Bibalo die Gesangslinien
sorgfältig am Sprechduktus orientiert, sind die Akteure - Helen Centner
als stimmfüllige und artikulationsscharfe Amanda, die hell und mädchenhaft
timbrierte Laura von Kirstin Hasselmann und der überragende Jonas Kaufmann
als Tom - bei Heinz Lukas-Kindermanns sensibler Regie in besseren Händen
als beim Komponisten.
Erst im Verlauf der Oper artikuliert die Komposition, was die Worte zwar
benennen, aber nicht emotional vermitteln, und verliert den Status des
zusätzlich und zeitweise Überflüssigen. Im letzten Abschnitt endlich
verschmelzen Text, Musik und Szene zu einer bewegenden Einheit. Der Dialog
zwischen der behinderten, seelisch kranken Laura und Jim, dem
freundlich-großspurigen Vertreter des American way of life (markant und
kultiviert: Andreas Scheel) wird zur zentralen Szene der Oper. Heinz
Lukas-Kindermann feilt in seiner sorgfältigen und von keinerlei
Schematismen beeinträchtigten Personenführung die Gestik der Akteure
detailliert aus, ohne sie zu überhöhen und das Alltagsniveau in der
Kommunikation der Dialogpartner zu verlassen. Und die halt- und ziellose
Tonalität von Bibalos Musik wird zum passenden Ausdrucksmittel für die
scheinhafte Harmonie der Begegnung und ihre zaghaften Illusionen, die die
harte Wirklichkeit unverzüglich decouvriert. Dem akustischen Eindruck nach
hat diese Szene auch im Mittelpunkt von Bibalos kompositorischer
Anstrengung gestanden. Seine künstlerische Intention kommt hier zum Ziel.
Die Trierer Premierenbesucher, mit zeitgenössischer Musik nicht gerade oft
konfrontiert, feierten die Ausführenden und vor allem den Komponisten
ausgiebig. MARTIN MÖLLER
Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main |
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| Konzert in der
Heiliggeistkirche (Frankfurt ?), Juni 1997 |
| Franz Schuberts Offertorium B-Dur wurde 1890 in Eisenach,
seine siebte Sinfonie h-Moll 1865 in Wien uraufgeführt. Am schnellsten
gelangte seine Messe Es Dur D 950 an die Öffentlichkeit: Das 1828 in
Schuberts Todesjahr vollendete Werk wurde 1829 erstmals vor Publikum
gespielt. Diese drei Werke hatte Wolfgang Seeliger mit dem von ihm
gegründeten Konzertchor Darmstadt und der Südwestdeutschen Philharmonie
Konstanz für sein Konzert zum 200. Geburtstag Schuberts in der
Heiliggeistkirche ausgewählt. Seeligers Schubert Schubert schien kaum
noch verwandt mit dem Liederkomponisten. Er interpretierte ihn dramatisch
kontrastreich zwischen "pastoraler" Beethovennähe und schaurigen Momenten
mit schmerzlich langen Pausen und filigraner Detailarbeit. Der
"Unvollendeten" verlieh Seeliger von Anfang an bedrohliche Spannung mit
unheimlichem Cello Pizzicato und weichen Kantilenen. Er ließ die Bläser
scharf "schmettern", das Orchester "aufschreien" und erzeugte
geheimnisvolle Momente: Pauke und Trompete schienen zum Letzten Gericht zu
rufen. Mit schimmernden Geigenklängen begann der zweite Satz, auch er mit
schmerzvollen Akzenten durchsetzt, während Flöte und Oboe wunderbar
erblühten.
Im Offertorium, einer "Aria con coro", wie Schubert das Werk betitelte,
hatte der Tenor Jonas Kaufmann die führende Rolle. Er erfüllte seine
"Rolle" im Wechsel mit dem respondierenden Chor kraftvoll und mit
italienischem Schmelz. In der Es Dur Messe kam der Chor zu seinem Recht
und überzeugte mit gewaltigem aber unforciertem Klang und flexibler
Gestaltung im flehenden "Miserere" und entfesselten "Quoniam tu solus
sanctus". Beim wiegenden "Et incarnatus" zeigte Jacqueline Treichler einen
strahlendem Sopran, die Tenöre Jonas Kaufmann und Michael König waren
einfühlsam. Margarete Joswig mit klangvollem Alt und Peter Schüler (Baß)
ergänzten das Solistenensemble im qualvoll stockenden "Agnus Dei". |
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| Schubert: Des Teufels Lustschloß, Jagdschloß
Kranichstein, Sommerfestspiele, August 1997 |
| Schuberts unfreiwillige Komik |
| Frankfurter Allgemeine Zeitung |
| Konzertante Aufführung von "Des
Teufels Lustschloß" |
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Von Schubert sind 15 Bühnenwerke
überliefert, vier davon fragmentarisch. Bekannt geworden ist allerdings
nur die Bühnenmusik zu "Rosamunde". Im OEuvre des Jubilars gibt es noch
viel zu entdecken. Aber bislang ist in dieser Hinsicht selbst im
Schubertjahr noch nicht viel geschehen. Es werden lediglich die wenigen,
immer gleichen Stücke gespielt, die ohnehin in jedermanns Ohr sind. Daß
nun der Dirigent Wolfgang Seeliger mit seinem Konzertchor Darmstadt für
die Sommerspiele im Jagdschloß Kranichstein Schuberts Opernerstling "Des
Teufels Lustschloß" zu einer konzertanten Freiluftaufführung brachte, war
insofern schon ein Verdienst an sich.
