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Süddeutsche Zeitung, 26.02.2008 |
| Egbert Tholl |
Konzert, München, 24. Februar 2008
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| Der Herkulessaal ist überfüllt, ein
Zusatzkonzert bereits angesetzt, am 15. Juni in der Philharmonie (Anm.
wurde abgesagt). Jonas Kaufmann muss ein außerordentlich robuster Sänger
sein, dass er es auf sich nimmt, mit einem so hanebüchen überforderten
Begleitpersonal auf Tour zu gehen. Und robust ist er tatsächlich. Seine
stimmliche Kraft ist überwältigend, sein Tiefenfundament gewaltig. Doch
verlässt er sich zu sehr auf den Effekt, aus diesem mit enormer Wucht die
Spitzentöne zu erreichen. Lange dauert es an diesem Abend, bis sein Piano
nicht mehr heiser klingt, seine Stimme in der Höhe eine anfangs unangenehme
Enge überwindet. Das würde bei der enormen Klangentwicklung insgesamt gar
nicht so sehr auffallen, würde Kaufmann nicht ungelenk jede Arie ähnlich,
wenn auch sicherlich wirkungsbewusst anlegen. Jonas Kaufmann beeindruckt,
aber er rührt nicht. Dazu wirken seine Schluchzer, das Spiel mit dem rauen
Piano viel zu kalkuliert. Zudem dienen ihm die Arien als reines
Klangmaterial; ihre Inhalte vermittelt er kaum. Im Grunde singt er alles,
sei es Bizet, Verdi, Puccini oder Massenet, als handle es sich um Stolzings
Preislied aus den "Meistersingern". Da passt die Attitüde des Klangmachos.
Diese verführt ihn dazu, Verdis Fanal des Zynismus, die "La donna è
mobile"-Arie des Herzogs aus dem "Rigoletto", zum Flirt mit dem Publikum zu
nutzen. Wie falsch! Kaufmann kann viel, doch muss er lernen, seine Gaben zu
nutzen. |
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