Passauer Neue Presse, 20.11.2009
Edith Rabenstein
Intensiver geht nicht
 
CD-KRITIK: Jonas Kaufmanns „Die schöne Müllerin“
Der Komponist Franz Schubert war der Meinung, wer seine „schöne Müllerin“ singt, muss jung sein.
Dieses Zitat kennt offenbar der gerade 40 Jahre alte Tenor Jonas Kaufmann. Der Münchner hat derade diesen bekannten Zyklus, der aus 20 Liedern besteht, aufgenommen mit Helmut Deutsch als Begleiter. Die Kaufmann-Fans dürfen in jeder Hinsicht überrascht sein, singt der Münchner doch in der Regel heldisches Fach und wechselt damit jetzt ins lyrische. Er singt den Liedzyklus in der originalen tenoralen Fassung. Inhaltlich geht es um Liebesfreud und Liebesleid eines Müllerburschen. Jonas Kaufmann ist ein großartiger Gestalter. Ihm gelingt es auf der einen Seite, den Naturburschen darzustellen, der „das Bächlein rauschen hört“ und die Schönheiten der Landschaft genießt. Unbefangene Lockerheit und schnelles Parlando sind da seine Stärke.
Auf der anderen Seite identifiziert sich der Sänger mit dem Liebeserleben. Freudiges Begehren wandelt sich in schmerzende Trauer. Der ungestümen Leidenschaft stehen die tieftraurigen, abgründig dramatischen Partien entgegen. Dieser Gegensatz ist berauschend, zumal Jonas Kaufmann mühelos alle Linien aussingt. Seine Stimme ist fast zu groß für das ihn begleitende Instrument, ein historisches Fortepiano. Helmut Deutsch ist jedoch ein kluger Begleiter.

Am berührendsten ist der fünfstrophische Schlussgesang, in dem Jonas Kaufmann expressiv fühlbar macht, dass „Des Baches Wiegenlied“ einem Toten gilt, der an Liebesschmerz gestorben ist. Von dem fröhlichen Müllersburschen zu Beginn des Zyklus ist nichts übrig geblieben. Intensiver kann man diesen Zyklus nicht singen, kann man die Fallhöhe der Figur nicht gestalten.






 
 
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