Seeliger arbeitete dabei mit den Schloßfestspielen Heidelberg und deren
"Orchestra in residence", dem amerikanischen Eastman Philharmonia
Orchestra Rochester, zusammen: Der Leiter der Schloßfestspiele Heidelberg,
Manfred Hain, war es auch, der die teils ausgedehnten Sprechdialoge des
Werks zu kurzen Inhaltsschilderungen umarbeitete. Diese Passagen wurden
dann von einem Erzähler (Franz Mazura) zwischen den Gesangsnummern
vorgelesen.
Der Text beruht auf einem Schauspiel aus dem Jahre 1800 des seinerzeit
berühmten Dramatikers August von Kotzebue und ist nach dem Muster der
damals überaus beliebten, aber auch schon häufig parodierten
Geister-Stücke gestrickt. Das Hauptproblem bei dieser "natürlichen
Zauberoper" ist denn auch, daß heute niemand mehr so genau zu wissen
scheint, was davon inhaltlich ernst gemeint ist und was nicht.
Der Plot ist zudem recht entwicklungsarm: Ritter Oswald und Luitgarde sind
gegen den Willen eines Erbonkels ein Liebespaar. Dieser arrangiert es
deshalb so, daß die beiden auf der Flucht vor ihm zunächst in eine
Spelunke und dann in ein Spukschloß geraten. Dort müssen sie diverse
Prüfungen über sich ergehen lassen. Vor allem will eine liebreizende
Amazone Oswald mit aller Gewalt den Kopf verdrehen. Doch der bleibt
standhaft in der Treue zu seiner Luitgarde, und der böse Onkel gibt dem
Paar am Ende doch seinen Segen.
Der 17 Jahre alte Schubert hat diese Geschichte - möglicherweise aufgrund
einer eigenen, ihm offiziell untersagten Liebschaft - offenbar als sehr
spannend und hochdramatisch empfunden und nach Art von klassischen
Vorbildern entsprechend vertont. Hieraus und auch aus mancher Platitüde
des Textes resultiert oft eine unfreiwillige Komik, die das Publikum in
Kranichstein teils offen, teils hinter vorgehaltener Hand quittierte.
Trotz der Verkürzung durch die Zwischentexte kam die Aufführung auf gut
zweieinhalb Stunden Spielzeit und ließ dabei manche Länge spüren. Die
Produktion des Stücks mit Nikolaus Harnoncourt vor zwei Jahren in Zürich
fand allerdings in der Presse ein sehr positves Echo. Womöglich fehlte der
leicht halbszenischen Darbietung in Kranichstein einfach nur der nötige
Theaterzauber mit Geistern und Maschinen - ein Aufwand, der bei den
Sommerspielen nicht zu leisten war.
Herausragend gefiel der Tenor Jonas Kaufmann in der tragenden, mit
herrlichen Arien geschmückten Partie des Ritters Oswald. Er ging in der
ungewohnten Materie voll auf, sang frei, geschmeidig und mit viel Glanz.
Hernàn Iturale gab den Diener Robert kräftig und mit ironischem Unterton.
