SZ vom 20.02.2007
R.J,Brembeck
Mozart: Die Zauberflöte, Zürich, 17. Februar 2007
„So entdeckt Kusej in der "Zauberflöte" erst einmal den Erotiker Mozart und er weicht den mit Albernheit und Peinlichkeit drohenden Fallstricken des Stücks aus. Vor allem, weil der überzeugende Papageno von Ruben Drole nicht den tüdeligen Kinderbetörer gibt. Keine Vogelfedern werden ihm zugestanden, sondern nur ein dunkler Anzug, auf den so manches Federvieh seine Notdurft verrichtet hat. Drole singt den störrischen Underdog, der sein persönliches bisschen Glück sucht. Ein wütender junger Mann, der dumpf und einsam gehalten wird im Feudalismus, und dem seltsamerweise erst die neue Zeit der gottesfürchtigen Misogynen um Sarastro eine ähnlich sexhungrige Frau (Eva Liebau) verschafft, mit der er gleich zur Sache kommt. Immer also muss eine Inszenierung hinter den Wortlaut schauen und das dort (womöglich) Gemeinte an den Tag bringen. Aber Kusej kommt nicht über die einleuchtenden Ansätze des Anfangs hinaus. Es scheint eine verrätselt mythologischen Lesart erkennbar, die Kusej dann weder konsequent noch überhaupt verfolgt. Denn je länger der Abend, umso platter bebildert der Regisseur den Vordergrund und nicht die möglichen Intentionen des Textes. Warum lässt es sich die emanzipierte Pamina der beeindruckend, wenn auch pragmatisch nüchtern singspielenden Julia Kleiter gefallen, von Tamino & Co wie ein Mensch zweiter Ordnung behandelt zu werden? Was empfindet der heldisch singende Tamino von Jonas Kaufmann, der am Premierentag eingesprungen ist für den erkrankten Christoph Strehl, für Pamina? Braucht dieser unbedarfte Jüngling überhaupt eine Frau, will er nicht viel mehr nur Karriere machen? Die Rätsel mehren und mehren sich im Verlauf des Abends, zumal auch Dirigent Harnoncourt wie gewohnt nichts an Magie, Unbeschwertheit, Eleganz und Eros dazugibt. Sein Mozart bleibt der Erde verbunden, der Dirigent setzt konzise und knarzig die Noten in den Raum, und betreibt wie sein Regisseur Entzauberung.“






 
 
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