Frankfurter Allgemeine Zeitung
ELLEN KOHLHAAS
Mozart: Cosi fan tutte, Frankfurt, Mai 2000
Der Vesuv in meinem Herzen
Eine heiße Geschichte zündet: Annegret Ritzel inszeniert in Frankfurt Mozarts "Così fan tutte"
 
Gesungen wurde dagegen außerordentlich plastisch. Die sechs Premierensänger, vier davon aus dem neu sich bildenden Frankfurter Opernensemble, führten attraktive Mozart-Stimmen vor: schlank, gelenkig, farbschattierungsreich, tragfähig auch im Leisen. Bewundernswert bewältigte die deutsch-griechische Sopranistin Anja Harteros (Oper Bonn) in ihrer Fiordiligi-Arie "Como scoglio immoto resta" nicht allein scheinbar mühelos die "felsenfesten" Dezimensprünge, sondern unterlegte sie auch mit Leidensfeuer. Die italienisch-argentinische Mezzosopranistin Nidia Palacios sang in Dorabellas "Smanie implacabili" die "unerbittliche Qual" mit Glut und Kern in der Stimme aus. Suggestiv lyrisch, fast rauschhaft sich steigernd, beschwor Jonas Kaufmann in "Un' aura amorosa" Ferrandos Leidenschaft für Dorabella. Vom schwärmerischen Tenor hob Johannes Martin Kränzles Guglielmo sich mit rundem, profundem Bariton als bodenständigerer Pragmatiker ab. Alle - auch Andreas Maccos überlegener Alfonso und Barbara Zechmeisters wandlungsfähige Despina - legten so viel Brio in ihre Stimme, als trügen sie den Vesuv in ihren Herzen.






 
 
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