Brigitte Geller war eine adäquate Luitgarde. Daneben gefielen Martina
Stork-Freiberger als Amazone und Judith Burbank als Wirtin. Der
Konzertchor Darmstadt klang durch die weitgehende Aufsplitterung in
Frauen- und Männerchor weniger homogen als gewohnt. Das Eastman
Philharmonia Orchestra bemühte sich um eine effektvolle und dramatische
Umsetzung. gui. |
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| Stuttgart: König Roger, 7. November 1997 |
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Zumindest nach außen hin scheint die
eklatante Mißstimmung zwischen Direktion und Orchester an der Staatsoper
Stuttgart, ausgelöst durch die von Klaus Zehelein betriebene eigenmächtige
Ernennung Lothar Zagroseks zum neuen GMD, beigelegt zu sein. Der massive
Widerstand des Orchesters gegen die Vorgehensweise des Intendanten
Zehelein, der bei dieser Wahl das Mitspracherecht des Orchesters völlig
außer acht gelassen hatte, machte schließlich, um zu einer Einigung zu
finden, sogar eine gerichtliche Entscheidung notwendig. Daß es nach diesem
unrühmlichen Vorspiel einige Zeit dauern wird, bis das Orchester und sein
neuer GMD wirklich zueinander finden und es hoffentlich zu dem in
Stuttgart längst fälligen Neubeginn kommen kann, war abzusehen. Obwohl
Lothar Zagrosek mit Alban Bergs "Lulu", der letzten Premiere der vorigen
Spielzeit, bereits seinen vorgezogenen Einstand gegeben hatte, zeigten
sich jetzt bei der Neuinszenierung von Karol Szymanowskis "König Roger"
sehr deutlich die immer noch bestehenden Grenzen in der Zusammenarbeit
zwischen dem Dirigenten und seinem Orchester. Die Umsetzung der großen
ekstatischen Ausbrüche gelang zwar äußerst wirkungsvoll, insgesamt gesehen
fehlte es jedoch an der gerade für diese Oper unabdingbaren
Herausarbeitung der klanglichen Feinheiten, da dieses Werk seine volle
Wirkung erst durch die Umsetzung und Verbindung seiner Gegensätze zu
entfalten vermag. Die mitreißende musikalische Sprache Karol Szymanowskis
wurde dadurch nur in Ansätzen vermittelt und die Vorstellung geriet, da es
ihr an Geschlossenheit fehlte, nach einem starken Beginn zunehmend
langatmig.
Peter Mussbach zeichnete bei der Stuttgarter Erstaufführung des "König
Roger" neben der Regie auch für das Bühnenbild verantwortlich und schuf
dafür einen schlichten Einheitsraum: die oval angelegte Spielfläche wurde
nach hinten von einer Rasterwand begrenzt, diese begleitete,
unterschiedlich abgedeckt und beleuchtet, das Geschehen. In diesem Rahmen
stellte er den Weg des König Roger als Monodrama dar und zeigte ihn als
einen in seiner inneren Verhärtung fest eingerichteten Menschen, der sich
bisher konsequent verdrängten Teilen seiner Persönlichkeit, für die hier
der Hirte stand, stellen mußte. Ein anfangs verstärkter Rückzug war die
unweigerliche Reaktion auf die offengelegte und damit auch erkannte
massive Unsicherheit im Umgang mit sich selbst, doch der einmal begonnene
Reifeprozeß brachte ihn langsam, aber beständig hin zur Selbstfindung; und
dem Erkennen der gegensätzlichen Teile seiner Persönlichkeit folgte
schließlich ihre Akzeptanz und damit auch seine Öffnung nach außen hin.
Peter Mussbach hat sich bei der konsequenten Umsetzung dieses Konzeptes
für eine zunehmende Reduktion des Geschehens entschieden und es sozusagen
in das Innere der Person König Rogers verlagert. Im letzten Akt blieb
Roger allein auf der Bühne, das Geschehen das auf ihn einstürmte, wurde
nur durch Stimmen aus dem Hintergrund vermittelt. Wolfgang Schöne sang die
Riesenpartie durchweg sicher und kraftvoll, ließ dabei aber die nötige
Differenzierung vermissen und war auch darstellerisch mit den immensen
Anforderungen dieses Regiekonzeptes deutlich überfordert.
Kristine Ciesinski hatte kurzfristig für die erkrankte Nina Warren die
Rolle der Roxane übernommen und mit deren Höhen deutliche Probleme. Auch
Sidwill Hartman konne als Hirte nicht überzeugen, zu sehr mußte er
forcieren, so daß seine Stimme besonders in der Höhe angestrengt klang.
Mit schöner Stimmführung sang Jonas Kaufmann den Endrisi. Bewährt haben
sich wieder Mark Munkittrick als Erzbischof und Carmen Mammoser als
Diakonissin. Hervorragend disponiert waren die Stuttgarter Chöre unter der
bewährten Einstudierung von Ulrich Eistert.
Angesichts der zum Teil großen Schwächen dieser Aufführung war die
zurückhaltende Reaktion des Premierenpublikums nicht verwunderlich.
Opernglas 1/1998 K.-F. Schulter |
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| OPERA NEWS, January 17, 1998 |
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Karol Szymanowski's 1926 Król Roger hadn't
been performed in Germany for about a decade when the Stuttgart State
Opera presented it on November 7, providing a major success for both the
house and Lothar Zagrosek, its new general music director. Basically
derived from Euripides' Bacchae, the opera's Polish libretto, by Jaroslaw
Iwaszkiewicz and the composer, centers on the legendary Norman king of
twelfth-century Palermo, who as the representative of Christian law and
order is challenged by the appearance of a Shepherd, preacher of sensual
freedom and self-indulgence, who in the end reveals himself as Dionysus.
While the king's wife, Roksana, and his people surrender to the strange
god, Roger stays behind but accepts the Dionysian forces within himself
and salutes the rising sun with an exultant hymn. Szymanowski's score is a
highly intoxicating mixture of Richard Strauss, Schreker and Scriabin,
with glimpses backward to Mussorgsky and Byzantine influences and sideways
to Debussy, Ravel and Stravinsky. Despite this, it does not come off as
eclectic or imitative; rather it is extremely beautiful, sensuous music of
narcotic allure.
Zagrosek inspired his forces, including the marvelous Ulrich
Eistert-trained choruses, to reveal the work's exotic charms. Sometimes,
however, the singers were overwhelmed, so that little of the German text
could be understood. Peter Mussbach's staging (with costumes by Florence
von Gerkan), which took place in the head of the king, was perhaps too
abstract and austere and in the second half too static, but his decors
looked ravishing.
Wolfgang Schöne, his incandescent baritone tempered with bronze, sang the
title role with majesty, increasingly taking on characteristics of Thomas
Mann's Gustav von Aschenbach at the Lido of Venice. As the antagonist
Shepherd, Sidwill Hartmann, possessor of a penetrating, propulsive though
somewhat weepy tenor, proved hardly the charmer to convert one to his
preachings of voluptuousness. Once awakened by the Shepherd's spell,
Roksana, a woman of sensual languor, pours out luminous soprano melismas,
voiced here by Kristine Ciesinski like a chain of glittering jewels.
Edrisi, an Arabian sage, was performed by handsome young Jonas Kaufmann,
with a lightweight, honeyed tenor. Judging from these first local
performances, Król Roger could become a cult opera in Stuttgart.
HORST KOEGLER |
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| Cosi fan tutte, Mailand, 26. Januar 1998,
Piccolo Teatro |
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Nach fast fünfzehnjähriger Bauzeit, denn
Grundsteinlegung war bereits im Jahr 1982, wurde jetzt das neue Piccolo
Teatro von Mailand mit Mozarts "Così fan tutte" eröffnet.
Durch Ironie des Schicksals konnte jedoch sein Begründer, der berühmte
Theatermann und Opernregisseur Giorgio Strehler die Eröffnung nicht mehr
erleben. Genau einen Monat vorher starb er überraschend an einem
Herzinfarkt. Der Tod riß den energiegeladenen Regisseur aus den ersten
Proben zu "Così fan tutte", der Eröffnungsvorstellung des neuen Theaters.
Auf Strehlers Wunsch soll das "Nuovo Teatro Piccolo" ein multifunktionales
Theater sein, in dem auch Opern zur Aufführung gelangen und
Konzertveranstaltungen stattfinden. Rund zehn Tage probte er begeistert
mit einem jungen internationalen Ensemble. Das Regiekonzept hatte er den
Mitwirkenden noch erläutern können.
Mozart war Strehlers Lieblingskomponist gewesen. Zwei Opern der Da Ponte-
Trilogie "La nozze di Figaro" und "Don Giovanni" hatte er bereits unter
der musikalischen Leitung von Riccardo Muti an der Mailänder Scala
inszeniert. Nun wollte er mit einem jungen Ensemble unter dem Dirigenten
Ion Marin die Trilogie in seinem neuen Theater zum Abschluß bringen. "Der
einzige Alte in diesem Theater bin ich, denn die Zukunft gehört der
Jugend" hatte er noch bei den letzten Proben seinen Künstlern gesagt.
Mit der vom Mailänder Symphonieorchester "Giuseppe Verdi" gespielten
Ouvertüre der "Così" war auch die Trauerfeier für Giorgio Strehler am 27.
Dezember vor dem neuen Theater zu Ende gegangen. 1947 hatte der junge
Strehler mit Paolo Grassi das Piccolo Teatro, Italiens berühmteste
Sprechbühne gegründet. Mit Berthold Brechts "Dreigroschenoper" gelang ihm
schon 1956 der internationale Durchbruch, und Brecht, der bei der Premiere
anwesend war, nannte Strehler schon damals "den besten Regisseur Europas".
Auch alle dreiunddreißig Operninszenierungen, die Strehler für die Scala
geschaffen hat, und dazu gehören die maßstäbesetzenden Inszenierungen von
"Simone Boccanegra", "Macbeth" und "Falstaff", waren von Erfolg gekrönt.
Für einen neuen Sitz seines Sprechtheaters hatte er mehr als dreißig Jahre
gekämpft.
Regisseur Carlo Battistoni, Strehlers langjähriger Mitarbeiter, hatte
versucht, Strehlers Regiekonzept auf der Bühne zu realisieren… Aber wie
viele brillante Ideen bei der Personenführung hätte Strehler, der bei
jeder Operninszenierung bis zu den letzten Proben (und für Januar waren
fast täglich Proben angesetzt) immer noch neue Einzelheiten beim "work in
progress" einbrachte, wohl noch gehabt? Er hinterließ seine bezaubernd
schöne und doch noch unvollendete "Così fan tutte"-Inszenierung als sein
künstlerisches Vermächtnis.
Wie so oft ließ Strehler auf einer fast leeren, magisch ausgeleuchteten
Bühne spielen (Bühne: Ezio Frigerio). Zwei hohe, versetzbare Seitenwände,
die je nach Bedarf große oder kleine Räume schufen, waren konstante
Elemente. Ein paar eiserne Caféhausstühle, später ein Divan und zwei
Betten für Fiordiligis und Dorabellas Zimmer, ein dunkler Kahn vor dem
gemalten blauen Meer, in dem die unternehmungslustigen Offiziere, die die
unerschütterliche Treue ihrer Bräute prüfen wollen, in See stechen.
Strehlers geniale Lichtregie fasziniert. Manchmal erscheinen die Personen
schattenrißhaft in gleißendem Licht. Die hellen, mediterranen Farben
bestechen: Das von Grün zu Blau wechselnde Meer, der sich verfärbende
Himmel, die goldrote Mondsichel. Die Beleuchtung der Hochzeitsszene durch
elf von orientalisch gekleideten Dienern getragene vielarmige
Kerzenleuchter ist voller Poesie. Mit wenigen Mitteln erreicht Strehler
höchste Theatermagie. Die märchenhaften Kostüme der Oscarpreisträgerin
Franca Squarciapino waren auf Pastellfarben abgestimmt.
Strehler hatte zwei Ensembles mit vier jungen Sängern ausgewählt, die
abwechselnd bis zum 10. März die insgesamt 28 Vorstellungen bestreiten.
Eteri Gvazava und Teresa Cullen als reizendes Geschwisterpaar. Jonas
Kaufmann und Nicolas Revenq als Ferrando und Guglielmo sangen die
Premiere. Die hübsche Russin Eteri Gvazava ließ ihre frische, gutgeführte,
wenn auch etwas zu wenig "mozartisch" klingende Stimme hören und meisterte
ihr "Come scoglio" einwandfrei. Teresa Cullen zeigte den
leidenschaftlichen Charakter der Dorabella, und ihr heller, angenehmer
Mezzo bestach. Nie übertrieben, aber von draufgängerischer, jugendlicher
Munterkeit gaben sich die Herren Offiziere. Jonas Kaufmann besitzt eine
frische, junge Tenorstimme, und Nicolas Rivenq als Guglielmo ließ einen
wohlklingenden Bariton hören. Soraya Chaves war eine dralle und doch
charmantlistige Despina mit ausdrucksvoller Stimme. Als drahtziehender
"Filosofo" zeichnete Alexander Malta eine gute Charakterstudie.
Ion Marin am Pult des erst vor vier Jahren gegründeten Mailänder
Symphonieorchester "Giuseppe Verdi", das ausschließlich aus jungen
Musikern besteht und an diesem Abend sehr gut musizierte, setzte leider
auf Kosten mancher mozartischer Feinheiten auf einen recht derben Klang
und war am Premierenabend den Sängern nicht immer ein aufmerksamer
Begleiter.
Als am Schluß der Vorstellung auf der leeren Bühne ein brennender
Kerzenleuchter zurückblieb, zollte das ergriffene Publikum dem
unvergeßlichen Maestro Giorgio Strehler einen letzten, wehmütigen Applaus.
Opernglas 3/1998 L. Rivera |
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| Fidelio, Stuttgart, 18. März 1998 |
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Auch die Stuttgarter Staatsoper hat sich dem Reigen der
vielen neuen "Fidelios ", die in dieser Spielzeit an deutschen
Opernhäusern zur Aufführung kommen, angeschlossen und damit Jurij
Ljubimows Inszenierung von 1985, die sich mehr als zehn Jahre im
Repertoire gehalten hat, ersetzt. Das Stuttgarter Schauspiel befindet sich
seit der Übernahme der Intendanz durch Friedrich Schirmer deutlich im
Aufwind und hat sich wieder zu einer führenden Bühne entwickelt, eine der
festen Regiestützen dabei ist Martin Kusej, der mit seinen Produktionen
wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen hat. In der vorletzten Spielzeit
wurde in Stuttgart als Koproduktion von Oper, Schauspiel und Ballett Henry
Purcells "König Arthur" unter seiner Regie herausgebracht, das sich zu
einem richtigen Renner entwickelt hat und ständig vor ausverkauftem Haus
gespielt wird. Der Erfolg dieser Produktion dürfte ihm auch die
Verpflichtung für diesen "Fidelio " gebracht haben, seiner ersten
"richtigen" Opernregie. Das Bühnenbild besorgte nicht wie ursprünglich
angekündigt Erich Wonder, sondern wieder Kusejs ständiger Ausstatter
Martin Zehetgruber, für die Kostüme war Gisela Storch zuständig.
Den Ausgangspunkt dieser Inszenierung bildet die während der Ouvertüre auf
der dunklen Bühne mit einer Taschenlampe herumirrende Leonore. Erst durch
die dabei zufällig gefundene Männerkleidung kommt sie auf die Idee für
ihre Verkleidung und ihr weiteres Vorgehen.
Das Gefängnis ist eine vollkommen abgeriegelte, für sich stehende Welt, in
der es kaum noch einen Unterschied macht, ob man Gefangener oder Bewacher
ist. Alle sitzen sie hier fest und fügen sich in den ihnen vorgegebenen
Platz, einzig Marzelline hat noch nicht ganz aufgegeben und versucht
verzweifelt über Fidelio diesem Trott zu entkommen. Jeder Tag läuft nach
dem selben stumpfsinnigen Schema ab. Nur einmal kommt etwas Verwirrung
auf, als Fidelio bei Rocco einen Extrafreigang der Gefangenen erreicht und
diese zaghaft in Zweiergruppen miteinander zu tanzen beginnen. Auch ein
Draußen gibt es für diese Menschen nicht mehr, eine Waldtapete ziert
rundum die Wände und ist Natur genug, Vogelgeräusche und Wasserrauschen
kommen vom Tonband, die Entspannung erfolgt auf Kommando. Florestan ist
durch die lange Isolationshaft verrückt geworden und irrt nur noch ,die
immer gleichen Gesten wiederholend, herum. Natürlich kann es hier auch
keine Befreiung im üblichen Sinn mehr geben. Als diese bleibt hier nur der
Tod: Don Pizarro schlitzt Florestan die Kehle auf, worauf Leonore Don
Pizarro erschießt. Da in dieser Oper dieser Schluß natürlich so nicht
möglich ist, stehen die beiden Ermordeten, nach einer kurzen
Unterbrechung, blutüberströmt wieder auf und finden sich mit den anderen
in einer zwar weiteren, aber genauso begrenzten Umgebung wieder.
Als äußerst problematisch empfand ich die Besetzung der Titelpartie mit
Renate Behle. Für sie traf wieder einmal die in Stuttgart leider sehr oft
gehandhabte zu leichte Besetzung der dramatischen Frauenpartien zu. Frau
Behle war mit dieser Partie durchweg überfordert, ihrer verhaltenen
Darbietung fehlte es völlig an der nötigen Dramatik, zudem geriet auch
ihre Darstellung äußerst farblos. Obwohl Robert Gambill den Florestan mit
zuviel Kraft zu meistern versuchte und dadurch in den oberen Lagen
zunehmend gepreßt klang, bot er eine insgesamt doch weitaus bessere
Leistung, zumal es ihm auch gelungen ist, die großen darstellerischen
Anforderungen dieser Inszenierung glaubhaft umzusetzen. Schauspielerisch
am überzeugendsten war Stella Kleindienst als Marzelline, beeindruckend
konnte sie deren Ängste aufzeigen, stimmlich jedoch war sie durch ihre
zumindest für diese Partie zu schwere Stimme falsch besetzt. Jonas
Kaufmann zeichnete einen verhärteten Jaquino, den er auch stimmlich
treffend umzusetzen verstand. Schwach hingegen war Wolfgang Probst als Don
Pizarro, dem es dafür doch deutlich an der Dramatik fehlte. Den
verdientermaßen größten Erfolg beim Publikum hatte in dieser Vorstellung
Roland Bracht mit seinem überzeugenden Rocco, etwas unsicher wirkte
Michael Ebbecke als Don Fernando.
Unter der Einstudierung von Ulrich Eistert boten die Stuttgarter Chöre ein
weiteres Mal eine rundum ausgezeichnete Leistung.
Michael Gielen, der für diese Produktion als musikalischer Leiter gewonnen
werden konnte, hatte sich für die zweite Leonoren-Ouvertüre als Anfang
entschieden und mit ihrer markanten Umsetzung einen etwas anderen,
sperrigeren "Fidelio " erwarten lassen. Leider konnte er diesen in der
Folge mit dem gut disponierten Stuttgarter Staatsorchester nur bedingt
umsetzen. Neben Passagen von großer Eindringlichkeit gab es leider auch
immer wieder richtige "Durchhänger", wodurch sich diese Vorstellung in
Details verlor und die geschlossene Linie vermissen ließ.
K.-F. Schulter, Opernglas 5/1998 |
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| Sehr leise und auch sehr weise |
| Christian Kabitz leitet Bachs Johannes-Passion im Großen
Saal der Frankfurter Alten Oper |
| Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung |
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FRANKFURT. Für dieses Projekt taten sie sich zusammen,
die Frankfurter Singakademie und der traditionsreiche Frankfurter
Cäcilienchor unter Leitung von Christian Kabitz, unter dessen Stabführung
die beiden Chöre zu einem - nicht nur quantitativ - imposanten Ensemble
verschmolzen. Am Karfreitagnachmittag erklang Bachs Johannespassion BWV
245 im Großen Saal der Frankfurter Alten Oper; es begleitete das
Württembergische Kammerorchester Heilbronn.
Wenn auch beim einleitenden Chor ("Herr unser Herrscher") das
Vokal-Ensemble noch nicht seine volle Strahlkraft und Beweglichkeit
erreicht hatte, zeichnete sich doch schon hier deutlich ab, daß es sich
bei dieser Aufführung um etwas Besonderes handeln würde. Die spürbare
mentale Präsenz der Choristen und ihre plastische Deklamation waren es
unter anderem, die solcherlei Erwartungen weckten.
Fast durchweg sehr zügige Tempi setzten entscheidende Akzente für den
Verlauf dieser Aufführung, ohne daß dadurch die Präzision im Detail
geopfert worden wäre: Auf der Grundlage überlegener Textdeutung erlebte
man Turba-Chöre von packender Dramatik und Choräle von beinahe offensiver
Zuversicht, wobei das Vokalensemble auch in den satztechnisch kniffligen
Passagen der Turbae mit einem hohen Grad an klanglicher Plastizität und
großer Schärfe der Konturen glänzte. Ein Beispiel für Kabitz' souveränen
Umgang mit dem Text mag jene Stelle gewesen sein, wenn der verunsicherte
Pilatus die Juden fragt, ob er denn nun ihren König kreuzigen solle: Man
kann sich kaum an eine Aufführung erinnern, bei der die Chuzpe der Antwort
so verblüffend deutlich herausgekommen wäre. In
spitzfindig-hintergründiger Zurückhaltung - ganz leise, aber weise -
präsentiert das Volk dem römischen Statthalter seine Logik der
Angelegenheit: "Wir haben keinen König denn den Kaiser."
Die Aufführung zeichnete auch Kabitz' Kunstgriff aus, in den Rezitativen
mitunter durch lang ausgehaltene, oft crescendierte Baßtöne im Continuo
die Übergänge stringenter zu gestalten, auch seine kunstvoll-bildkräftigen
Illustrationen der Rezitative am Cembalo, die der Dirigent im Wechsel mit
der Stabführung selber übernahm, gehen über das Alltägliche hinaus. Vieles
davon wäre freilich ohne ein leistungsfähiges Solistenensemble nicht
möglich geworden: An erster Stelle ist hier der in der Partie des
Evangelisten mit packender Plastizität und enormer Leichtigkeit in der
Höhe deklamierende Tenor Johannes Kalpers zu nennen, als Arien-Tenor
beeindruckte Jonas Kaufmann mit kernig-schlanker Stimmführung. Nur
manchmal wirkte er ein wenig angestrengt.
Mit Sanftmut und Milde realisierte Bernd Hofmanns die Jesus-Partie. Ralf
Lukas beeindruckte in den Baß-Arien und als Pilatus durch den
Körperreichtum seiner Stimme. Mochte die erste Alt-Arie ("Von den
Stricken") mit Liliana Bizineche-Eisinger - bei großer stimmlicher
Geschmeidigkeit - im Ausdruck ein wenig flach wirken, war die Altistin
nach der Gambenarie "Es ist vollbracht" rehabilitiert: Im Duett mit der
sehr ausdrucksvoll gestaltenden Gambistin gelangen hier anrührende
Momente. In den Sopran-Arien gefiel Barbara Schlick durch die leichte
Führung ihrer Stimme, wenn auch die Textverständlichkeit hinter dem
Vortrag der anderen Solisten zurückblieb.
Das Württembergische Kammerorchester zeigte sich als vital agierendes,
sehr zuverlässiges Begleitensemble. Es war nicht zuletzt die suggestiven,
instrumentalen und vokalen Ansprüchen gleichermaßen gerecht werdende
Sinnzeichengebung des vielseitigen Dirigenten Christian Kabitz, die dieser
Aufführung zu ihrem hohen Niveau verhalf. JOACHIM WORMSBÄCHER |
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| Rossini: Der Barbier von Sevilla,
Stuttgart, November 1998 |
| Stuttgarter Zeitung, 17.11.1998: Gut
geöltes Räderwerk |
| Der "Barbier von Sevilla" wieder im Großen
Haus |
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Nicht durchgehend, aber immer mal wieder
drückt sich Bartolos alte Haushälterin (Gabriela Herrera) an der Wand
lang. Das will die Regie (Beat Fäh) so. Der Eindruck, den Berta
hinterläßt, ist nicht der beste. Zwischen Debilität und Verschrobenheit,
dabei farblich eins mit dem Bühnenbild (Volker Pfüller), wirkt die betagte
Perle so, als habe sie überhaupt nichts mit Gioacchino Rossinis "Barbiere
di Siviglia" zu tun. Auch die anderen Mitspieler erledigen ihre Pflichten
so, wie das von ihnen erwartet wird - nichts Aufregendes, immer Rädchen in
Rädchen.
Dies hat den großen Vorteil, daß der ganzen Mannschaft viel Zeit zur
Konzentration auf die Stimme bleibt. Davon bringt der Graf von Almaviva
(Jonas Kaufmann) eine ganze Menge mit. Der weiß, daß er gut aussieht, und
das münzt er in die entsprechenden Töne um. Die Stimme sitzt, sorgfältig
geführt sind die Legatobögen. Das feine Piano, dem auch ein wohlklingendes
Schmachten nicht fremd ist, läßt Kaufmann gelegentlich crescendierend
aufblühen. Dann delektiert sich das Publikum im Großen Haus an einer
gepflegten, vor Übertreibungen sicheren Italianità.
Dr. med. Bartolo (Karl-Friedrich Dürr), geizig, Junggeselle und nicht ganz
mündelsicher, ein Oskar-Sima-Verschnitt dem Habitus nach, schwankt etwas
zwischen gluckenhafter Komik und ernstem Interesse an der ihm
pflegebefohlenen Rosina. Diese, ein liebliches Kind (Helene Schneiderman),
scheint den Avancen des Herrn nichts abgewinnen zu können. Dafür singt sie
dann um so schöner, eine unverdorbene, mädchenhafte Stimme, die ihrer
Wirkung sicher ist.
Als Figaro macht Michael Ebbecke eine gute Figur. Gut geölt die Gurgel,
nichts Devotes, was ihm als ehemaligem Kammerdiener eigentlich liegen
müßte, hat er sein ganz eigenes Verständnis von seiner Rolle als Faktotum.
Er zieht die Fäden ohne fremde Anweisungen. Jovial und deshalb gefährlich
agiert Helmut Berger-Tunas Basilio, im Dienste von "Jugend musiziert", der
sein intrigantes Wesen hinter verbindlicher Unverbindlichkeit zu
verstecken weiß. Solide kammerdienert Peter Kajlinger (Fiorello), während
Kyung-Suk Han als Offizier schlicht seine Pflicht tut. Auf dem gewohnten
Niveau sangen die Herren des Staatsopernchors (Michael Alber). Paolo Olmi
am Pult besorgte einen gefälligen Rossini, dem das beseelte Leuchten etwas
abging, eine gleichbleibende, aber solide Leistung. Von Jürgen Leukel |
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| Beethoven: Fidelio, La Scala, Dezember 1999 |
| OPERA NEWS, April 2000 Copyright © 2000 The Metropolitan
Opera Guild, Inc |
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Riccardo Muti has made something of a specialty of late-eighteenth- and
early-nineteenth-century operas; he has recently performed cycles of Beethoven
symphonies with the La Scala orchestra. So Fidelio was a natural choice
to open the company's new season -- quite apart from the symbolic import
of presenting it at the beginning of a new millennium. The performance seen on
December 18 was to be appreciated above all for its stylistic uniformity. Seldom
has the homely singspiel atmosphere of the opening scenes seemed so
neatly wedded to the music drama that evolves out of it. Dialogue was kept to a
minimum (there are no surtitles at La Scala), tempos were generally swift, and
the music unravelled with well-oiled precision and carefully balanced sonorities
(if one excepts the brassy overlay in the concluding section of the interpolated
Leonore III Overture). It was not, however, a particularly involving or
morally uplifting performance -- at least not until the final scene,
where Stephen Millings proved a noble, imposing Fernando and Muti provided an
appropriately sublime accompaniment to Leonore's "O Gott, welch'ein Augenblick."
In Act I, the conductor had left the singers little room to project words
colorfully, and his quest for ethereal sonorities in the quartet and at the
beginning of "O welche Lust" (proficiently performed by the Scala chorus) proved
more contrived than expressive.
Eva Lind as Marzelline and Jonas Kaufmann as Jaquino sang with somewhat bland
accuracy, and Kurt Rydl's potentially ideal Rocco, though enjoyable, suffered
from a lack of give-and-take with the conductor and the other singers. The
promising lyric soprano Elizabeth Whitehouse sounded overwhelmed by the demands
of Leonore. Although moments of strain on top and inaudibility lower down are
common in this role, her identification with the character seemed insufficient
to justify the vocal risks and compromises involved. Jan Vicick also has a
relatively lightweight instrument, yet it was refreshing to hear such a youthful
tenor as Florestan, and his phrasing in the dungeon scene gave genuine pleasure.
The same cannot be said of the Pizarro of Franz-Josef Kapellmann, whose
expressive intentions were undermined by crude voice production and dubious
intonation.
None of the singers had been helped much by Werner Herzog's direction, which
proved particularly insipid in the opening scene and spoiled the beginning of
Act II by fussily bringing Florestan onstage by means of a manually operated
elevator, as if Beethoven's orchestral introduction -- beautifully played
by the Scala orchestra -- were not expressively self-sufficient. Franca
Squarciapino's costumes seemed to set the action in the Napoleonic era, while
Ezio Frigerio's massive set construction looked more neutral in temporal
reference, allowing for a powerful evocation of the castle parade ground in Act
I but often seeming out of proportion with the humanistic spirit of the
music.
STEPHEN HASTINGS |
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